Aktuelle Kurzmeldungen zur Corona-Pandemie

Woche vom 14. bis 18.09.2020

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Einen Corona-Impfstoff wird es in Deutschland erst Mitte des nächsten Jahres geben, in den Vereinigten Arabischen Emiraten wird das medizinische Personal schon notfallmäßig geimpft und bei den Werbeaussagen für Desinfektionsmittel musste die Wettbewerbszentrale eingreifen. Wir versorgen Sie auch in dieser Woche wieder zeitnah mit wichtigen Meldungen zum Thema Corona.

Freitag, den 15.05.2020

Covid-Impfstoff: EU-Kommission schließt auch Vertrag mit Sanofi-GSK

Die EU-Kommission hat einen zweiten Vertrag über den Kauf eines künftigen Corona-Impfstoffs abgeschlossen, diesmal mit den Herstellern Sanofi und GSK über die Lieferung von bis zu 300 Millionen Einheiten. Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides erklärte dazu am Freitag, angesichts steigender Corona- Infektionszahlen sei ein wirksamer Impfstoff wichtiger denn je. Mit dem neuen Vertrag wüchsen die Chancen, dass Menschen in der EU und weltweit nach und nach ihr Alltagsleben wieder aufnehmen könnten.

Die EU hatte bereits einen Vertrag mit dem Hersteller AstraZeneca geschlossen und plant weitere mit anderen Unternehmen mit aussichtsreichen Impfstoff-Kandidaten. Keiner dieser Impfstoffe ist jedoch bisher zugelassen. Die Abnahmeverträge mit Vorkasse sollen die Entwicklung und Massenproduktion der Impfstoffe beschleunigen.

Der Impfstoff von Sanofi (Frankreich) und GSK (Großbritannien) wird nach Angaben der Kommission seit September getestet; die entscheidende Phase-3-Studie soll bis Ende 2020 folgen. Gibt es keine Hindernisse, wollen die Hersteller den Impfstoff im zweiten Halbjahr 2021 verfügbar haben, wie es weiter hieß. Der neue Vertrag sieht vor, dass die EU-Staaten bis zu 300 Millionen Dosen aufkaufen können, sollte der Impfstoff zugelassen werden. Darüber hinaus können die Staaten Einheiten an ärmere Länder spenden. Sanofi und GSK seien zudem „bestrebt“, einen erheblichen Anteil ihres Impfstoffs an die internationale Initiative Covax zu liefern. Diese soll sicherstellen, dass Menschen weltweit Zugang zu einem künftigen Impfstoff bekommen.

Quelle: dpa / cn

München überschreitet wichtigen Grenzwert bei Corona-Neuinfektionen

Die bayerische Landeshauptstadt München hat den Grenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen einer Woche überschritten. Dies geht aus der täglich aktualisierten Statistik des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) vom Freitag hervor. Der Wert gilt als wichtige Schwelle im Kampf gegen die Corona-Pandemie; wird er überschritten, sind verstärkte Infektionsschutzmaßnahmen vorgesehen. München erreichte den Wert von 50,7. Der Grenzwert wurde aber auch in anderen Regionen überschritten. So sind in Bayern die Stadt Würzburg (70,38), die Stadt Kaufbeuren (61,51), der Landkreis Garmisch-Partenkirchen (58,78) und der Landkreis Kulmbach (50,11) besonders betroffen.

Quelle: dpa / cn


Donnerstag, den 17.09.2020

WHO warnt vor steigenden Infektionszahlen in Europa

Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist besorgt über die wieder steigenden Corona-Zahlen in Europa. Die wöchentlichen Fallzahlen überstiegen nun diejenigen, die während der ersten Hochphase des Coronavirus in Europa im März gemeldet worden seien, sagte der Direktor des WHO-Europa-Büros, Hans Kluge, am Donnerstag auf seiner wöchentlichen Online-Pressekonferenz in Kopenhagen.

