Meine PTAheute
CLUB 7 min merken gemerkt Artikel drucken

mehr wissen: Ebola: Verheerende Erkrankung

von Dr. Elke Hinderer

Ebola-Epidemien treten regional begrenzt in West- und Zentralafrika in den letzten Jahrzehnten immer wieder auf. Der aktuelle Ausbruch 2026 in der Demokratischen Republik Kongo wurde von der WHO als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite eingestuft. Aktuell steigen die Fallzahlen dort weiter an und erste Fälle wurden bereits im Nachbarland Uganda gemeldet. Ende Juli wurde von 2.500 bis 3.000 bestätigten Fällen und mehr als 1.000 Toten berichtet. Mitte August waren es schon über 4.000 Infizierte und mehr als 2.000 Tote, wobei die Dunkelziffer deutlich höher sein dürfte.

Mehr als eins

Man kennt derzeit sechs unterschiedliche Arten von Ebolaviren, von denen vier für den Menschen pathogen und drei für dokumentierte Ausbrüche mit vielen Erkrankten verantwortlich sind. Das Zaire-Ebolavirus und das Sudan-Ebolavirus wurden 1976 entdeckt und nach dem Land des Krankheitsausbruchs benannt (das frühere Zaire ist heute die Demokratische Republik Kongo). Das Zaire-Ebolavirus verursachte von 2014 bis 2016 die bislang größte Ebola-Epidemie, bei der 28.000 nachgewiesene Erkrankungen mit mehr als 11.000 Todesfällen auftraten. Die ersten dokumentieren Krankheitsfälle mit dem Bundibugyo-Ebolavirus gab es 2007 in Bundibugyo – einer Region in Uganda. Weil es bis 2026 nur zwei Krankheitswellen mit dieser Virusart, mit weniger als 200 Infizierten gab, ist die Datenlage hier deutlich schlechter als zum Zaire- oder Sudan-Ebolavirus. Bis dato fanden alle Krankheitsausbrüche von Ebolaviren in Zentralafrika oder Westafrika statt. Nach aktuellem Kenntnisstand gehen die Forschenden davon aus, dass Ebola eine Zoonose ist und von Tieren wie etwa Flughunden auf andere Spezies wie Affen, Antilopen oder eben auch den Menschen übertragen wird. Vermutlich stecken sich Menschen über nicht komplett durcherhitztes sogenanntes Bushmeat an (Fleisch von dort heimischen Wildtieren) und geben dann die Viren untereinander weiter.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ebola wird durch verschiedene Ebolaviren verursacht. Der aktuelle Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ist besonders schwierig einzudämmen.
  • Die Symptome beginnen meist unspezifisch mit Fieber, Schwäche und gastrointestinalen Beschwerden. Im Verlauf kann es zu einer systemischen Erkrankung mit Gefäßschädigung, Gerinnungsstörung und letztlich Multiorganversagen kommen. Je nach Ebolavirus liegt die Letalität zwischen 25 % und 90 %.
  • Die Übertragung erfolgt vor allem durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten, daher beruhen Eindämmung und Behandlung vor allem auf frühzeitiger Diagnose, der Isolation Erkrankter, einem konsequenten Infektionsschutz und der symptomatischen intensivmedizinischen Therapie.

Direkter Kontakt

Ebolaviren werden über direkten Körperkontakt oder den Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin oder Speichel übertragen. Durch den alleinigen Aufenthalt im selben Raum ist eine Ansteckung über die Luft nicht möglich. Aus diesem Grund wird die Gefahr einer weltweiten Ausbreitung von Ebola und damit einer Pandemie als sehr gering eingestuft. Die wenigen außerhalb Afrikas dokumentierten Fälle waren importiert oder geschahen durch Ansteckung in behandelnden Gesundheitseinrichtungen. Sehr häufig sind es enge Familienangehörige oder Pflegende, die keine ausreichende Schutzausrüstung tragen, die sich infizieren. Problematisch ist zudem, dass Ebola-Patienten auch nach ihrem Tod noch hochansteckend sind. Die in den betroffenen Ländern üblichen Bestattungsriten beinhalten auch das Waschen und Berühren der Toten, was wiederum zu weiteren Infektionen führen kann. Die Aufklärung von Angehörigen und Trauernden und strenge Schutzmaßnahmen bei der Beerdigung sind zur Eindämmung der Erkrankung notwendig.

Unspezifischer Anfang

Infektionen mit Ebolaviren führen nach einer Inkubationszeit von 2 bis 21 Tagen anfangs zu relativ unspezifischen Symptomen, wie Fieber, starken Kopf- und Gliederschmerzen sowie allgemeiner Schwäche. Im weiteren Verlauf kommen oft Magen-Darm-Beschwerden hinzu. Schwere Durchfälle und Elektrolytstörungen sind häufig die Folge. Da allerdings viele Krankheitserreger diese Symptome hervorrufen können, ist Ebola gerade in der Anfangsphase schwer von anderen Erkrankungen zu unterscheiden. In der zweiten Krankheitsphase tritt bei Ebola in der Regel ein sogenanntes hämorrhagisches Fieber auf, bei dem zusätzlich zum Fieber Blutungen auftreten. Besonders beim Bundibugyo-Ebolavirus kommen diese Blutungen jedoch seltener vor, was die Diagnose erschwert.

