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gut beraten: Cool bleiben an heißen Tagen

von Almut Roth

Hitze gilt in Deutschland als größtes Gesundheitsrisiko, das durch den Klimawandel entsteht. Daher hat die Bundesapothekerkammer (BAK) in Zusammenarbeit mit dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) einen Musterhitzeschutzplan für Apotheken entwickelt. Ziel ist es, sowohl die Gesundheit von Patienten, Patientinnen und Mitarbeitenden als auch die Qualität der Arzneimittel bei hohen Temperaturen sicherzustellen.

Maßnahmen für Apotheken ...

Im Musterhitzeschutzplan finden Apothekenteams zunächst Vorschläge für Maßnahmen, mit denen sie sich auf Tage mit großer Hitze vorbereiten können (siehe ersten Webcode auf Seite 56). Dazu gehört es zum Beispiel, einen eigenen Hitzeschutzplan für die Apotheke zu entwickeln und diesen im QMS zu verankern. Apotheken sollten sich weiterhin für die Hitzewarnmeldungen des Deutschen Wetterdiensts anmelden und das Team muss sich über die verschiedenen Hitzewarnstufen (siehe blauer Infokasten auf Seite 56) informieren. Außerdem müssen baulich-technische Hitzeschutzmaßnahmen regelmäßig überprüft werden, dazu zählt etwa die Wartung der Klimaanlage oder die Kontrolle der Markisen und Ventilatoren. Schließlich sollten alle Mitarbeiter sowohl die Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit kennen als auch über die Präventionsmöglichkeiten Bescheid wissen und in entsprechender Erster Hilfe geschult sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Apotheken sollen laut dem Musterhitzeschutzplan besonders gefährdete Menschen – etwa ältere Personen, chronisch Kranke, Schwangere und Kinder – aktiv ansprechen und zu hitzebedingten Risiken beraten.
  • Der Plan betont weiterhin die konsequente Temperaturkontrolle in Offizin, Lager und Kühleinrichtungen.
  • Organisatorische und betriebliche Hitzeschutzmaßnahmen sind in jeder Apotheke festzulegen.

... und Patienten

Um Kunden auf das Thema Hitzeschutz aufmerksam zu machen, kann beispielsweise ein entsprechend dekoriertes Schaufenster zu Beginn der Hitzeperiode dienen. Für die ein oder andere Apotheke bietet es sich eventuell auch an, beim jährlichen Hitzeaktionstag teilzunehmen, für den unter anderem die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) Partner ist. Weitere Information und auch ein Social-Media-Kit, das beispielsweise Sharepics (Grafik für Social Media), Hashtags und Textbausteine enthält, sind unter hitzeaktionstag.de/mitmachen zu finden. Für die Beratung der Kunden ist es hilfreich, rechtzeitig vor Beginn der Hitzeperiode eventuell benötigtes Infomaterial zu beschaffen. Entsprechende Flyer, Poster und Pläne gibt es beispielsweise fertig vorbereitet zum Download von der ABDA (siehe zweiter Webcode auf Seite 56). Außerdem könnte zum Beispiel speziell am Blutdruckmessplatz das Informationsblatt der Deutschen Hochdruckliga e. V. ausgelegt oder aufgehängt werden, das unter anderem den Zusammenhang zwischen Hitze und Blutdruck verdeutlicht (siehe dritter Webcode auf Seite 56).

Müssen Medikamente beispielsweise bestellt werden, kann der apothekeneigene Botendienst verhindern, dass gefährdete Personen in der Hitze erneut den Weg zur Apotheke auf sich nehmen müssen. Selbstverständlich sollte aber der Botendienstfahrende selbst nicht zur besonders gefährdeten Gruppe gehören und durch entsprechende Maßnahmen geschützt werden.

Hitzeschutzinsel mit Wasserspender

Für Apotheken gilt laut Apothekenbetriebsordnung, dass die Temperatur in den Verkaufsräumen und im Lager nicht über 25 °C steigen darf. Somit sind Apotheken prinzipiell verhältnismäßig kühle Orte und eignen sich daher als sogenannte Hitzeschutzinseln. Vielleicht ist es möglich, besonders gefährdeten Personen etwa in einer kleinen Sitzecke der Offizin kühle Verschnaufpausen zu gönnen. Kostenlose Wasserspender oder sogar Elektrolytgetränk-Spender können die unbedingt nötige Flüssigkeitsaufnahme ermöglichen.

Lagerung von Arzneimitteln bei Hitze

Wichtig ist auch ein Hinweis auf die richtige Lagerung von Medikamenten bei Hitze. Die meisten Arzneimittel sollen bei Raumtemperatur unter 25 °C aufbewahrt werden. Während einer Hitzewelle empfiehlt sich die Lagerung in einem möglichst kühlen Raum. Etliche Haushalte verfügen aber nicht über eine Klimaanlage, weshalb es wichtig ist, die kühlsten und dunkelsten Orte zu finden. Dies könnte ein Flur ohne Fenster sein oder ein abgedunkeltes Zimmer zur Nordseite. Medikamente sollten zudem niemals im Auto zurückgelassen werden, da sich der Innenraum bei Sommerhitze schnell extrem aufheizt. Auch Fensterbänke sind absolute Tabuzonen für Arzneimittel. Für den Transport eignet sich am besten eine Kühlbox.