Obwohl diese Zahlen auch die umfassenderen Tests widerspiegelten, zeigten sie alarmierende Übertragungsraten in der europäischen Region. „Die September-Fallzahlen sollten für uns alle als ein Weckruf dienen.“ Gleichzeitig blieb Kluge optimistisch: „Wohin sich die Pandemie von hier aus entwickelt, liegt in unseren Händen. Wir haben sie schon einmal zurückgeschlagen und können sie wieder zurückschlagen.“

Wirksame Maßnahmen wie umfassende Tests, das Waschen der Hände, das Abstandhalten zueinander und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Situationen, wo dieser Abstand nicht möglich sei, sowie das Vermeiden größerer Versammlungen müssten dringend eingehalten werden, mahnte Kluge an. Zugleich müssten die Sorgen und Nöte der Menschen ernstgenommen und auf die entstandene Corona-Müdigkeit eingegangen werden, die angesichts der langen Zeit der Pandemie verständlich sei. „Müdigkeit ist ganz natürlich. Sie muss verstanden und angesprochen werden, wo sie uns in Gefahr bringt.“

Kluge stellte sich darüber hinaus hinter die Forderung nach mehr Macht und Geld für die Europäische Union in Gesundheitsfragen, die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch in ihrer Rede zur Lage der EU angerissen hatte. „Für mich liegt klar auf der Hand: Wir müssen eine stärkere Europäische Gesundheitsunion schaffen, es ist Zeit“, hatte von der Leyen gesagt. „Wir teilen die Vision einer Europäischen Gesundheitsunion“, sagte Kluge dazu.

Quelle: dpa / cn

Höchststand bei Corona-Neuinfektionen seit mehr als vier Monaten

Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen hat den höchsten Tageswert seit April erreicht. Das geht aus Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Donnerstagmorgen hervor. „Das, was man im Moment sieht, also heute Morgen zum Beispiel 2.200 neue Fälle, das ist schon nicht so eine beliebige Schwankung. Sondern wir sind jetzt wieder im Anstieg“, sagte der Virologe Christian Drosten am Donnerstag bei einem Kommunikationskongress in Berlin.

Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland 2.194 neue Corona-Infektionen gemeldet, wie das RKI meldete. Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Ende März/Anfang April bei mehr als 6.000 gelegen. Die Zahl war dann in der Tendenz gesunken und im Juli wieder gestiegen. Im August lag die Zahl der Fälle dann einmal bei knapp über 2.000 (2034). Laut RKI treten weiterhin bundesweit zahlreiche kleinere Corona-Ausbrüche auf, zum Beispiel in Verbindung mit Reiserückkehrern und im Zusammenhang mit Feiern im Familien- und Freundeskreis.

Der Anteil der Coronavirus-Fälle unter Reiserückkehrern sei jedoch seit Mitte August deutlich zurückgegangen. Laut RKI stecken sich zunehmend wieder Menschen in Deutschland an. Drosten unterscheidet die jetzige Situation von der Lage im August. Damals sei das kurze An- und Abschwellen der Zahl der Neuinfektionen mit großer Sicherheit auf aus dem Ausland importierte Fälle zurückzuführen gewesen, „die in Deutschland nicht weitergegangen sind“, sagte Drosten. Die jetzt neu diagnostizierten Fälle seien aber in Deutschland aufgetretene Infektionen. Diese Unterscheidung ist laut Drosten wichtig. Denn der jetzt diagnostizierte Fall sei in erster Linie ein Hinweis auf das Cluster, in dem der Mensch sich vor einer Woche angesteckt hat. Ein Cluster kann beispielsweise eine Gruppe von Menschen bei einer Familienfeier oder eine Bürogemeinschaft sein. Bei Reiserückkehrern liege dieses Cluster im Ausland. Anders bei den aktuellen Fällen: „Und da ist im Hintergrund ein unerkanntes Cluster. Das heißt wir müssen uns eigentlich jetzt so drauf einstellen, dass das, was wir sehen, der Beginn einer Inzidenzzunahme ist, die man irgendwann auch dann wieder kontrollieren muss.“ Drosten betonte, dass die Situation nicht mit der im März vergleichbar sei. Selbst wenn demnächst - wie damals Ende März/Anfang April - mehr als 6.000 Neudiagnosen pro Tag gemeldet würden, sei das nicht dasselbe, weil viel mehr getestet werde.

