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PTAheute-Pinnwand KW 32 / 2023: Postkarten, Krebsrisiko und Cannabis-Kampagne

Pinnwand für KW 32/2023
Bilder: backyardpix, Africa Studio, Halfpoint, Jamrooferpix / AdobeStock, Montage: PTAheute

Täglich erreichen uns zahlreiche Meldungen rund um Pharmazie, Gesundheit und Apothekenmarkt. Hier finden Sie eine Übersicht über die News und Pressemeldungen der aktuellen Woche.

Biontech: Angepasster COVID-19-Impfstoff im September

Aktuell denkt wohl kaum noch jemand an Corona. Impfstoffhersteller Biontech hingegen bereitet sich auf die kommende Herbst-Wintersaison vor, die COVID-19 womöglich wieder präsenter macht.

So plant Biontech für das Jahr 2023 rund 5 Milliarden Euro Umsatz mit COVID-19-Impfstoffen. Bereits im Juni haben Biontech und Pfizer bei der EMA und der FDA Zulassungsanträge für den an Omikron XBB.1.5 angepassten monovalenten COVID-19-Impfstoff für Personen im Alter ab sechs Monaten eingereicht. Diesen haben sie sogar auf eigenes Risiko, wie es heißt, vorproduziert, um die Impfstoffversorgung in der kommenden Herbst- und Wintersaison in verschiedenen Regionen weltweit sicherzustellen. Die Auslieferung soll bereits im September beginnen – wenn die Zulassung erfolgt. Quelle: daz.online / mia 

Zahl der Apotheken sinkt weiter

Neue Zahlen der ABDA zeigen: Auch im ersten Halbjahr 2023 sind um ein Vielfaches mehr Apotheken geschlossen als eröffnet worden. Ende Juni verzeichnete die apothekerliche Standesvertretung noch 17.830 Betriebsstätten in Deutschland. Die Zahl ist demnach im ersten Halbjahr 2023 um 238 gesunken. Zum Jahresende 2022 gab es noch 18.068 Apotheken. Auf 272 Schließungen kamen in diesem Zeitraum 34 Neueröffnungen. 

Vergleicht man die Zahlen mit denen der vergangenen Jahre, stellt sich heraus, dass im Jahr 2022 in den ersten sechs Monaten 205 Apotheken dichtmachten, im ersten Halbjahr 2021 waren es 162. Das bestätigt, was schon der Apothekenwirtschaftsbericht zur Entwicklung 2022 zeigte: Die Apothekenschließungen haben eine neue Dynamik bekommen. Quelle: daz.online / mia 

Patienten schicken Postkarten an Bundesregierung

Nachdem sich die ABDA selbst an die Bundesregierung gewandt hatte, um auf die Missstände in den Apotheken vor Ort aufmerksam zu machen, will sie nun die Bevölkerung animieren, sich an die Politiker zu wenden.

Rund 1,8 Millionen Postkarten sollen die Apothekenteams in den kommenden Tagen an Patienten verteilen. „Auf den Karten haben die Menschen die Gelegenheit, kurz und individuell festzuhalten, warum sie ihre Apotheke vor Ort brauchen. Wir werden die Karten einsammeln, die gesammelten Aussagen der Öffentlichkeit präsentieren und die Postkarten an die Bundesregierung weitergeben“, erläutert ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening. Quelle: daz.online / mia 

Soziale Situation beeinflusst Krebsrisiko in Deutschland zunehmend

Die soziale Ungleichheit in Deutschland beeinflusst die Rate an Krebs-Neuerkrankungen deutlich – und dieser Trend nimmt zu. Das berichtet ein deutsches Forschungsteam nach der Analyse von Daten aus acht Bundesländern. 

Demnach ist die altersstandardisierte Rate an neuen Krebserkrankungen zwar seit Jahren rückläufig. Dieser Trend falle aber in sozial besser gestellten Regionen wesentlich deutlicher aus als andernorts, schreiben die Forscher.  

Dass soziale Ungleichheit die Rate an Krebserkrankungen beeinflussen kann, belegen Studien aus Deutschland und anderen Ländern. So erkrankten in Deutschland von 2010 bis 2013 in den sozioökonomisch schwächsten Regionen 7,3 Prozent mehr Männer an Krebs als in den wohlhabendsten Gegenden.  

