Leseprobe PTAheute 4/2020 – Empfindliches Hohlorgan

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Magenbeschwerden – Sie gehören zu den häufigsten Gesundheitsstörungen überhaupt und sind daher ein gängiges Beratungsthema in der Apo­theke. Meistens stecken harmlose Ursachen hinter den Beschwerden, wie beispielsweise eine zu üppige oder fettreiche Mahlzeit. Trotzdem ist es unerlässlich, im ­Beratungsgespräch Alarmsymptome auszuschließen, die auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten.

Pro Jahr werden mehr als 70 Millionen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes registriert. Davon betreffen mehr als 20 Prozent ausschließlich den Magen. In etwa 10 Prozent der Fälle wird eine ernsthafte Erkrankung diagnostiziert, wie beispielsweise eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis), ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) oder ein Magenkarzinom. Größtenteils handelt es sich jedoch „nur“ um vergleichsweise harmlose Magenfunktionsstörungen. Dazu gehören unter anderem saures Aufstoßen, Sodbrennen oder eine funktionelle Dyspepsie (Reizmagen).

Es brennt!

Sodbrennen selbst ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das als harmlos gilt, sofern es gelegentlich und ohne weitere Beschwerden auftritt. Kennzeichnend für Sodbrennen ist ein schmerzhaft-brennendes Empfinden hinter dem Brustbein, das bis in den Hals ausstrahlen kann und von einem sauren Geschmack im Mund begleitet wird. Verursacht wird Sodbrennen durch aufsteigende Magensäure, die die Schleimhaut in der Speiseröhre reizt. In der Regel schützen verschiedene Mechanismen die Speiseröhre vor dem Kontakt mit ­Magensäure. Dazu zählen beispielsweise der ­schützende Speichel, die Verengung der Speiseröhre durch das angrenzende Zwerchfell sowie der untere Schließmuskel (Sphinkter) der Speiseröhre. Mit zunehmendem Alter erschlafft dieser Muskel zunehmend, wodurch sich das gehäufte Auftreten von Sodbrennen ab dem 50. Lebensjahr erklären lässt. Daneben fördern zu fette und üppige Mahlzeiten – besonders vor dem Schlafengehen –, der Genuss von Alkohol und Nicotin sowie Stress, seelische Belastung, aber auch Übergewicht das Auftreten von Sodbrennen.

GERD – was steckt dahinter?

Von der gastroösophagealen Refluxkrankheit (gastrooesophageal reflux disease, GERD) spricht man, wenn die obengenannten Beschwerden mehr als zweimal wöchentlich auftreten. Statistisch betrachtet, bekommen etwa zehn Prozent der Patienten mit Sodbrennen eine Refluxkrankheit. Als Symptome treten dann Sodbrennen, Schluckstörungen, vermehrtes Aufstoßen und in manchen Fällen morgendliche Heiserkeit auf. Langfristig können sogar chronischer Husten, Bronchitis, Asthma, Hals-, Zahnfleisch- und Mittelohrentzündungen die Folge sein. Die Ursachen für eine gastroösophageale Refluxkrankheit sind vielfältig. Unter anderem arbeitet der untere Ösophagussphinkter nicht mehr optimal. Daneben kommen Motilitätsstörungen des Magens oder Störungen der Speiseröhrenperistaltik sowie eine genetische Disposition oder diverse Lifestyle-Faktoren in Betracht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sodbrennen gilt als harmlos, sofern es gelegentlich und ohne weitere Beschwerden auftritt.
  • Als Gastritis bezeichnet man eine Magenschleimhautentzündung. Als Reizmagen werden dagegen funktionelle Störungen im Magenbereich bezeichnet.
  • Hinter Magenbeschwerden können sich aber auch Erkrankungen anderer Organe verbergen.

Was ist eine Gastritis?

Unter einer Gastritis versteht man eine entzündliche Erkrankung der Magenschleimhaut. Diese beginnt entweder plötzlich und heilt relativ schnell wieder ab (akute Gastritis) oder sie verläuft schleichend und dauerhaft (chronische Gastritis). Mehr zu diesem Thema folgt ab Seite 20.

Geschwür im Magen

Infolge einer chronischen Magenschleimhautentzündung kann sich in manchen Fällen ein Magengeschwür entwickeln. Dabei werden tiefere Schichten der Magenschleimhaut durch die aggressive Magensäure geschädigt. Ab Seite 26 erfahren Sie mehr über Magengeschwüre.

Magentumor

Manche Erkrankungen des Magens erhöhen das Risiko, ein Magenkarzinom zu entwickeln. Dazu gehören unter anderem eine länger andauernde Entzündung der Magenschleimhaut wie eine chronische Gastritis oder ein Magengeschwür. Auch eine Infektion mit Helicobacter pylori birgt ein erhöhtes Risiko, an einem Magentumor zu erkranken. Mehr zum Thema Helicobacter pylori lesen Sie ab Seite 32.

Daneben können auch bestimmte Essgewohnheiten das individuelle Risiko für die Entstehung eines Magenkarzinoms beeinflussen. Insgesamt senkt eine Ernährung, die reich an pflanzlichen Bestandteilen (z. B. Obst und Gemüse) ist, das Risiko für einen Magentumor, während der regelmäßige Verzehr von verarbeiteten Fleischwaren sowie stark gesalzenen oder gepökelten Speisen das Erkrankungsrisiko erhöht.

Grundlos gereizt

Als Reizmagen werden funktionelle Störungen im Magenbereich bezeichnet, ohne dass sich eine organische Erkrankung diagnostizieren lässt. Betroffene klagen über wiederkehrende Schmerzen im mittleren Oberbauch, Druckgefühl, Sodbrennen, vermehrtes Aufstoßen, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Die Ursachen für einen Reizmagen sind bisher nicht eindeutig geklärt. Es werden allerdings unterschiedliche pathogenetische Mechanismen diskutiert, unter anderem Motilitätsstörungen, Verarbeitungsstörungen von Nervensignalen (viszerale Hyperalgesie), Störungen im Immunsystem, säureinduzierte Störungen oder eine Besiedelung mit Helicobacter pylori.

Cave!

Nicht nur Magenerkrankungen können Magenschmerzen auslösen, sondern auch Erkrankungen anderer Organe. So kann sich beispielsweise auch ein Herzinfarkt mit unspezifischen Anzeichen wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen bemerkbar machen. Diese werden von den Betroffenen fälschlicherweise als harmlose Magenverstimmung gedeutet. Auch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), die bei den meisten Patienten durch Gallensteine ausgelöst wird, ist mit starken Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen verbunden.