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mehr wissen: Vapen: Ist das gesünder?

von Lea Schödel

Anders als Zigaretten verbrennen Vapes keinen Tabak, sondern verdampfen eine Flüssigkeit. Dadurch entstehen deutlich weniger Verbrennungsprodukte, die für viele Erkrankungen verantwortlich sind. Schnell entsteht daher der Eindruck, dass Dampfen die gesunde Alternative zum Rauchen sei. Zwar enthält das Aerosol von E-Zigaretten weniger krebserregende Stoffe als Tabakrauch, risikofrei ist es dennoch nicht. Man fragt sich daher, ob Vapen eine sinnvolle Form der Schadensminimierung für Raucher darstellen kann oder ob es sich vielmehr um ein neues Gesundheitsrisiko handelt.

Verbrennung mit Nebenwirkungen

Beim Rauchen von Zigaretten werden in der Regel getrocknete Blätter der Tabakpflanze verbrannt und der entstehende Rauch anschließend inhaliert. Zusätzlich enthalten Zigaretten zahlreiche Zusatzstoffe, die Geschmack, Brennverhalten und Konsistenz beeinflussen, zum Beispiel Zucker, Lakritz oder Kakao.

Beim Verbrennungsprozess wird Nicotin freigesetzt. Dieses Alkaloid bildet die Tabakpflanze eigentlich, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Als Hauptwirkstoff der Zigarette gelangt Nicotin innerhalb von etwa 20 Sekunden ins Gehirn. Dort stimuliert es nicotinische Acetylcholin-Rezeptoren und führt zur Freisetzung verschiedener Neurotransmitter wie Dopamin, Noradrenalin und Serotonin. Dadurch entsteht kurzfristig ein angenehmes, beruhigendes und/oder konzentrationsförderndes Gefühl.

Da der Körper auf die wiederholte Stimulation reagiert und zunehmend mehr Nicotinrezeptoren bildet, wird für den gleichen Effekt immer mehr Nicotin benötigt. So entsteht schnell eine körperliche und psychische Abhängigkeit. Sinkt der Nicotinspiegel im Körper, können Entzugssymptome wie Unruhe, Reizbarkeit oder Schlafstörungen auftreten. Das Verlangen nach einer Zigarette steigt.

Für viele typische Erkrankungen, die mit langjährigem Rauchen in Verbindung stehen, ist in erster Linie jedoch nicht Nicotin verantwortlich, sondern die über 7.000 toxischen Begleitstoffe im Tabakrauch. Sie entstehen bei Temperaturen von etwa 500 bis 950 °C beziehungsweise werden beim Verbrennen freigesetzt. Dazu gehören unter anderem Kohlenmonoxid, kanzerogene Stoffe, Schwermetalle und Teer, der sich in der Lunge ablagert. Tabakrauch zählt deshalb zu den größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken weltweit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Rauchen wird Tabak bei hohen Temperaturen verbrannt. Dabei werden dann Nicotin und zahlreiche gesundheitsschädliche Stoffe eingeatmet.
  • Vapen bezeichnet das Verdampfen einer Flüssigkeit durch E-Zigaretten. Dabei wird ebenfalls Nicotin inhaliert. Es entstehen weniger gesundheitsschädliche Stoffe als beim Rauchen, aber die Gesundheit ist ebenfalls gefährdet.
  • Langzeitfolgen des Vapens sind noch nicht erforscht. Zudem gelten E-Zigaretten als Einstieg für späteren Tabakkonsum und Nicotinabhängigkeit, weshalb sie insbesondere von Jugendlichen nicht verwendet werden sollten.

Dampf statt Rauch

Der Begriff Vapen – von englisch vapour für Dampf – beschreibt das Inhalieren von Dampf aus E-Zigaretten. Dabei wird mithilfe eines akku- oder batteriebetriebenen Verdampfers eine Flüssigkeit, das sogenannte Liquid, auf etwa 150 bis 315 °C erhitzt. Dadurch entsteht ein Aerosol-Dampf, der eingeatmet wird. Die Partikel sind dabei ultrafein und gelangen tief in die Lunge. Das Gerät simuliert das Rauchen einer Zigarette, ohne dass Tabak verbrannt wird. Somit entsteht kein klassischer Rauch und es werden deutlich weniger Schadstoffe freigesetzt als beim Rauchen. Es entsteht beispielsweise kein Kohlenmonoxid oder Teer.