Man müsse dann nicht wie im März einen „Lockdown“ machen. „Aus mehreren Gründen.“ „Wir zählen viel empfindlicher“, sagt Drosten. Es dürften also mehr der vorhandenen Infektionen auch erkannt werden als im Frühjahr. Zum anderen sind jetzt mehr jüngere Leute infiziert, die nicht schwer krank werden. Trotzdem gebe es aber keine Entwarnung, sagte Drosten, der auf dem Kongress für seine Aufklärungsarbeit in der Pandemie einen Ehrenpreis des Bundesverbandes der Kommunikatoren erhielt. Beim Coronavirus sorgen die meisten Infizierten laut früheren Ausführungen von Drosten für relativ wenige Ansteckungen, während einzelne Infizierte - die sogenannten Superspreader - unter bestimmten Umständen sehr viele Folgefälle auslösten, beispielsweise in einem Cluster.

Aktuell sterben laut RKI immer weniger der gemeldeten Corona-Infizierten. „Dies liegt hauptsächlich daran, dass relativ viele junge Menschen neu diagnostiziert werden, von denen relativ wenige schwer erkranken und versterben“, schreibt das RKI. Es müsse nun insbesondere verhindert werden, dass wieder vermehrt ältere und besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen erkranken. „Seit der vergangenen Woche ist ein leichter Anstieg der Fallzahlen in den höheren Altersgruppen zu sehen, dieser Verlauf sollte aufmerksam beobachtet werden.“

Die Situation auf den Intensivstationen ist laut DIVI-Intensivregister weiterhin entspannt. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich laut RKI mindestens 265.857 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 17.9., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9.371. Seit dem Vortag wurden drei Todesfälle mehr gemeldet. Bis Donnerstagmorgen hatten etwa 237.300 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Quelle: dpa / cn

Corona-Schutz: Richtig lüften im Herbst und Winter

Die Bundesregierung rät vor der kälteren Jahreszeit dringend zu ausreichendem Lüften von Räumen, um das Risiko von Corona-Infektionen zu mindern. Gut gelüftet werden sollten demnach alle Innenräume, in denen sich mehrere Personen nicht nur kurzfristig aufhalten, wie es in einer am Donnerstag in Berlin vom Arbeitsministerium veröffentlichen Empfehlung heißt. Empfohlen wird intensives und regelmäßiges Lüften über Fenster und Türen. Bei Klimaanlagen empfiehlt die Regierung unter anderem eine Erhöhung der Außenluftzufuhr. „Mehr Frischluftzufuhr, weniger Umluft“, so Arbeitsstaatssekretär Björn Böhning. Bei Anlagen mit ausschließlichem Umluft- oder Mischluftbetrieb könne demnach der Einbau zusätzlicher Filter gut sein, da Viren durch zurückgeführte Luft im Raum verteilt werden können. Geeignet sein könnte auch ein zusätzliches Abtöten von Viren etwa durch UVC-Bestrahlung, also Ultraviolettstrahlung. Ob und wie eine Nachrüstung mit Filtern oder Desinfektionsstufen funktioniere, müsse aber im Einzelfall geprüft werden. Wichtig sei zudem, die Funktionsfähigkeit der Anlagen zu prüfen, nötige Reparaturen zu erledigen und Filter auszutauschen. Die Empfehlungen der Regierung erstrecken sich auf raumlufttechnische Anlagen insgesamt, also etwa auch andere Lüftungsanlagen. Zusätzlich zum Lüften sollte laut Regierung die Belegung von Räumen auf das notwendige Minimum begrenzt werden. Abstandsregeln sollten beachtet, geeignete Abtrennungen angebracht und Mund-Nase-Bedeckungen getragen werden. Allgemein gelte: Je kleiner die Frischluftmenge - desto höher die Zahl der Viren in der Luft. Desto geringer sollte dann auch die Aufenthaltsdauer in geschlossenen Räumen sein, so die Regierung.

