Welche Valsartan-Präparate sind noch lieferbar?

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Mylan informiert dieser Tage Apotheker und Ärzte in einem Schreiben, dass Valsartan dura in den Stärken 80, 160 und 320 mg in der Packungsgröße N3 lieferbar sei – allerdings scheint das derzeit nur für den Direktbezug zu gelten. Wettbewerber TAD spricht von einer dezimierten Verfügbarkeit, geht aber davon aus, dass sich die Lage Mitte bis Ende August wieder entspannt. Auch Aurobindo erklärt, dass die Vorräte zur Neige gehen und man nicht für alle Packungen Lieferbarkeit garantieren könne.

Klickt man sich durch die Liste der gemeldeten Lieferengpässe beim BfArM, findet man dort viel Valsartan. Die Engpässe enden teils im Herbst dieses Jahres, teilweise auch erst im kommenden Sommer. Hennig, Hexal, Zentiva, Puren, 1A und andere – so flächendeckend der Rückruf war, so flächendeckend ist jetzt der Engpass. Entsprechend erfreulich ist es natürlich, wenn Hersteller mitteilen, sie könnten liefern – so wie derzeit Mylan dura. In einem Schreiben an Apotheker, das DAZ.online vorliegt, bestätigt die Firma, dass Valsartan dura und Valsartan/HCT Mylan von den Rückrufen nicht betroffen sind. Mylan stelle in allen relevanten Dosierungen und Packungsgrößen substituierbare Alternativen zur Verfügung. Die aktuelle Lieferfähigkeit gelte für Valsartan dura in den Stärken 80 mg, 160 mg und 320 mg jeweils in der N3, heißt es weiter. Restbestände einzelner anderer Stärken und Packungsgrößen befänden sich ebenfalls noch im Großhandel. Mylan weist zudem darauf hin, dass die Firma ab 1. Oktober Rabattpartner der AOK ist und man davon ausgehe, die für Rabattverträge benötigten Mengen liefern zu können.

Ein vergleichbares Schreiben ist an Ärzte versendet worden, wie Mylan auf Nachfrage bestätigt. Die Firma erklärt dazu in einer Stellungnahme: „Bei Mylan stehen die Menschen an erster Stelle und wir arbeiten jeden Tag daran, 7 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt Zugang zu qualitativ hochwertigen Medikamenten zu verschaffen. Angesichts der kritischen Situation, mit der sich Deutschland mit dem Valsartan-Rückruf konfrontiert sieht, und da Mylan von diesem Rückruf nicht betroffen ist, setzen wir alles daran, um eine Lösung zu finden und sicherzustellen, dass jeder Patient(in) mit Bluthochdruck, die/der auf die Behandlung mit Valsartan angewiesen ist, Zugang dazu hat.“ Bei einigen Apothekern hatte allerdings die Tatsache für Unmut gesorgt, dass zu Beginn der Woche Ärzte bereits über die angebliche Lieferbarkeit informiert waren und das auch gegenüber Patienten kommunizierten, die Apotheker aber von nichts wussten.

Außendienst informiert Apotheken

Nun ist aber wohl auch der Außendienst in den Apotheken unterwegs und informiert darüber, dass Valsartan dura zu haben ist – zumindest im Direktvertrieb. Ein Hinweis, der sich im Schreiben so nicht findet, für Apotheker aber wichtig ist. Denn beim Großhandel, der ja üblicherweise die erste Anlaufstelle ist, ist anscheinend derzeit nichts zu bekommen.

Wie sieht es bei TAD und Aurobindo aus?

TAD und Aurobindo, die ebenfalls nicht vom Rückruf betroffen waren, äußern sich auf Nachfrage etwas zurückhaltender. Bei TAD heißt es, die Verfügbarkeit sei dezimiert. Der Hersteller rechnet damit, dass sich die Lage Mitte bis Ende dieses Monats wieder entspannen dürfte. Auch bei Aurobindo leerten sich die Lager, erklärt ein Sprecher gegenüber DAZ.online. Man könne nicht garantieren, dass alle Packungen im Großhandel erhältlich sind. Direktbestellungen seien grundsätzlich nicht möglich, dafür fehle die Kapazität, heißt es. Man arbeite aber mit Hochdruck daran, die Lieferfähigkeit vollumfänglich wieder herzustellen.

Entwarnung bezüglich anderer Wirkstoffe

Sollte kein Valsartan verfügbar sein, sollen Patienten sich von ihrem Arzt auf ein anderes Sartan umstellen lassen. Bis auf Irbesartan von Hormosan wurden auch bislang keine weiteren Sartane zurückgerufen. Der Rückruf erfolgte, weil eine produktionsbedingte Verunreinigung mit N-Nitrosodimethylamin des Wirkstoffes Irbesartan nicht mit 100-prozentiger Sicherheit ausgeschlossen werden konnte. Hormosan wollte sich allerdings auf Nachfrage von DAZ.online nicht zur Bezugsquelle äußern.

Allerdings gab die EMA am gestrigen Donnerstag Entwarnung bezüglich einer möglichen Verunreinigung weiterer Wirkstoffe aus der Produktion des chinesischen Herstellers Zhejiang Huahai Pharmaceuticals. Andere Substanzen, die von dort stammten, seien nicht betroffen, schreibt die Behörde in einer Stellungnahme.