Aktuelles

In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.

4 min merken gemerkt Artikel drucken

Eingewachsene Nägel richtig behandeln – so geht’s

Mann hält seine nackten Füße über eine Schüssel mit Wasser
Fußbäder pflegen die Füße und können Entzündungen am Nagel vorbeugen. | Bild: eccenpic / AdobeStock

Ein eingewachsener Nagel (medizinisch: Unguis incarnatus) entsteht, wenn der seitliche Nagelrand in die umliegende Haut drückt oder hineinwächst. Besonders häufig betroffen ist der große Zeh. Durch den Druck entstehen kleine Verletzungen, die sich entzünden können. Typisch sind Schmerzen, Rötung, Schwellung und eine erhöhte Druckempfindlichkeit.

Ursachen sind meist zu enges Schuhwerk, falsches Schneiden der Nägel oder Fußfehlstellungen. Auch starkes Schwitzen oder weiche Haut erhöht das Risiko. Menschen mit Diabetes oder Durchblutungsstörungen sind besonders gefährdet, da Wunden bei ihnen langsamer heilen.

Eingewachsene Nägel – was hilft in der Anfangsphase?

In frühen Stadien lässt sich ein eingewachsener Nagel häufig selbst behandeln. Ziel ist es, die Entzündung zu stoppen und den Druck vom Nagelrand zu nehmen.

Hilfreiche Maßnahmen zu Beginn sind:

  • Fußbäder: zwei- bis dreimal täglich für 10–15 Minuten in warmem Wasser mit entzündungshemmenden Zusätzen wie Kamillenextrakt (z. B. Kamillosan®), Tanninen (z. B. Tannolact®) oder milden, desinfizierenden Zusätzen (z. B. Betaisodona® Lösung)
  • Antiseptische Salben: Nach dem Fußbad eine dünne Schicht Povidon-Iod, Octenidin oder Zinkoxid (z. B. Octenisept® Gel, Zinksalbe Lichtenstein) auftragen.
  • Zugsalben: Eine entzündungshemmende, drucklindernde Wirkung haben Salben mit Ammoniumbituminosulfonat (z. B. Ichtholan® 20 %).
  • Polsterung: Ein kleiner Watte- oder Mullstreifen zwischen Nagel und Haut reduziert den Druck, sollte aber regelmäßig gewechselt werden.

 

Wann ein eingewachsener Nagel ärztlich behandelt werden muss

Wenn die Stelle stark entzündet ist, pocht oder Eiter austritt, ist eine Selbstmedikation nicht mehr ausreichend. Dann sollte ärztliche Hilfe gesucht werden. Der Arzt kann den Nagelrand vorsichtig anheben, entzündetes Gewebe entfernen oder bei Bedarf einen kleinen Eingriff durchführen, bei dem der eingewachsene Teil des Nagels entfernt wird. 

Bei wiederkehrenden Problemen kann eine Nagelspange helfen. Sie wird auf dem Nagel befestigt und lenkt dessen Wachstum sanft in die richtige Richtung – eine bewährte Methode, um Rückfälle zu vermeiden.

Eingewachsener Nagel: Wann eine Operation sinnvoll ist

Manchmal reicht eine konservative Behandlung nicht aus – etwa wenn der Nagel stark entzündet ist, eitert oder sehr schmerzt. Dann kann ein kleiner operativer Eingriff helfen. Dabei wird meist der betroffene Nagelrand samt entzündetem Gewebe entfernt, sodass der Nagel wieder genug Platz hat.

Um ein erneutes Einwachsen zu verhindern, wird häufig auch ein kleiner Teil der Nagelmatrix (Wachstumszone) verödet oder herausgeschnitten. Dadurch wächst der Nagel künftig etwas schmaler nach. 

Die Operation erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung und ist für den Patienten schmerzfrei. Nach dem Eingriff sollte der Fuß für einige Tage hochgelagert und regelmäßig verbunden werden. Bereits nach etwa zwei Wochen ist die Wunde oftmals abgeheilt.

 Gut zu wissen: Rückfallrisiko nach Operation oder Nagelspange

Studien zeigen, dass nach einer Operation deutlich seltener erneut ein Nagel einwächst als nach einer rein konservativen Behandlung mit Kunststoffspange.

Innerhalb eines Jahres kam es zu einem Rückfall

  • nach einer Nagelspangenbehandlung bei rund 49 von 100 Personen,
  • nach einer Operation bei etwa 31 von 100 Personen.

Wenn zusätzlich die Nagelmatrix verödet wurde (z. B. mit Phenol), sank die Rückfallrate auf 14 von 100 Personen. Die Kombination aus chirurgischem Eingriff und Matrixbehandlung bietet also den besten Schutz vor erneutem Einwachsen.

Eingewachsene Nägel vermeiden – Tipps zur richtigen Fuß- und Nagelpflege

Nach dem Abklingen der akuten Entzündung ist die richtige Pflege entscheidend, um erneutes Einwachsen zu verhindern.

Tipps zur Vorbeugung:

  • Zehennägel gerade abschneiden, nicht rund. Die Ecken sollten leicht über die Hautkante hinausragen.
  • Scharfe, saubere Nagelzange oder Feile verwenden.
  • Bequeme, nicht drückende Schuhe tragen, die den Zehen genügend Platz lassen.
  • Schwitzen der Füße vermeiden: Fußpuder oder Deo-Cremes benutzen und die Haut trocken halten.
  • Tägliche Fußpflege mit rückfettenden Cremes (z. B. Eucerin UreaRepair PLUS 10 %) hält die Haut geschmeidig und beugt Einrissen vor.

Fazit: eingewachsenen Nagel früh erkennen und richtig behandeln

Ein eingewachsener Nagel ist zwar klein, kann aber große Schmerzen verursachen. Wer früh reagiert, kann Entzündungen vermeiden und die Heilung fördern. 

Entzündete Stellen sollten sauber gehalten und entlastet werden. Regelmäßige Fußpflege, passendes Schuhwerk und korrektes Schneiden der Nägel sind die besten Maßnahmen, um eingewachsene Nägel dauerhaft zu vermeiden. Quelle:
Lennecke/ Hagel Selbstmedikation ISBN: 9-783769-28406-5
https://www.msdmanuals.com/de/profi/erkrankungen-der-haut/nagelerkrankungen/nageldysplasien-und-nageldystrophien
https://www.gesundheitsinformation.de/behandlung-eines-eingewachsenen-zehennagels.html