Der diabetische Fuß - Teil 1: Risikofaktoren und Behandlung

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Diabetes mellitus ist die häufigste Stoffwechselerkrankung in den westlichen Industrienationen. Nach Angaben der Internationalen Diabetes-Föderation waren 2017 weltweit etwa 425 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. Eine von zahlreichen Komplikationen des Diabetes mellitus ist der diabetische Fuß, eine klinische Form der sensomotorischen diabetischen Polyneuropathie. Doch wie entsteht eigentlich ein diabetischer Fuß? Welche Möglichkeiten der Therapie gibt es?

Der diabetische Fuß

Beim diabetischen Fuß (die Fachliteratur verwendet synonym auch den Begriff diabetisches Fußsyndrom) handelt es sich um eine diabetische Spätkomplikation mit Ulzerationen (Geschwüren) und weiteren Komplikationen wie Infektionen oder Osteomylitis (Knochenmarkentzündung). Die Ursachen liegen zum einen in der diabetischen Neuropathie aber auch in peripheren arteriellen Durchblutungsstörungen und einer daraus resultierenden schlechten Wundheilung.

Der Begriff der diabetischen Neuropathie umfasst heterogene Erkrankungen mit unterschiedlicher klinischer Manifestation, die verschiedene Regionen des peripheren und des autonomen Nervensystems betreffen können. Eine diabetische Neuropathie kann, insbesondere in Kombination mit einer peripheren arteriellen Verschlußkrankheit, zum diabetischen Fußsyndrom führen.

Symptome

Am häufigsten entwickelt sich eine periphere Neuropathie mit vorwiegend sensorischen Symptomen wie Taubheitsgefühl, Parästhesien, nächtlichen Wadenkrämpfen oder Reflexausfällen. Neben Muskelschwäche oder Paresen, also motorischen Störungen, können sich ebenfalls Neuropathien des autonomen Nervensystems mit Störungen u.a. des kardiovaskulären Systems, des Gastrointestinaltraktes oder auch des Respiratorischen Systems entwickeln.

Risikofaktoren

Fußläsionen sind bei Diabetikern das Ergebnis eines von vielen Faktoren beeinflussenden Geschehens. Hauptrisikofaktoren für diabetesassoziierte Ulzerationen des Fußes und schließlich einer Amputation sind neben Dauer, Verlauf und schlechter Stoffwechseleinstellung auch Neuropathien und arterielle Verschlusskrankheit und deren Folgeerkrankungen (z. B. Niereninsuffizienz, Schlaganfall) aber auch das Alter des Patienten.

Bei Typ-2-Diabetes wurde eine Prävalenz der diabetischen Neuropathie von 13 bis 46 % berichtet, besonders bei schlecht eingestellten Patienten.

Weitere Risikofaktoren für das Entstehen von Fußläsionen können sein:

  • Immunsuppression einschließlich Glukokortikoide;
  • Adipositas (BMI ≥ 35);
  • mangelnde/falsche Fußpflege;
  • motorische Funktionseinschränkung/Parese eines oder beider Beine;
  • psychosoziale Faktoren;
  • Seheinschränkungen;
  • Suchtkrankheiten (z. B. Rauchen, Alkoholismus);
  • ungeeignetes Schuhwerk. 

Behandlung

Die zu vermeidende Endstufe des diabetischen Fußes ist die Amputation. Nur durch ein striktes Vorgehen bei der Behandlung der Fußulzera auf verschiedenen Ebenen kann erreicht werden, dass eine Amputation nicht erforderlich wird.

  • Von ca. 50 000 Krankenhausaufenthalten wegen Amputationen werden ca. 60 % aller Amputationen bei Patienten mit Diabetes mellitus durchgeführt.
  • Die jährliche Neuerkrankungsrate diabetischer Fußulzera liegt bei ca. 2 %. Die Wahrscheinlichkeit, einen diabetischen Ulkus zu entwickeln, beträgt für die gesamte Lebensdauer eines Menschen mit Diabetes 15 % bis 25 %.
  • Bei richtiger Behandlung kann die Häufigkeit von Amputationen bei Diabetes Patienten um mehr als 50 % gesenkt werden. 

Die derzeit in der Aktualisierung befindliche Leitlinie „Präventions- und Behandlungsstrategien für Fußkomplikationen“ beschreibt die wesentlichen Komponenten der Behandlung diabetischer Fußulzera. In erster Linie sollten Patienten eine Stoffwechseloptimierung anstreben. Eine Behandlung internistischer Grunderkrankungen oder / und von Gefäßerkrankungen unter engmaschiger ärztlicher Aufsicht ist ebenfalls notwendig genauso wie eine Infektionskontrolle. Bei bestehender Ulzeration des Fußes erfolgt ein Débridement avitaler Gewebeanteile. Als Débridement bezeichnet man die Sanierung des Wundbettes durch Entfernung nekrotischer und fibrinöser Beläge. Es dient der Herstellung eines physiologischen Wundmilieus zur Förderung der Heilung und Prophylaxe einer Wundinfektion. Ferner muss der Patient durch richtiges Schuhbett eine effektive Druckentlastung erfahren, um Fußläsionen vorzubeugen bzw. nicht weiter zu verschlimmern.

„Mittel der ersten Wahl“ sind aber vor allem präventive Maßnahmen und besonders eine umfangreiche Patientenschulung. Wie Sie Kunden mit diabetischem Fuß in der Apotheke unterstützen können, erfahren Sie im zweiten Teil des Artikels.

 

Quellen

Nationale Versorgungs Leitlinie, Therapie des Typ-2-Diabetes, Langfassung, 1. Auflage Version 3, August 2013

Nationale Versorgungs Leitlinie Typ-2-Diabetes Präventions- und Behandlungsstrategien für Fußkomplikationen Komponenten, Langfassung, Version 2.8, Februar 2010

Nationale Versorgungs Leitlinie, Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter, 1. Auflage, 2011

DDG Praxisempfehlung Diabetisches Fußsyndrom: dus_2016_S2_Supplement_Praxisempfehlungen_Morbach_Diabetisches_Fußsyndrom_Online-PDF, Zugriff 27.Mai 2018