Rezeptur
Praxiswissen
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Fantaschalen in der Rezeptur – wann ist welche geeignet?

Stillleben von gläserner Fantaschale mit Pistill
Welche Fantaschale ist für welche Rezeptur besonders geeignet? | Bild: scaleworker / AdobeStock

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Anfrage:

Wir haben in unserer Apotheke unsere Fantaschalen aus Melamin entsorgt und arbeiten nun in der Rezeptur mit neuen Schalen aus Glas oder Metall. Gibt es eigentlich Empfehlungen wann welche Schale zum Einsatz kommen soll? 

Fantaschalen aus Melamin eher ungeeignet

Zunächst einmal vorne weg: Sie haben völlig richtig gehandelt, indem Sie Ihre bisher gebräuchlichen Fantaschalen und Pistille aus Melaminharzen entsorgt haben. Nach neueren Erkenntnissen absorbieren Schalen aus diesem Material manche Arzneistoffe wie beispielsweise Dithranol, Rifampicin und Steinkohlenteer. In älteren Fantaschalen lassen sich zum Teil deutliche Verfärbungen erkennen. In diese Haarrisse können sich dann auch ungefärbte Substanzen setzen. 

Zudem ist Melaminharz nicht säurefest und auch nur bis zu einer Temperatur von 70 °C hitzebeständig. Die Arbeitsgemeinschaft der Pharmazieräte in Deutschland hat daher in ihrer neuen Resolution gefordert, dass in jeder Apotheke Fantaschalen zur Rezepturherstellung mit geeignetem Pistill aus Glas oder Metall vorhanden sein müssen. 

Wann sollten Fantaschalen aus Edelstahl oder Glas verwendet werden?

Fantaschalen aus Edelstahl oder Glas haben zudem den Vorteil, dass man die Qualität einer Anreibung beispielsweise bei Suspensionssalben besser beurteilen kann. Pulveragglomerate lassen sich so deutlich leichter erkennen. 

Fantaschalen aus Edelstahl sollten bei der Verarbeitung harter Pigmente wie beispielsweise Bentonit jedoch nicht eingesetzt werden, da es bei der Verreibung zum Metallabrieb kommen kann. Auch bei der Verarbeitung von stark oxidierenden Stoffen ist eine Edelstahlschale weniger geeignet. Rezepturrelevant wäre dabei beispielsweise Aluminiumchlorid-Hexahydrat oder Trichloressigsäure. In diesen Fällen ist dann eine Glas-Schale aus Boroselikat besser geeignet. 

Frage aus der Rezeptur?

Sie hatten eine schwer oder gar nicht herstellbare Rezeptur? Die Inhaltsstoffe waren beispielsweise nicht kompatibel? Die Phasen haben sich getrennt oder Ähnliches? Dann schicken Sie uns gerne eine Kopie des Rezepts. Wir greifen interessante Rezepturthemen in unserer Rubrik „Fragen aus der Rezeptur“ auf. Die Anfragen werden von unserer erfahrenen Rezeptur-Expertin Dr. Annina Bergner oder einem anderen kompetenten Ansprechpartner bearbeitet. Hierfür wird Ihre Anfrage per E-Mail weitergeleitet. Ihre persönlichen Daten werden nach der Bearbeitung gelöscht. Bitte beachten Sie, dass wir keine akute Hilfestellung vor der Abgabe leisten können.

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