Quelle: dpa / cn


Mittwoch, den 16.09.2020

Wettbewerbszentrale gegen falsche Werbung für Desinfektionsmittel

Wegen der Corona-Pandemie sind Desinfektionsmittel im laufenden Jahr stärker gefragt denn je. Doch bei den Werbeaussagen zu ihren Produkten nehmen es einige Hersteller nicht allzu genau, wie die Wettbewerbszentrale am Mittwoch in Bad Homburg bei Frankfurt berichtete. In elf Fällen seien die Werbeaussagen im Internet oder auf den Etiketten beanstandet worden. In sechs Fällen sei die Werbung bereits umgestellt worden, und gegen zwei Hersteller habe man Unterlassungsklagen eingereicht. In drei Fällen tausche man sich noch mit den Unternehmen aus, hieß es.

Meistens werde die Biozidverordnung nicht ausreichend beachtet, führte die Wettbewerbszentrale aus. Diese untersage für Etikett und Werbung bestimmte Aussagen ausdrücklich, wie etwa ungiftig, unschädlich, natürlich, umweltfreundlich oder tierfreundlich. Die Bad Homburger Wettbewerbshüter sehen aber auch umweltbezogene Aussagen wie „es wirkt ganz natürlich“ kritisch. Auch Bezeichnungen wie „hautfreundlich“ oder „für Babys und Kleinkinder geeignet“ gehörten nicht auf Mittel, die Schädlinge abtöten sollen. Zudem wurden fehlende oder versteckte Warnhinweise sowie nicht nachvollziehbare Zertifikate und Testsiegel bemängelt.

Die Wettbewerbszentrale ist keine Behörde, sondern eine Institution zur wettbewerbsrechtlichen Selbstkontrolle der Wirtschaft. Dem Verein gehören nach eigenen Angaben mehr als 1200 Unternehmen und 800 Wirtschaftsverbände an. Die Zentrale geht mit Abmahnungen und Unterlassungsklagen gegen vermeintliche Wettbewerbsverstöße vor.

Quelle: dpa / cn

Deutschland erklärt etliche Regionen in Europa zu Corona-Risikogebiet

Wegen der gestiegenen Zahl von Corona-Neuinfektionen hat die Bundesregierung neben der österreichischen Hauptstadt Wien etliche weitere Regionen in mehreren europäischen Ländern zum Risikogebiet erklärt - und entsprechende Reisewarnungen ausgesprochen. Das bundeseigene Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichte am Mittwoch eine aktualisierte Liste der Corona-Risikogebiete.

Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Die Warnung des Auswärtigen Amtes vor „nicht notwendigen, touristischen Reisen“ dorthin folgt in der Regel nach kurzer Zeit.

Für deutsche Urlauber bedeutet die Rückkehr aus einem Risikogebiet einen Corona-Pflichttest und gegebenenfalls auch Quarantäne, bis ein negatives Testergebnis vorliegt.

Eine Reisewarnung ist zwar kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung haben. Allerdings hat sie auch eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Reisenden, Buchungen für Pauschalreisen kostenlos zu stornieren.

Im einzelnen gelten folgende neuen Reisewarnungen:

- FRANKREICH: Die Reisewarnung wurde die Region Hauts-de-France ganz im Norden der französischen Republik sowie das Überseegebiet La Réunion ausgedehnt. Als Risikogebiete galten zuvor bereits die Regionen Île-de-France mit der Hauptstadt Paris, Provence-Alpes-Côte d’Azur, Occitanie, Nouvelle-Aquitaine, Auvergne-Rhone-Alpes, die Mittelmeerinsel Korsika sowie weitere Überseegebiete

- NIEDERLANDE: Reisewarnung für die Provinzen Nord- und Südholland.

- SCHWEIZ: Ausweitung der Reisewarnung auf den Kanton Freiburg. Zuvor galt das bereits für die Kantone Genf und Waadt.

- KROATIEN: Ausweitung der Reisewarnung auf die Gespanschaften Brod-Posavina und Virovitica-Podravina, nachdem bereits fünf weitere Regionen als Risikogebiete galten.

- TSCHECHIEN: Eine Reisewarnung gilt nun auch für die Mittelböhmische Region rings um die Hauptstadt Prag, die bereits seit rund einer Woche als Risikogebiet gilt.

- UNGARN: Reisewarnung für die Hauptstadt Budapest.