Für sämtliche Gruppen sank die Neuerkrankungsrate von 2007 bis 2018 für fast alle Krebsarten. Doch für Krebs insgesamt sowie für Darmkrebs und Lungenkrebs war dieser Rückgang bei Männern in den am stärksten benachteiligten Regionen deutlich schwächer als in den wohlhabenderen Gegenden. Quelle: dpa / mia 

Cannabis-Freigabe: Lauterbach plant begleitende Kampagne zu Risiken

Vor der geplanten weitgehenden Legalisierung von Cannabis will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die Bevölkerung über dessen Gefahren aufklären. „Wir werden parallel zur Gesetzgebung eine große Kampagne fahren, um auf die Risiken des Cannabis-Konsums hinzuweisen“, sagt der SPD-Politiker.  

Cannabis schade besonders dem noch wachsenden Gehirn. „Bis zum 25. Lebensjahr wird das Gehirn noch umgebaut. Wer in dieser Altersphase konsumiert, der schadet sich besonders“, sagt Lauterbach. Er wolle „den Cannabis-Konsum bei Jugendlichen zurückdrängen und ihn für die, die konsumieren wollen, sicherer machen“. Quelle: dpa / mia 

USA: Zuranolon bei postpartalen Depressionen

Mit Zuranolon ist nun ein zweites Arzneimittel zur Behandlung von postpartalen Depressionen in den USA zugelassen. Ebenso wie das 2019 zugelassene Brexanolon wirkt Zuranolon als Modulator am GABAA-Rezeptor. 

Brexanolon wird über einen Zeitraum von 2,5 Tagen infundiert. Da es in dieser Zeit zu den schweren Nebenwirkungen der übermäßigen Sedierung und dem plötzlichen Bewusstseinsverlust kommen kann, darf die Behandlung nur in zertifizierten Einrichtungen durchgeführt werden. 

Demgegenüber gestaltet sich die Anwendung des neuen Wirkstoffes Zuranolon deutlich unkomplizierter: Dieser wird in einer Standarddosierung von 50 mg über einen Zeitraum von 14 Tagen einmal täglich mit einer fettreichen Mahlzeit eingenommen. 

Die häufigsten in den Zulassungsstudien beobachteten unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind Schläfrigkeit und Schwindel. Aus diesem Grund sollten Anwenderinnen innerhalb von zwölf Stunden nach der Einnahme kein Auto steuern oder schwere Maschinen bedienen. Eine abendliche Einnahme bietet sich an.

In Deutschland sind weder Brexanolon noch Zuranolon zugelassen. Quelle: daz.online / mia 

Fehlzeiten wegen psychischer Belastungen steigen massiv

Die psychischen Belastungen berufstätiger Menschen in Deutschland sind nach einer Untersuchung der KKH Kaufmännische Krankenkasse im ersten Halbjahr 2023 massiv gestiegen. Die Fehlzeiten wegen seelischer Leiden seien auf 303 Ausfalltage je 100 eigene Versicherte gestiegen – ein Plus von 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im ersten Halbjahr 2022 waren es 164 Ausfalltage, in den ersten sechs Monaten 2021 noch 137. „Diese Entwicklung ist alarmierend, denn wir haben schon jetzt fast das Niveau des gesamten Jahres 2022 erreicht“, sagt die KKH-Arbeitspsychologin Antje Judick.  

Im gesamten Jahr 2022 registrierte die Kasse 339 Fehltage pro 100 Versicherten wegen Depressionen, Anpassungs- oder Angststörungen. 2021 und 2020 waren es 287 und im Vor-Corona-Jahr 2019 rund 274 Tage. 

Nicht nur die Fehlzeiten nahmen massiv zu, sondern auch die Zahl der Menschen, die sich wegen seelischer Leiden krankschreiben ließen. Die sogenannte Arbeitsunfähigkeitsquote, also die Zahl der Krankschreibungen im Verhältnis zu den berufstätigen Mitgliedern, stieg laut der KKH im ersten Halbjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 32 Prozent. Quelle: dpa, tageschau.de / mia 

OTC: Sonnenschutzmittel aus der Apotheke erzielen Absatzhoch

Grafik zum Abverkauf von Sonnenschutzmitteln in der Apotheke
Quelle: IQVIA Pharma Trend wöchentlich

Der Juli 2023 gilt als bislang heißester Monat seit der Wetteraufzeichnung. Das hat sich auch im Abverkauf von Sonnenschutzmitteln aus der Apotheke gezeigt. So stieg in diesem Sortimentsbereich den Angaben von IQVIA zufolge der Absatz von Mitte Mai bis Anfang Juli um 88,4 Prozent. Verglichen mit dem Vorjahr ist dies eine Steigerung um 7,7 Prozent. 

