„Apps auf Rezept“ – Welche Anwendungen gibt es schon?

Aktuell warten fünfzehn Programme auf die Aufnahme ins DiGA-Verzeichnis. Sie könnten ab Herbst 2020 vom Arzt verschrieben und von der GKV erstattet werden.
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Seit Inkrafttreten des Digitale Versorgung-Gesetzes im Dezember 2019 können digitale Gesundheitsanwendungen – kurz DiGA – vom Arzt verschrieben und von der GKV erstattet werden. Voraussetzung dafür ist die Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis, welches voraussichtlich noch diesen Monat erscheinen soll. Welche Apps die Aufnahme in das Verzeichnis bereits beantragt haben und für wen diese geeignet sind, lesen Sie hier.

Unter digitalen Gesundheitsanwendungen sind zertifizierte Medizinprodukte niedriger Risikoklassen (I oder IIa) zu verstehen, die hauptsächlich auf digitalen Technologien basieren. Sie sollen den Nutzer bei Diagnose, Adhärenz und Therapie von Krankheiten, Verletzungen oder Behinderungen unterstützen.

Seit Dezember 2019 können DiGA vom Arzt verschrieben und von der GKV erstattet werden. Dafür ist jedoch eine Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis notwendig. Dieses wird aktuell vom BfArM bearbeitet und soll noch im August 2020 mit ersten Anwendungen erscheinen. Einige der im Folgenden genannten Anwendungen, sind jedoch bereits für Mitglieder ausgewählter Krankenkassen kostenfrei erhältlich.

Nutzennachweis erforderlich

Um in das DiGA-Verzeichnis zu gelangen, müssen die Anbieter der Apps einen Antrag beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stellen. Damit dieser genehmigt wird, müssen die DiGA zunächst als Medizinprodukt zertifiziert sein und dadurch ihre Sicherheit und Funktionstauglichkeit nachweisen. Ferner müssen Qualität, Datenschutz und Informationssicherheit belegt und ein positiver Effekt auf die Patientenversorgung nachgewiesen werden. Kann dieser Nachweis noch nicht erbracht werden, dürfen DiGA – nach Vorliegen einer Begründung und eines Evaluationskonzeptes – auch vorübergehend für 12 Monate in das Verzeichnis aufgenommen werden.

Sobald die jeweiligen Apps im Verzeichnis gelistet sind, können sie von Ärzten und Psychotherapeuten verschrieben oder durch die GKV genehmigt werden.

Anwendungen für unterschiedlichste Indikationen

Aktuell haben fünfzehn Anwendungen die Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis beantragt. Je nach App richten diese sich z. B. an Menschen mit Diabetes, Reizdarm, psychischen Störungen oder an Senioren. Hier erhalten Sie einen Überblick über die jeweiligen Funktionen der Apps (Stand 18.08.2020):

Ada: „Deine Gesundheitshelferin“

Die Ada-App soll Nutzer dabei unterstützen, vorhandene Symptome zu analysieren und die wahrscheinlichste Ursache zu ermitteln. Dazu stellt die App gezielt Fragen und vergleicht die Antworten anschließend mit einer Datenbank ähnlicher Fälle. Ziel ist es laut Ada, Menschen dabei zu helfen, „sich aktiv um ihre Gesundheit zu kümmern“ und medizinische Fachkräfte bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Interessant ist, dass die App auch für Freunde und Familie verwendet werden kann. Die Daten können separat von den eigenen Symptomen abgespeichert werden.  Aktuell bietet Ada auch eine COVID-19-Analyse an.

Weitere Infos unter www.ada.com/de/

zanadio: „Das digitale Adipositasprogramm“

Zanadio möchte Adipositas-Patienten dabei helfen, ihr Gewicht langfristig zu reduzieren und baut dabei eigenen Angaben zu folge auf einen ganzheitlichen und wissenschaftlich fundierten Ansatz. Der Nutzer erhält ein individuelles Programm, bestehend aus Ernährungsplan und Bewegungsübungen, das auf den jeweiligen Lebensstil angepasst ist. Mit Hilfe von Video-Lektionen werden Tipps und Hintergrundwissen vermittelt. Darüber hinaus können Kalorienaufnahme und -verbrauch in der App erfassen werden. Zu diesem Zweck werden auch Fitnesstracker und WLAN-Waagen eingesetzt. Außerdem soll jederzeit eine individuelle Betreuung durch einen qualifizierten Coach möglich sein, um die Motivation aufrechtzuerhalten. Der Persönliche Coach sowie die technischen Hilfsmittel sind nicht Bestandteil der Kassenleistung und müssen daher separat bezahlt werden. Noch ist die finale App allerdings nicht verfügbar.