- Auch für weitere Regionen in RUMÄNIEN wurden Reisewarnungen ausgesprochen, zudem die Warnungen vor Reisen in zwei Regionen aufgehoben.

Quelle: dpa / cn

1.901 registrierte Corona-Neuinfektionen in Deutschland

Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom frühen Mittwochmorgen 1.901 neue Corona-Infektionen gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich demnach mindestens 263.663 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 16.9., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9.368. Seit dem Vortag wurden sechs Todesfälle mehr gemeldet. Bis Mittwochmorgen hatten etwa 236.000 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.
Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Mitteilung vom Dienstagabend bei 1,04 (Vortag: 1,18). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.


Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,00 (Vortag: 1,04). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

Quelle: dpa / cn


Dienstag, den 15.09.2020

Impfkommission erwartet mehrere Corona-Impfstoffe in Deutschland

Die Ständige Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch-Institut geht davon aus, dass es in Deutschland mehrere unterschiedliche Impfstoffe gegen das neue Coronavirus geben wird. „Angesichts der großen Zahl von potenziellen Sars-CoV-2-Impfstoffkandidaten ist es wahrscheinlich, dass am Ende mehrere Impfstoffe in Deutschland zugelassen werden“, sagte die Vize-Vorsitzende der Kommission, Sabine Wicker, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dabei könne es sein, dass einzelne Impfstoffe insbesondere für bestimmte Bevölkerungsgruppen geeignet wären - zum Beispiel für Ältere.
Die Bundesregierung erwartet, dass ein Impfstoff gegen das Coronavirus in Deutschland für Teile der Bevölkerung in den ersten Monaten des nächsten Jahres zur Verfügung steht, für die breite Masse aber voraussichtlich erst Mitte des Jahres. Entsprechend äußerten sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Dienstag in Berlin. Spahn hatte erklärt, dass zuerst Menschen mit Vorerkrankungen, ältere Menschen und Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Pflege zum Zuge kommen sollen. Mit dieser Frage beschäftigt sich die Impfkommission.
Laut Weltgesundheitsorganisation wird weltweit derzeit in rund 170 Projekten nach einer wirksamen Substanz gesucht. Bei 26 Projekten laufen demnach bereits Testimpfungen, um die gesundheitliche Verträglichkeit und Wirksamkeit zu untersuchen.

Quelle: dpa / cn

Spahn: Herdenimmunität durch freiwillige Corona-Impfung erreichbar

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat erneut betont, dass keine Impfpflicht gegen das Coronavirus eingeführt werden soll. „Es wird zu einer freiwilligen Impfung kommen“, sagte Spahn am Dienstag in Berlin. Um eine Herdenimmunität zu erreichen, müssten sich in Deutschland demnach 55 bis 65 Prozent der Bürger impfen lassen. „Wir sind sehr, sehr zuversichtlich, dass wir das Ziel einer ausreichend hohen Impfquote freiwillig erreichen.“ Spahn und Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) gehen weiterhin davon aus, dass es im kommenden Jahr einen Corona-Impfstoff für große Teile der Bevölkerung geben wird.
Dafür wird die beschleunigte Impfstoffentwicklung des Tübinger Biotechunternehmens Curevac sowie der Mainzer Firma Biontech gefördert. Als drittes Unternehmen soll die Firma IDT Biologika aus Dessau-Roßlau finanzielle Mittel erhalten, die Gespräche dazu liefen aber noch, wie Karliczek betonte.
„Wir setzen nicht nur auf einen Impfstoff, nicht nur auf ein Entwicklerteam und auch nicht auf nur eine Technologie, sondern wir wollen ein breites Portfolio fördern“, sagte Spahn. Mit der Förderung würde auch der Wissenschafts-, Wirtschafts- und Biotechnologiestandort Deutschland gestärkt.

