für mich: Schwarze Pfannenwender: Gefahrlos wenden?
In den meisten deutschen Küchen finden sich diverse Küchenutensilien wie Pfannenwender, Rührlöffel, Schneidebretter oder Schneebesen. Häufig sind diese Produkte aus Kunststoffen wie beispielsweise Polyethylen oder Polypropylen gefertigt. Die Küchenhelfer aus Plastik haben diverse Vorteile: Sie sind leicht, gut zu transportieren, meist günstig in der Anschaffung, einfach zu reinigen und durch die verschiedenen Formen und Dekors zusätzlich ansprechend gestaltet. Ein Blick in eine durchschnittliche deutsche Küchenschublade zeigt, dass es sich bei den Küchenhelfern aus Plastik oft um schwarze Exemplare handelt. Im Oktober 2024 sorgte eine Studie amerikanischer Forscher für Aufregung: Sie konnten in Küchenutensilien aus schwarzem Plastik ein gesundheitsschädliches bromiertes Flammschutzmittel nachweisen, das wiederum beim Kochen ins Essen gelangen könnte. Ist es vor dem Hintergrund dieser Studie also sicherer, alle Küchenutensilien aus schwarzem Plastik aus der Küche zu verbannen?
Produkte ausschließlich aus den USA
Das Wichtigste in Kürze
- In verschiedenen Medien wurde unlängst vor Küchenutensilien aus schwarzem Kunststoff gewarnt. Amerikanische Forscher hatten in einer Studie gesundheitsschädliche Flammschutzmittel entdeckt.
- Die Stiftung Warentest konnte dies für stichprobenartig getestete Produkte, die in Deutschland erhältlich sind, nicht bestätigen. Alle untersuchten schwarzen Pfannenwender waren frei von Flammschutzmitteln.
- Wer trotzdem auf Kunststoff in der Küche verzichten möchte, kann alternativ Utensilien aus Edelstahl, unbehandeltem Holz oder Silikon verwenden.
Gefahr nur sehr gering
In der Europäischen Union (EU) ist der Einsatz des Flammschutzmittels für neue Elektro- und Elektronikgeräte seit 18 Jahren verboten, in den USA allerdings erst seit 2021 (Herstellung und Verarbeitung) beziehungsweise 2022 (Vertrieb und Verkauf). Darüber hinaus gelten in der EU strengere Regeln für recycelte Materialien und deren Einsatz in Kunststoffen, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, als in den USA. So war bis zum Jahr 2022 hierzulande beispielsweise nur recyceltes PET (Polyethylenterephthalat) für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen. Seit 2022 können zwar theoretisch auch andere recycelte Materialien verwendet werden, ihre Herstellung und die Produktionsanlagen unterliegen aber strengen Vorgaben und Kontrollen. In den USA wiederum existieren keine einheitlichen Regelungen für Recycling oder den Einsatz von recycelten Materialien.
Hier gelten je nach Bundesstaat, teilweise sogar je nach Bezirk oder Kommune unterschiedliche Vorschriften. Generell ist es in den USA auch möglich, verschiedene recycelte Materialien einzusetzen. Entsprechende Schadstoffbelastungen, wie sie in den US-amerikanischen Produkten gefunden wurden, sind für den europäischen Markt also nicht zu erwarten. Dies bestätigte auch die Stiftung Warentest: Nach Erscheinen der oben genannten amerikanischen Studie testete sie 26 in der EU erhältliche Pfannenwender aus schwarzem Kunststoff – darunter hochpreisige Produkte von namhaften Herstellern sowie günstige Wender aus dem Supermarkt und von bekannten Online-Händlern.
Das Ergebnis: In keinem der untersuchten schwarzen Pfannenwender konnte das bromierte Flammschutzmittel nachgewiesen werden. Aufgrund des globalen Handels lässt sich zwar nicht vollkommen ausschließen, dass schwarze Küchenutensilien in der EU mit DecaBDE verunreinigt sind, das geltende EU-Recht sowie die Ergebnisse der Stiftung Warentest deuten aber darauf hin, dass dies sehr unwahrscheinlich ist. Ergänzend sei erwähnt, dass die Autoren der amerikanischen Studie kurz nach deren Erscheinen ihre Ergebnisse teilweise relativierten. Aufgrund eines Rechenfehlers hatten sie die Grenzwerte für die Schadstoffaufnahme zu niedrig angesetzt, sodass die gefundenen Mengen an DecaBDE wohl weniger gesundheitsgefährdend sind als ursprünglich kommuniziert – was allerdings nichts an der Tatsache ändert, dass die Substanz überhaupt enthalten ist.
Keine Panik!
Sollte sich durch unglückliche Umstände doch beispielsweise ein kontaminierter Pfannenwender in die heimische Küche verirrt haben, ist das zunächst kein Grund zu übermäßiger Sorge. Da die Flammschutzmittel fettlöslich sind und durch Hitzeeinwirkung beim Kochen herausgelöst werden können, sollte darauf geachtet werden, Küchenutensilien aus Plastik grundsätzlich nicht mitzukochen, also während des Garvorgangs in der Pfanne oder im Topf liegenzulassen. Dadurch vermindert sich generell schon einmal die Abgabe von eventuell vorhandenen Schadstoffen – egal ob DecaBDE oder andere Substanzen.
Um sich bestmöglich vor verunreinigten schwarzen Küchenutensilien zu schützen, ist es außerdem empfehlenswert, Kunststoffartikel von bekannten Marken und seriösen Händlern mit Sitz in der EU zu verwenden. Bei bunten Kunststofflöffeln oder Pfannenwendern ist die Gefahr einer Verunreinigung mit DecaBDE übrigens geringer, da farbenfrohe Produkte selten schwarzes Altplastik enthalten. Allerdings können diese bei zu starkem Erhitzen andere, unter Umständen auch gesundheitsschädliche Stoffe abgeben.
Lieber plastikfrei?
Geschirr sowie andere Kochutensilien aus Plastik haben – abgesehen von der Abgabe möglicher Schadstoffe – einen weiteren Nachteil, weshalb ihr Einsatz in der Küche generell überdacht werden sollte. So können sich beim Gebrauch der Produkte durch beispielsweise Abrieb oder Hitzeeinwirkung nach und nach winzige Teilchen, sogenanntes Mikroplastik, lösen, die zunächst in die Lebensmittel und dann über Essen oder Trinken in den menschlichen Körper gelangen. Besonders problematisch sind hier zum Beispiel Schneidebretter, Rührschüsseln, Gewürzmühlen, antihaftbeschichtete Pfannen oder auch Spülschwämme. Welche Folgen Mikroplastik für den Organismus hat, ist zwar noch nicht abschließend geklärt, diskutiert werden aber beispielsweise eine Begünstigung von oxidativem Stress und Entzündungsreaktionen sowie eine Veränderungen der Darmflora. Um möglichst wenig Mikroplastik über Küchenutensilien aufzunehmen, sollte immer deren Oberfläche im Auge behalten werden. Ist diese verklebt, verfärbt oder beschädigt, sollten die Produkte entsorgt und durch neue ersetzt werden. Dies gilt ebenfalls, wenn die Utensilien unangenehm (chemisch) riechen. Alternativ können Produkte aus unbehandeltem Holz, Silikon oder Edelstahl verwendet werden, Letztere allerdings nicht bei empfindlich beschichteten Pfannen. •