Weitere Infos unter www.aidhere.de/zanadio/

mentalis: „Plattform für die psychische Gesundheit“

Mit mentalis sollen Nutzer psychische Beschwerden per Smartphone lindern können. Dazu erhalten die Nutzer einen persönlichen Therapieplan sowie Aufgaben, Gesundheitsspiele und Videos mit Techniken aus Wissenschaft und Praxis. Auf Wunsch ist auch der Kontakt zu psychologischen Online-Coaches möglich. Eingesetzt werden kann die App z. B. bei depressiven Symptomen, Alkoholproblemen, Stress, Ess- oder Schlafstörungen. Auch mentalis ist derzeit noch nicht im App-Store erhältlich.

Weitere Infos unter www.mentalis-health.com

ESYSTA: „Digital Diabetes Care“

ESYSTA stellt ein Angebot für Diabetes-Patienten dar. Die App dient als digitales Tagebuch und kann entweder automatisch oder manuell mit Angaben zu Blutzucker, Insulinmenge und aufgenommenen Broteinheiten versehen werden. Für die automatische Dateneingabe sind jedoch smarte Insulinpens und Blutzuckergeräte des gleichen Herstellers oder kooperierender Hersteller (Beurer oder Aktivmed) notwendig. Die App wertet die Daten aus, erstellt eine Zielbereichsanalyse und gibt – in Form eines Ampelsignals – Rückmeldung über die Stoffwechseleinstellung. Optional können die Daten für den behandelnden Arzt freigegeben werden.

Weitere Infos unter www.emperra.com/de/esysta/

HelloBetter: „Psychologische Online-Trainings“

HelloBetter stellt Online-Trainings zur Unterstützung bei z. B. Stress, chronischem Schmerz, Depression durch Diabetes, Panikattacken, Schlafstörungen oder Alkoholproblemen zur Verfügung. Die Trainingsprogramme werden zudem auf Wunsch durch Psychologen und Psychotherapeuten begleitet und so ein individuelles Feedback ermöglicht. Derzeit sind die Trainings online verfügbar, eine Smartphone-App ist in Planung.
Aktuell interessant dürfte auch das kostenlose Training zum Umgang mit der Corona-Krise sein.

Weitere Infos unter www.hellobetter.de

Cara Care: „Deine digitale Reizdarm-Therapie“

Cara Care richtet sich an Patienten mit Reizdarmsymptomatik und basiert auf einem Programm aus Ernährungsumstellung, geführter Hypnose und Verhaltensübungen. Je nach Beschwerdebild wird ein individueller Therapieplan erstellt. Der Nutzer erhält außerdem Rezeptvorschläge sowie Quizze und kann seine Fortschritte durch regelmäßige Kontrollen sichtbar machen. Zudem steht ein Expertenteam für Fragen via Chat zur Verfügung.
Weitere Anwendung für Chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Gastroösophagealen Reflux und Dyspepsie befinden sich in der Planung.

Weitere Infos unter www.cara.care/de/

BlutdruckDaten

Mit Hilfe dieser Anwendung können Nutzer ihre Blutdruckdaten dokumentieren, als Diagramme oder Statistiken auswerten und mit dem jeweils behandelnden Arzt teilen. Auf diesem Wege soll die Therapiequalität von Blutdruckpatienten verbessert werden.

Weitere Infos unter www.blutdruckdaten.de

Lindera: „Mobilitätsanalyse per App“

Lindera richtet sich an Senioren und soll dabei helfen, das Sturzrisiko zu verringern und damit sturzbedingte Folgen zu reduzieren. Dazu wird der Gang der Anwender mittels Videoaufnahme analysiert und ein psychosozialer-Test durchgeführt. Anschließend erhalten die Nutzer eine Auswertung des Sturzrisikos sowie Vorschläge zu präventiven Maßnahmen, wie Bewegungsübungen oder Hinweise auf relevante Arzneimittelkombinationen.