Quelle: dpa / cn

Emirate geben Corona-Impfstoff zum Notfallgebrauch für Helfer frei

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben einen Corona-Impfstoff zur eingeschränkten Notfallverwendung freigegeben. Der Impfstoff werde vorerst „für diejenigen zur Verfügung stehen, die am meisten mit Covid-19-Patienten zu tun haben“, sagte Gesundheitsminister Abdul Rahman Mohammed Al-Owais am Montag. Sie seien durch ihre Arbeit am stärksten gefährdet, sich mit dem Virus zu infizieren. „Die Notfallverwendung des Impfstoffs entspricht voll und ganz den Vorschriften und Gesetzen, die eine schnellere Überprüfung der Genehmigungsverfahren ermöglichen“, fügte der Minister hinzu.
Die VAE führen seit Mitte Juli klinische Versuche der Phase III für einen Impfstoff des chinesischen Pharmaunternehmens Sinopharm durch. Die dritte Phase ist die letzte, bevor die Herstellung des Impfstoffes genehmigt wird. Al-Owais sagte, die Endphase der in den VAE durchgeführten Versuche habe gezeigt, dass der Impfstoff „sicher und wirksam ist und zur Bildung von Antikörpern gegen das Virus geführt hat“.
Das Mittel basiert nach Aussage des Gesundheitsunternehmens G42 aus Abu Dhabi zu Beginn der entscheidenden Testphase auf abgetöteten Coronaviren. Rund 31.000 Menschen mit 125 Nationalitäten hatten nach Angaben der Leiterin der klinischen Studie an den Tests teilgenommen. Es seien nur einfache und erwartete Nebenwirkungen beobachtet worden, ähnlich denen anderer Impfstoffe.
In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden seit Beginn der Pandemie mehr als 80.000 Coronavirus-Infektionen gezählt. Die täglich registrierten Fälle stiegen im August wieder an.

Quelle: dpa / cn


Montag, den 14.09.2020

WHO meldet neuen Rekord an registrierten Corona-Neuinfektionen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erneut einen Rekord an neu gemeldeten Corona-Fällen innerhalb eines Tages registriert. Weltweit wurden zuletzt 307.930 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet, wie aus am Sonntag veröffentlichten WHO-Daten hervorgeht. Das sind rund 1.000 Fälle mehr als beim jüngsten Höchststand vor einer Woche. Damit sind seit Bekanntwerden des Erregers Sars-CoV-2 Ende vergangenen Jahres weltweit mehr als 28,6 Millionen Infektionen gemeldet worden. Die Dunkelziffer ist allerdings nach Einschätzung von Experten erheblich. Spitzenreiter bei den neuen Fällen sind nach absoluten Zahlen Indien, die USA und Brasilien. Auf Platz vier liegt Spanien mit rund 12.000 Neuinfektionen binnen eines Tages. Mehr als 917.000 Infizierte sind nach der WHO-Statistik (Stand Sonntag, 13.09.2020 13.00 MESZ) weltweit bisher gestorben. Die Zahl der täglich gemeldeten Todesfälle blieb zuletzt laut WHO-Daten relativ konstant. Am Sonntag wurden rund 5.500 Tote in 24 Stunden registriert.

Quelle: dpa / cn

St. Pauli feiert das Ende des Prostitutionsverbots

Gleich zu Beginn der Corona-Einschränkungen im März war auch die Prostitution verboten worden. Während andere sogenannte körpernahe Dienstleistungen längst wieder in Tattoo-, Piercing-, Waxing- oder Massagestudios angeboten werden, kommt das „älteste Gewerbe der Welt“ spät aus dem Lockdown. Und nicht spurenlos. „Wir haben alle einen hohen Schuldenberg, den wir noch abarbeiten müssen. Und der Sommer, in dem unser Hauptgeschäft läuft, ist vorbei“, sagt Hanna, Sprecherin der Gruppe „Sexy Aufstand Reeperbahn“ aus Sexarbeiterinnen und Bordellbetreibern, die sich seit Monaten dafür einsetzt, dass das Rotlicht auf St. Pauli wieder angeht.

Auch für die Betreiber der behördlich genehmigten Bordelle sei es eine schlimme Zeit gewesen: monatelang ohne Einkünfte. Das Geschäft mit dem Sex sei derweil illegal in privaten Wohnungen und in Parks gelaufen. Ab Dienstag solle es nun auch für die genehmigten Prostitutionsstätten wieder besser werden.