Geben Sie den jeweiligen Webcode auf ptaheute.de in das Suchfeld ein und gelangen Sie direkt zum Musterhitzeschutzplan der BAK (erster Webcode), zu den Hitzeschutztipps der ABDA (zweiter Webcode), zu den Hitzeinformationen der Deutschen Hochdruckliga (dritter Webcode) und zum Medikationsmanagement bei Hitzewellen (vierter und fünfter Webcode).

Webcode:

K9YA4

Webcode:

U6WI6

Webcode:

M5AK3

Webcode:

L2GH6

Webcode:

P9ZP2

Besonders gefährdete Patienten

In der Apotheke müssen laut Musterhitzeschutzplan besonders durch die Hitze gefährdete Patienten erkannt und proaktiv auf hitzebedingte Risiken angesprochen werden. Zu diesen zählen sicherlich ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere und Kinder. Es sollten aber auch gezielt diejenigen angesprochen werden, die Arzneistoffe mit potenziellen Risiken während der Hitzewellen einnehmen oder anwenden. Diese sind beispielsweise in der Heidelberger Hitzetabelle des Universitätsklinikums Heidelberg und in der Calor-Liste der Universitäten Köln und Hannover zu finden (siehe vierter und fünfter Webcode auf dieser Seite). Darunter fallen etwa Diuretika, Blutdrucksenker, Antidiabetika, Schmerzmittel, anticholinerge Arzneimittel und auch viele Psychopharmaka. Aber auch auf Opiate (z. B. Fentanyl) in transdermalen therapeutischen Systemen ist zu achten, die über die Haut aufgenommen werden. Bei höheren Temperaturen kann es bei solchen Schmerzpflastern zu Überdosierungen kommen, weil der Wirkstoff bei diesen Bedingungen leichter und rascher ins Blut aufgenommen wird. Generell kann bei Hitze für verschiedene Medikamente eine Dosisanpassung nötig werden. Diese sollten die Patienten allerdings nicht eigenmächtig durchführen, sondern immer in Absprache mit dem jeweiligen behandelnden Arzt.

Wie erkläre ich es meinen Kunden?

  • „Trinken Sie regelmäßig Wasser oder ungesüßte Getränke – auch ohne Durstgefühl – und vermeiden Sie körperliche Anstrengung in der Mittagshitze.“
  • „Einige Arzneimittel können bei Hitze stärker oder anders wirken – wir beraten Sie gerne dazu.“
  • „Wenn Sie bei dieser Hitze Warnzeichen feststellen, wie etwa Schwindel, Verwirrtheit, starke Müdigkeit oder einen ständig trockenen Mund, sollten Sie sich an Ihren Arzt wenden.“
  • „Medikamente sollen bei maximal 25 °C gelagert werden. Am besten eignet sich im Sommer dafür ein kühler und dunkler Ort, wie beispielsweise ein abgedunkeltes Zimmer auf der Nordseite.“

Tipps für vulnerable Gruppen

Bei hohen Temperaturen gehört der Hinweis auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Verminderung der körperlichen Belastung zur Beratung immer dazu. Die Patienten müssen des Weiteren auf orthostatische Beschwerden wie beispielsweise Schwindel, Sehstörungen und Benommenheit beim Aufstehen, achten. Gegebenenfalls muss zu einer engmaschigen Kontrolle von Blutdruck und/oder Blutzucker geraten werden. Bei Warnstufe 2 des Deutschen Wetterdienstes wird laut Hitzeschutzplan sogar empfohlen, die Wohnsituation der betroffenen Personen zu erfragen. Wenn durch diese eine Hitzegefährdung besteht und eine Senkung der Raumtemperatur nicht möglich ist, soll zu einem Aufenthaltswechsel in andere Haushalte, etwa von Angehörigen oder Freunden, geraten werden.

Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdiensts (DWD)

Gewarnt wird täglich für den aktuellen Tag und den Folgetag mit zwei Warnstufen:

  • Warnstufe 1: starke Wärmebelastung, gefühlte Temperatur erreicht den flexiblen Schwellenwert von mindestens 32 °C, keine ausreichende nächtliche Auskühlung der Wohnräume
  • Warnstufe 2: extreme Wärmebelastung, gefühlte Temperatur erreicht mindestens 38 °C

Warnungen und Hitzetrend sind zu finden auf der Homepage des DWD (dwd.de/hitzewarnungen), über die WarnWetterApp für iOS und Android und speziell für den jeweiligen Landkreis über den Newsletter des DWD (dwd.de/newsletter).

Selbstschutz gehört dazu

Der Hitzeschutzplan greift aber auch das Thema Mitarbeiterschutz bei Hitze auf, indem er etwa darauf hinweist, dass Hitze als Teil der Gefährdungsbeurteilung im Arbeitsschutz erfasst werden soll, zum Beispiel bei der Raumtemperatur im Notdienstzimmer. Insbesondere ab Warnstufe 1 des DWD sollte Mitarbeitern eine leichtere, atmungsaktive Dienstkleidung zur Verfügung gestellt oder empfohlen werden. Pausen müssen in kühlen Räumen ermöglicht werden. Ganz besonders ist der Botendienst zu schützen (siehe oben) und die Auslieferungszeiten sollten möglichst auf Tagesrandzeiten gelegt werden. Jeder Einzelne muss auf sich achten und genügend trinken. Schließlich gilt: Nur wer selbst fit ist, kann anderen helfen. •

Almut Roth

Apothekerin

Stetten bei Meersburg

autor@ptaheute.de