Es gibt viele verschiedene Modelle von E-Zigaretten. Der grundlegende Aufbau ist jedoch meist ähnlich: Ein Heizelement erzeugt das Aerosol, ein Akku liefert die Energie und ein Tank oder eine Kartusche enthält das Liquid.

Viele Geräte sind wiederbefüllbar. Daneben existieren sogenannte Einwegvapes mit fest verbauten Lithiumbatterien, die nach einmaligem Gebrauch entsorgt werden. Diese Produkte stehen zunehmend in der Kritik, da sie große Mengen an Elektronikschrott verursachen und die Batterien nur schwer recycelbar sind. Aus Gründen des Umwelt- und Jugendschutzes wird daher erwartet, dass Einwegvapes in Deutschland und der Europäischen Union künftig stärker reguliert werden. Ein entsprechendes Gesetz wird vorbereitet, ist aber noch nicht endgültig verabschiedet. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass Einwegvapes spätestens ab Ende 2026 weitgehend vom Markt verschwinden könnten. In Belgien, Großbritannien und Teilen der Schweiz ist ihr Verkauf bereits verboten. In Australien dürfen reguläre E-Zigaretten nur noch in Apotheken nach vorheriger gesundheitlicher Beratung verkauft werden.

Unbekannte Zutaten im Liquid

Liquids zum Verdampfen bestehen aus einer Mischung verschiedener Inhaltsstoffe. Hauptbestandteile sind meist Glycerin, das für den sichtbaren Dampf verantwortlich ist, und Propylenglykol, das als Trägerstoff für Aromen dient. Als pharmakologisch wirksame Substanz enthalten viele Liquids Nicotin in unterschiedlichen Konzentrationen. In manchen Geräten werden jedoch auch andere Substanzen verdampft, etwa Cannabisextrakte.

Hinzu kommen zahlreiche Aromastoffe, die dem Dampf unterschiedliche Geschmacksrichtungen verleihen, beispielsweise Mango, Wassermelone, Erdbeer-Kiwi oder Pfirsich-Eistee. Obwohl viele dieser Stoffe aus der Lebensmittelindustrie bekannt sind, ist bislang nur unzureichend erforscht, welche Auswirkungen ihre Inhalation über die Lunge langfristig auf den menschlichen Organismus hat.

Rauchfrei im Mai

Seit 2024 begleitet die Initiative „Rauchfrei im Mai“ Raucher jedes Jahr beim Rauchstopp. Dabei bekommen Interessierte zunächst Hilfe bei der Vorbereitung der Entwöhnung. Im Mai werden anschließend tägliche Tipps bereitgestellt. Danach bekommen Teilnehmer noch bis zum Jahresende monatlich Nachrichten zur Vorbeugung von Rückfällen. Nach erfolgreicher Rauchfreiheit hat man sogar die Chance, 1.000 Euro zu gewinnen. Die Aktion wird vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit und der Deutschen Krebshilfe organisiert.

Gehen Sie auf ptaheute.de, klicken Sie auf die Lupe und geben Sie dann den Webcode ein, um zur Internetseite der Aktion zu gelangen. Alternativ können Sie auch den QR-Code mit Ihrem Smartphone scannen.

Webcode:

D6ZL8

Es fehlen (noch) die Langzeitdaten

Während die gesundheitlichen Folgen des Rauchens aufgrund jahrzehntelanger Forschung gut belegt sind, existieren E-Zigaretten erst seit rund zwei Jahrzehnten.

Nach aktuellem Wissensstand werden beim Vapen zwar weniger toxische Stoffe aufgenommen als beim Rauchen, die langfristigen gesundheitlichen Folgen lassen sich jedoch bislang nicht abschließend beurteilen. Hinzu kommt, dass die Zusammensetzung der Liquids je nach Hersteller und Produkt stark variieren kann. Das macht eine allgemeingültige Bewertung sehr schwierig. Bekannt ist jedoch, dass E-Zigaretten kurzfristig zu Reizungen der Atemwege führen können. Typische Beschwerden sind Husten, Kratzen im Hals, vermehrte Schleimbildung oder Kurzatmigkeit nach dem Vapen. Darüber hinaus können auch beim Erhitzen der Liquids potenziell schädliche Substanzen wie Formaldehyd, Acetaldehyd oder Acrolein entstehen. Diese Stoffe stehen im Verdacht, entzündungsfördernde, gefäßschädigende oder möglicherweise krebserregende Wirkungen zu haben. Auch negative Effekte auf Lunge und Herz-Kreislauf-System werden diskutiert. Die suchterzeugende Wirkung von Nicotin bleibt sowohl beim Rauchen als auch beim Vapen bestehen.