Aber auch mit Insektenschutz hat sich die Bevölkerung ausgiebig versorgt. Laut IQVIA stieg der Absatz in den Apotheken in diesem Bereich im Vergleich zum Vorjahr sogar um 11,6 Prozent. Quelle: PM IQVIA / mia 

Der Kauf einer Apotheke kostet durchschnittlich 500.000 Euro

Wer sich als junger Pharmazeut oder als junge Pharmazeutin selbständig machen will, übernimmt in der Regel eine bestehende Apotheke. Neugründungen sind hingegen die Ausnahme. 

Die Kosten für eine Übernahme gehen dabei je nach Objekt weit auseinander. Während jeder zehnte Existenzgründer einen Kaufpreis von unter 50.000 Euro zahlt, nehmen auf der anderen Seite 30 Prozent der Gründer 600.000 Euro und mehr für die erste eigene Apotheke in die Hand, jeder Achte sogar 1 Million Euro und mehr. 

Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie der Apobank zu den Apothekengründungen im Jahr 2022. Dazu hat das Geldinstitut eine Stichprobe von knapp 400 Apothekengründungen berücksichtigt, die im vergangenen Jahr durch die Apobank begleitet wurden. 

Der Untersuchung zufolge erreichten bei der klassischen Apothekenübernahme die durchschnittlichen Gesamtinvestitionen im Jahr 2022 mit 673.000 Euro einen neuen Höchststand. Dabei lag der Kaufpreis, der hier den größten Anteil ausmacht, bei 498.000 Euro. 

Allerdings kann dieser Durchschnittspreis laut Apobank immer nur eine grobe Orientierung liefern. Knapp zwei Drittel der Übernahmen hätten unter diesem Wert gelegen, einige von ihnen deutlich.

Weitere Angaben aus der Studie der Apobank können Sie bei daz.online nachlesen.

WHO: Kein Überblick mehr über aktuelle Corona-Todesfälle

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt mit, dass sie keine genaue Statistik zu den Todesfällen im Zusammenhang mit COVID-19 zur Verfügung stellen kann. Seitdem die WHO vor drei Monaten den globalen Corona-Gesundheitsnotstand für beendet erklärte, sind die Neuinfektionen und Todesfälle laut WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus weiter zurückgegangen. 

Gleichzeitig habe sich aber auch die Datenlage verschlechtert. Im Juli hätten nur ein Viertel aller Länder Todeszahlen an die WHO geliefert. Nur 11 Prozent hätten Zahlen zu schweren Fällen weitergegeben.  

Es sei jedoch wichtig, die Lage im Blick zu behalten, nicht zuletzt wegen neuer Mutationen des Coronavirus, betont Tedros. Die WHO stufte diese Woche die Variante EG.5 in die Kategorie „Virusvarianten von Interesse“ hoch. 

Damit stehen nun insgesamt drei Varianten unter erhöhter Beobachtung: Die in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent stark verbreitete XBB.1.5, die besonders in Asien vorkommende XBB.1.16 sowie EG.5. Laut Van Kerkhove sind bei EG.5 zwar keine schwereren Krankheitsverläufe, aber ein geringerer Impfschutz als bei anderen Virusvarianten beobachtet worden. Quelle: dpa / mia 

Gesund.de unter den Top-Ten der Gesundheits-Apps

Das Marktforschungsunternehmen Research2Guidance hat im Auftrag von Handelsblatt inside ermittelt, welche Gesundheits-Apps im ersten Halbjahr 2023 in den Stores von Apple und Google die meisten Downloads verzeichnen konnten. 

Das Terminvergabetool Doctolib führt das Ranking an, gefolgt von der App der Shop Apotheke mit 655.000 Downloads. Wettbewerber DocMorris hat es nicht unter die besten zehn geschafft. Die von Noventi und Phoenix ins Leben gerufene Plattform gesund.de bringt es immerhin auf 141.000 Downloads, was ihr Platz acht im Ranking beschert. 

Im Übrigen befinden sich besonders häufig Apps zum Tracken des weiblichen Zyklus auf den Rankingplätzen. Mit der Barmer-App auf Platz vier hat es nur eine Kassen-App in die Top-Ten geschafft mit 333.000 Downloads. Quelle: daz.online / mia