Folgenschwere Entzündung

Ebolaviren befallen im Körper zuerst Zellen des Immunsystems wie Makrophagen sowie dendritische Zellen und zerstören diese. Dadurch wird zusätzlich zur Zellschädigung auch die Immunantwort gestört. Es kommt zu einer Ausschüttung von entzündungsfördernden Botenstoffen, was eine massive Entzündungsreaktion im ganzen Körper auslöst und bei schweren Verläufen zum Multiorganversagen führen kann. Zudem werden Organe wie Leber und Nieren sowie die Blutgefäße geschädigt, was zu Schleimhautblutungen führt. Die Ausbrüche der letzten Jahre haben gezeigt, dass die bislang identifizierten Virenarten unterschiedlich gefährlich zu sein scheinen. Während am Zaire-Ebolavirus bis zu 90 % aller Erkrankten starben, liegt die Letalität bei Bundibugyo-Ausbrüchen laut RKI bei 30 bis 40 %. Bei der Behandlung der Erkrankten steht die Stabilisierung der Organfunktionen im Vordergrund.

Problematische Behandlung

Zur Stabilisierung benötigen Erkrankte intravenöse Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution, zudem muss bei Bedarf künstlich beatmet und die Nierenfunktion unterstützt werden. All dies ist in den betroffenen Regionen meist nicht ausreichend möglich. Speziell im ländlichen Raum sind fast immer grundlegende hygienische und räumliche Voraussetzungen für eine Behandlung und Isolierung Erkrankter nicht gegeben. Zusätzlich fehlt es sehr häufig an adäquater Schutzausrüstung für das Pflegepersonal. Die weltweite Kürzung von Entwicklungshilfegeldern und humanitären Budgets in den letzten Jahren verschärft das Versorgungsproblem zusätzlich. Zu Beginn des Ausbruchs im Frühjahr 2026 standen vor Ort nur Tests gegen das Zaire-Ebolavirus zur Verfügung, weshalb viele Erkrankte zu spät identifiziert wurden. Standard-Schnelltests reichen für den Nachweis des Bundibugyo-Ebolavirus nicht aus, eine Laborbestätigung mit aufwendigeren Tests ist für eine sichere Diagnose nötig. Große Hindernisse sind zudem geringe lokale Testkapazitäten, lange Transportwege für Proben und damit verzögerte Befunde. Zudem herrschen aktuell in der Demokratischen Republik Kongo sehr schwierige politische und bürgerkriegsähnliche Zustände. Damit verbunden ist auch ein Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Isolations- und Behandlungsmaßnahmen. Dies alles erschwert den Zugang von medizinischem Hilfspersonal zu Erkrankten sowie die notwendige Kontaktnachverfolgung.
Speziell im ländlichen Raum sind hygienische und räumliche Voraussetzungen für eine Behandlung und Isolierung Erkrankter oft nicht gegeben. | Foto: Konoplytska – iStockphoto.com

Kein Impfstoff und keine Therapie

Im Rahmen des großen Ausbruchs des Zaire-Ebolavirus in Westafrika zwischen 2013 und 2016 wurde ein Impfstoff gegen diese Virusart entwickelt und 2019 von der FDA zugelassen (Ervebo). Gegen das Bundibugyo-Ebolavirus existiert bis heute jedoch kein geeigneter Impfstoff. Erste Studien mit einem Impfstoff gegen diesen Virustyp wurden zwar bereits an Affen durchgeführt, aus Kostengründen wurde die Entwicklung aber eingestellt. Aktuell wird wieder sehr intensiv an einem Impfstoff geforscht. Bis dieser eingesetzt werden kann, wird aber noch einige Zeit vergehen.

Gegen das Zaire-Ebolavirus wurden in den letzten zehn Jahren therapeutische Antikörper entwickelt, die das Eindringen des Virus in die Wirtszellen verhindern und die Viren gleichzeitig für das Immunsystem zur Vernichtung markieren. Es gibt sowohl einen einzelnen monoklonalen Antikörper (Ansuvimab in Ebanga) als auch eine Kombination aus drei Antikörpern (in Inmazeb), die von der FDA zugelassen wurden. Gegen das aktuell grassierende Bundibugyo-Ebolavirus sind diese Antikörper jedoch nur unzureichend wirksam. Vergleichbar mit der Impfstoffentwicklung wird es auch bei den therapeutischen Antikörpern noch einige Zeit dauern, bis entsprechende Präparate verfügbar sind. Im Moment scheint auch ein bereits aus der Coronazeit bekannter antiviraler Wirkstoff ein aussichtsreicher Kandidat in der Bekämpfung von Ebola zu sein. Remdesivir erhielt unter dem Handelsnamen Veklury 2020 in der EU eine Zulassung gegen Covid-19, war aber ursprünglich gegen Ebola entwickelt worden. Aktuell ist zudem auch eine Studie zur Postexpositionsprophylaxe mit dem Wirkstoff Obeldesivir in Vorbereitung. Dieser Wirkstoff ist ein Prodrug, welches im Körper zum selben aktiven Metaboliten umgewandelt wird wie Remdesivir, aber oral als Tablette eingenommen werden kann.

Mögliche Spätfolgen

Ebola-Überlebende können anhaltende Beschwerden entwickeln. Beim Post-Ebola-Syndrom können je nach beteiligten Organen Augen, Muskulatur oder auch das Nervensystem betroffen sein. Zudem gibt es Hinweise, dass Ebolaviren in bestimmten Geweben auch nach überstandener Infektion persistieren können. So gibt es Fallberichte, wonach Genesene das Virus an andere Personen übertragen haben. Weitere Forschung zu Ebola ist daher dringend notwendig, um bei zukünftigen Ausbrüchen besser gewappnet zu sein. •

Dr. Elke Hinderer

Apothekerin,

Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie

Taufkirchen

autor@ptaheute.de