Ähnlich wie beim Passivrauchen wird zudem vermutet, dass auch das unfreiwillige Einatmen von Aerosolen aus der Umgebung gesundheitsschädlich sein kann. Besonders empfindliche Gruppen wie Kinder, Schwangere oder ältere Menschen sollten daher möglichst nicht mit dem Dampf in Kontakt kommen.

Vapen als Ausstieg …

Ob E-Zigaretten Rauchern beim Rauchstopp helfen könnten, wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Befürworter sehen in ihnen eine potenziell weniger schädliche Alternative zur klassischen Zigarette. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass zwar weniger Schadstoffe aufgenommen werden, ein Risiko für gesundheitliche Langzeitschäden jedoch bestehen bleibt. Zusätzlich wird bei einem Großteil der Raucher die Nicotinabhängigkeit lediglich von der klassischen Zigarette auf die E-Zigarette verlagert.

Deshalb gelten Nicotinersatzprodukte aus der Apotheke weiterhin als Mittel der ersten Wahl für die endgültige Raucherentwöhnung und Nicotinabstinenz. Dazu gehören Kaugummis, Lutschtabletten, Inhalatoren, Nasensprays oder Pflaster, zum Beispiel von Nicotinell oder Nicorette. Diese geben Nicotin in kontrollierter Dosierung ab, um eine schrittweise Reduktion der Nicotindosis über einen Zeitraum von ungefähr sechs Wochen bis sechs Monaten zu ermöglichen. Dadurch können Entzugssymptome reduziert werden, die der häufigste Grund für einen Rückfall sind.

… oder als Einstieg?

Besonders problematisch ist die wachsende Beliebtheit von Vapes bei Jugendlichen. Studien zeigen, dass bereits ein Viertel der jungen Menschen Erfahrungen mit E-Zigaretten gemacht hat. Dieser Trend gilt als besorgniserregend, da E-Zigaretten als leicht zugänglicher Einstieg in den dauerhaften Nicotinkonsum gelten. Wer früh mit dem Vapen beginnt, hat ein erhöhtes Risiko, später auch Tabakprodukte zu konsumieren und eine Nicotinabhängigkeit zu entwickeln. Zusätzlich senken die zahlreichen süßlichen Geschmacksrichtungen, das moderne Design und die einfache Verfügbarkeit der angebotenen Produkte die Hemmschwelle für junge Menschen erheblich. Diese Entwicklung ist ein weiterer Grund, weshalb politische Maßnahmen, wie strengere Regulierungen oder mögliche Verbote von Einwegvapes, diskutiert werden.

Wie erkläre ich es meinen Kunden?

  • „Der harmlose Geschmack der E-Zigaretten täuscht. Es werden beim Vapen zwar weniger gesundheitsschädliche Stoffe als beim Rauchen freigesetzt, trotzdem ist der Konsum nicht gut für Ihren Körper.“
  • „Wir unterstützen Sie gerne bei Ihrem Rauchstopp. Dafür gibt es verschiedene Nicotinersatzpräparate wie Kautabletten oder Pflaster, mit denen Sie in einigen Wochen rauchfrei sind. Eine E-Zigarette ist kein geeignetes Mittel, denn die meisten Raucher bleiben einfach bei der E-Zigarette, statt wirklich auf Nicotin zu verzichten.“

Besser gar nicht erst anfangen

Ein vollständiger Rauchverzicht bleibt aus gesundheitlicher Sicht weiterhin die beste Option. Die Wirkung von Zigaretten ist aufgrund jahrelanger Forschung gut belegt. Dennoch lässt sich nicht abschließend beurteilen, welches Genussmittel schädlicher ist, denn um das Risiko, das von E-Zigaretten ausgeht, zu beurteilen, fehlen Langzeitstudien. Zwar kann das Umsteigen auf E-Zigaretten für langjährige Raucher im Sinne einer Schadensminimierung mit einer geringeren Belastung durch Verbrennungsprodukte verbunden sein. Trotzdem steht fest, dass auch Vapen nicht risikofrei und daher weder für Jugendliche noch für Nichtraucher zu empfehlen ist. Außerdem bleibt abzuwarten, wie sich der Markt angesichts geplanter Regulierungen und möglicher Verbote von Einwegvapes künftig entwickeln wird. •

Lea Schödel

Apothekerin

Meiningen

autor@ptaheute.de