Die Damen vom „Sexy Aufstand Reeperbahn“ haben schon Mitte Juli einen eigenen Hygieneplan vorgelegt, mit dem sie zeigen wollten, wie das Sexgeschäft auch in Corona-Zeiten unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes stattfinden kann: nur Sexstellungen, die einen gewissen Abstand zwischen den Köpfen der Prostituierten und ihren Kunden garantieren, kein Austausch von Körperflüssigkeiten, ständiges Lüften und vieles mehr. Doch die Behörden hielten an dem Verbot fest.

Vor gut einer Woche reichten die Anwälte zweier Sexarbeiterinnen und zweier Bordellbetreiber aus der Herbertstraße dagegen einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Hamburg ein - stellvertretend für die ganze Branche. Der dürfte nun mit der Wiederzulassung der Prostitution eigentlich erledigt sein. Zurückgezogen habe man ihn aber bislang nicht, sagt Rechtsanwältin Kerstin Gröhn. „Wir wollen warten, bis die Verordnung in Kraft tritt.“ In dieser Verordnung ist geregelt, wie die Prostitution ab Dienstag unter strengen Auflagen wieder stattfinden kann. Um mögliche Infektionen nachverfolgen zu können, seien die Prostituierten verpflichtet, Kontaktlisten zu führen und nach Terminabsprache zu arbeiten, sagt die auch für Gesundheit zuständige Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD). „Nicht zulässig sind weiterhin Prostitutionsveranstaltungen und Prostitution in Fahrzeugen.“

Die Verordnung stimme fast vollständig mit dem Hygienekonzept der Sexarbeiterinnen überein, sagt Gröhn. Einzige Ausnahme: Oralsex, für den die Prostituierten den Mund-Nase-Schutz gern hätten abnehmen wollen. „Das erlaubt die Verordnung so aber nicht.“

Ausschlaggebend für die Wiederzulassung sei gewesen, dass sie im Einklang mit den benachbarten Bundesländern erfolge, sagt Senatorin Leonhard. Auch in Schleswig-Holstein und Bremen ist Prostitution ab Dienstag unter strengen Auflagen wieder erlaubt - streng offiziell auch erst dann wieder in Niedersachsen. Allerdings setzte dort bereits Ende August das Oberverwaltungsgericht die von der Landesregierung angeordnete Schließung von Bordellen und ähnlichen Einrichtungen außer Vollzug.

Quelle: dpa / cn

 

Virologe Streeck: Nicht nur auf reine Ansteckungszahlen schauen

Der Virologe Hendrik Streeck regt eine Debatte über Umfang und Dauer der staatlichen Beschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie an. "Ich plädiere für einen Strategiewechsel", sagte der Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung an der Universität Bonn der "Welt am Sonntag". "Wir dürfen uns bei der Bewertung der Situation nicht allein auf die reinen Infektionszahlen beschränken", sagte er. Zwar steige die Zahl der positiv getesteten Menschen in Deutschland und Europa signifikant an. "Gleichzeitig sehen wir aber kaum einen Anstieg der Todeszahlen."

Der Wissenschaftler ergänzte, gesellschaftlich betrachtet seien Infektionen mit keinen Symptomen nicht zwangsweise schlimm. "Je mehr Menschen sich infizieren und keine Symptome entwickeln, umso mehr sind - zumindest für eine kurzen Zeitraum - immun. Sie können zum pandemischen Geschehen nicht mehr beitragen." Streeck sagte, man könne "das Leben ja nicht pausieren lassen".

Er verwies auf die Bedeutung von Antigen-Schnelltests, mit denen es möglich sei, eine Infektion innerhalb von wenigen Minuten festzustellen. Solche Tests seien nur Momentaufnahmen, genügten aber, wenn Pflegepersonal in Heimen und Kliniken regelmäßig getestet würde, sagte Streeck. Perspektivisch könnten auch Besucher auf diese Weise getestet werden. "Man mag sich eine Security-Schleuse am Eingang des Pflegeheims vorstellen. Es wird getestet, und ein Ergebnis liegt innerhalb von zehn bis fünfzehn Minuten vor. Menschen würden so nicht weggesperrt, aber viel besser geschützt."

