Von Darm-Mikrobiom-Tests wird abgeraten

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Stuhltests, mit denen die Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm analysiert werden soll, sind teuer und sinnlos. So lautet das Statement einer gastroenterologischen Fachgesellschaft. Solchen Tests fehle derzeit die wissenschaftliche Grundlage, erläutern die Experten.

Das Darm-Mikrobiom – also die Gesamtheit der Mikroorganismen in unserem Darm – ist in jüngster Zeit verstärkt ins Blickfeld geraten. Immer mehr Untersuchungen zeigen, dass die Millionen Bakterien im Darm nicht nur wichtig für die Nahrungsverwertung sind. Zunehmend deutlicher wird, dass die Zusammensetzung dieser Mikroorganismen auch eine Rolle bei der Entstehung verschiedenster Störungen und Erkrankungen spielen könnte. Das Spektrum möglicher Auswirkungen reicht von Adipositas über Herz-Kreislauf-Leiden bis zu Krebs und neurologischen Störungen.

Genaue Zusammenhänge noch unzureichend erforscht

Einige Hersteller und Labore bieten deshalb Untersuchungen von Stuhlproben zur Analyse der Darmflora an – häufig über das Internet. Die Ergebnisse dieser Tests dienen dazu, Handlungs- und Ernährungsempfehlungen für die jeweilige Person abzuleiten. Experten raten allerdings von solchen Tests ab. Als Gründe nennt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS):

  • Die Mikrobiom-Forschung stehe noch relativ am Anfang. Welche Korrelationen bestehen und wie sie sich im Einzelfall auswirken, müsse noch weiter wissenschaftlich untersucht werden. Die Zusammensetzung der Bakterien und eventuelle Krankheiten hätten nicht unbedingt etwas miteinander zu tun.
  • Die Bakterienzusammensetzung sei ständig kurzzeitigen Schwankungen unterworfen, etwa bei Medikamenteneinnahme, durch bestimmte Nahrungsmittel oder auf Reisen. Aus bakteriellen Verschiebungen lasse sich deshalb noch kein krankhafter Zustand folgern.
  • Dennoch würden aus den Mikrobiom-Tests oft Ernährungsempfehlungen abgeleitet, die schlimmstenfalls zu einer Mangelernährung führen könnten.
  • Die Analysen verschiedener Labore seien nicht vergleichbar.
  • Die oft hohen Kosten für solche Tests würden von den Krankenkassen in der Regel nicht übernommen. 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)