Weitere Infos unter www.lindera.de

somnio: „Das digitale Schlaftraining“

Somnio richtet sich an Patienten mit Ein- oder Durchschlafstörungen und soll dabei helfen, Einschlafzeiten zu verkürzen und nächtliche Wachphasen zu reduzieren.  Die Anwendung beruht auf einer Kombination aus Analyse, Wissensvermittlung und personalisiertem Training. Dabei nutzt Somnio Techniken aus der kognitiven Verhaltenstherapie.

Weitere Infos unter www.somn.io

mySugr Tagebuch

mySugr möchte nach eigenen Angaben das Diabetes Management vereinfachen und stellt zu diesem Zweck ein digitales Diabetes-Tagebuch zur Verfügung. Neben der Möglichkeit, das benötigte Insulin zu berechnen, stellt die App zudem die Blutzuckerdaten grafisch dar. In der Pro Version können die Daten automatisch von Blutzuckermessgeräten verschiedener Hersteller übertragen werden.

Weitere Infos unter www.mysugr.com/de/

M-sense

M-sense stellt ein Angebot für Kopfschmerz- und Migränepatienten dar. Die App umfasst ein Kopfschmerz-Tagebuch, das den Betroffenen helfen soll ihre Schmerzmuster zu analysieren und mögliche Trigger zu erkennen. Die gewonnenen Daten können als PDF mit dem Arzt geteilt werden. Darüber hinaus enthält die App einen Medikamenten-Tracker, Übungen zur Hilfe bei akuten Schmerzen, Entspannungsmethoden und die Möglichkeit, einen Trainingsplan zu erstellen.

Weitere Infos unter www.m-sense.de

sinCephalea: Migränetherapie von MillionFriends

Laut eigenen Angaben dient sinCephalea der prophylaktischen Migränetherapie. Dazu sollen postprandiale Blutzuckerunterschiede durch eine individualisierte Ernährungsempfehlung reduziert werden. Darüber hinaus können in der App weitere Faktoren wie Medikation, Schlaf oder Stress sowie Migränesymptome erfasst und ausgewertet werden. Auf diese Weise sollen die Patienten befähigt werden selbstständig ihren Lebensstil anzupassen und so Migräneattacken zu reduzieren. Die gewonnenen Daten können mit dem behandelnden Arzt geteilt werden.

Weitere Infos unter www.millionfriends.de/sincephalea/

Selfapy: „Online-Programme bei psychischen Erkrankungen“

Angstzustände, Depression, Panikattacken, Binge-Eating oder Bulimie – für Betroffene mit diesen Indikationen bietet Selfapy 12-Wochen-Online-Kurse an. Diese wurden nach eigenen Angaben gemeinsam mit Psychotherapeuten entwickelt und bestehen aus interaktiven Übungen sowie Strategien zum besseren Umgang mit den Beschwerden. Zur Überprüfung des Fortschritts sowie zur Unterstützung stehen Psychologen parat, die per Nachrichten (Basis-Version) oder telefonisch (Standard/Intensiv-Version) kontaktiert werden können.

Weitere Infos unter www.selfapy.de

SciTIM

SciTIM ermöglicht den verschlüsselten Datenaustausch mit Arzt- bzw. Krankhausinformationssystemen und wird zum Beispiel von BlutdruckDaten (s. o.) genutzt. Das Angebot richtet sich daher nur indirekt an Patienten.

Weitere Infos unter www.scitim.de/

Vivira: „Therapeutisches Training für zu Hause“

Vivira bietet seinen Nutzern ein personalisiertes therapeutisches Training für zu Hause. Laut Herstellerangaben eignet sich die Anwendung als Ergänzung zur Physiotherapie, z. B. um Schmerzen zu lindern oder körperliche Funktionen wieder herzustellen. Nach einer Testphase, in der Beweglichkeit, Kraft und Koordination überprüft werden, wird ein personalisierter Trainingsplan zusammengestellt. In regelmäßigen Abständen werden Schmerz, Lebensqualität und Einschränkungen erfasst und so Fortschritte visualisiert. Der Schweregrad der Übungen wird kontinuierlich angepasst. Hinweis: Während der Corona-Pandemie steht die App neuen Nutzern kostenfrei zur Verfügung.

Weitere Infos unter www.vivira.com/

Zuletzt aktualisiert am 21.08.2020; Um Missverständnissen über die aktuelle Erstattungsfähigkeit vorzubeugen wurde der zweite Abschnitt umformuliert. Zuvor war nicht eindeutig ersichtlich, dass die Erstattung derzeit – auf Grund des fehlenden DiGA-Verzeichnisses – noch nicht möglich ist.