Zahlreiche solcher Tests befinden sich derzeit in Entwicklung, einige sind bereits erhältlich. Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat angekündigt, noch im September einen Antigen-Test auf den Markt zu bringen, der laut Hersteller-Angaben mit hoher Genauigkeit eine Infektion erkennt. Die Zahlen für diesen Tests hörten sich gut an, sagte kürzlich Matthias Orth, Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin im Marienhospital in Stuttgart. Grundsätzlich seien solche Schnelltests aber mit Bedacht zu bewerten. "Ein Antigen-Test ist nie so genau wie ein PCR-Test." Schnelltests seien in manchen Bereichen eine sinnvolle Ergänzung, könnten aber die PCR-Testung nicht ersetzen.

Im Hinblick auf den künftigen Umgang mit der Coronavirus-Pandemie hatte der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité kürzlich Vorschläge für die Isolierung infizierter Personen und die Quarantäne von Verdachtsfällen gemacht. Infizierte sollten ab dem Zeitpunkt der Diagnose noch fünf Tage in Heimisolierung gehen. "Dann erfolgt eine Testung und bei niedriger Viruslast eine Aufhebung der Isolierung." Dies gelte bei milden Fällen mit geringem Risiko der Verschlechterung.

Bei Verdacht auf eine Infektion, also wenn jemand keine Symptome hat und noch nicht getestet wurde, gebe es derzeit auf EU-Ebene Diskussionen, die Quarantäne Zeit von 14 auf 10 Tage zu verkürzen. "Ich denke, das geht. Ich kann mir auch vorstellen, dass man sogar noch ein paar Tage weiter reduzieren kann, zum Beispiel auf sieben Tage." Einige Infektionen würde man dann verpassen. "Wie viele verpasste Infektionen man zulassen will, ist eine politische Entscheidung."

Auch Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung befürwortet eine Verkürzung der Quarantäne. "Wie lange genau hängt davon ab, wie viel Sicherheits- bzw. Gewissheits-Bedürfnis die Behörden haben." Das gelte aber nur für asymptomatische Kontaktpersonen.

In Deutschland ist die Zahl der Todesfälle im Verhältnis zur Zahl der Infektionen gegenwärtig rückläufig. Das Robert Koch-Institut (RKI) führt das darauf zurück, dass sich zuletzt vor allem jüngere Menschen angesteckt haben, bei denen es selten zu schweren Verläufen kommt. Eine Zunahme der Infektionen, insbesondere bei älteren und gefährdeten Menschen, müsse dennoch vermieden werden. Nach einem Anstieg der Fallzahlen seit Mitte Juli, hat sich die Situation laut RKI zuletzt stabilisiert.

Quelle: dpa / cn

Corona-Ausbruch in Garmisch: Eine Superspreaderin auf Kneipentour

Der heftige Corona-Ausbruch im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen geht nach Behördenangaben wohl zu einem großen Teil auf das Konto einer feierfreudigen jungen Frau. Davon ist zumindest das zuständige Landratsamt überzeugt. Die 26-Jährige soll an verschiedenen Tagen durch mehrere Kneipen in der Marktgemeinde am Fuße der Zugspitze gezogen sein und dabei zahlreiche Menschen angesteckt haben. Eine Superspreaderin. Nach Angaben der Behörde soll sie auf ihrer Kneipentour schon Symptome gehabt und auf die Ergebnisse ihres Corona-Tests gewartet haben.

Es sei mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Infektionen im Landkreis zu rechnen, teilt das Landratsamt mit und verhängt in der rund 26.000 Einwohner zählenden Marktgemeinde am Freitag Beschränkungen für das öffentliche Leben. Alle Gaststätten müssen dort um 22 Uhr schließen. Nur noch maximal fünf Personen dürfen sich im öffentlichen Raum gemeinsam treffen - das gilt auch für alle Gastronomiebetriebe. Für Privatveranstaltungen wird die Teilnehmerzahl auf höchstens 50 Personen in geschlossenen Räumen oder bis zu 100 Personen unter freiem Himmel beschränkt.

Quelle: dpa / cn

 

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