Warum kommt der neue Osteoporose-Antikörper (noch) nicht?

EMA gegen Zulassung von Romosozumab

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Der neue Antikörper zur Behandlung von Osteoporose lässt in der EU wohl noch auf sich warten: Der zuständige Ausschuss lehnte jüngst ab, Romosozumab zur Zulassung zu empfehlen. Der Grund: Patienten, die wegen ihrer Osteoporose mit Romosozumab behandelt wurden, hatten zwar weniger Knochenbrüche, erlitten aber häufiger einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall.

Vorerst keine neue Therapiemöglichkeit für Osteoporosepatienten: Der Humanarzneimittelausschuss (CHMP, Committee for Medicinal Products for Human Use) lehnte Ende Juni 2019 ab, Romosozumab (Handelsname: Evenity®) zur Zulassung zu empfehlen. Der Antikörper stammt aus der gemeinsamen Pipeline von Amgen und UCB und verfolgt einen gänzlich neuen Ansatz in der Behandlung der Osteoporose.

Zur Erinnerung:

Bei Osteoporose (Knochenschwund) nimmt die Knochendichte ab. Es kommt zu einem verstärkten Abbau des Knochens, sodass dieser größer als der Aufbau des Knochens ist.

Knochenaufbau unterstützen oder -abbau hemmen

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, Osteoporose zu behandeln oder ihr vorzubeugen: indem man den Knochenaufbau fördert (osteoanabol) oder indem man den Knochenabbau hemmt (antiresorptiv). Der Antikörper Romosozumab schafft beides. Evenity® hemmt Sclerostin. Sclerostin aktiviert normalerweise Zellen, die den Knochen abbauen (Osteoklasten) und hemmt die Zellen, die den Knochen aufbauen (Osteoblasten). Indem Romosozumab dieses Sclerostin blockiert, erhöht der Antikörper somit die Knochenmasse – und die Patienten zeigen weniger Knochenbrüche (Frakturen).

Weniger Knochenbrüche – aber mehr Herzinfarkte

Dies konnten die pharmazeutischen Hersteller Amgen und UCB in mehreren klinischen Studien auch tatsächlich nachweisen: Osteoporosepatienten, die Romosozumab erhielten, hatten weniger Knochenbrüche als die Vergleichsgruppe. Allerdings zeigte Romosozumab auch Schattenseiten – denn die Romosozumabpatienten litten häufiger unter Nebenwirkungen, die das Herz-Kreislauf-System betreffen – wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Bei älteren Patienten (über 75 Jahre) gab es in den Studien außerdem mehr Todesfälle unter Romosozumab als in den Vergleichsgruppen.

Keine Zulassungsempfehlung in der EU

Diese Nebenwirkungen sah auch der CHMP bei der EMA und verweigerte jüngst die Zulassungsempfehlung.

Zur Erinnerung:

Der CHMP spricht „lediglich“ eine Empfehlung über die Zulassung oder Nicht-Zulassung von Arzneimitteln aus. Über die endgültige Zulassung eines Arzneimittels entscheidet am Schluss die Europäische Kommission.

Auch in den USA schaffte Romosozumab keinen reibungslosen Zulassungsprozess. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hegte zunächst die gleichen Bedenken wie die EMA. Die FDA konnten die Evenity®-Hersteller wohl überzeugen, denn seit April 2019 ist Romosozumab dort zugelassen.

Wie geht es in der EU weiter mit dem Osteoporose-Antikörper? Die pharmazeutischen Unternehmer hatten nach Stellungnahme des CHMP 15 Tage Zeit, eine erneute Prüfung des Zulassungsantrages zu beantragen. Auf Patienten, die aktuell an Studien zu Romosozumab teilnehmen, hat die jetzige EMA-Entscheidung keinen Einfluss.