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Zur Internationalen Woche der Gehörlosen vom 21. bis 27. September 2026: Cochlea-Implantat – Hilfe für taube und stark schwerhörige Menschen

Asiatischer Junge mit Cochlea-Implantat am linken Ohr
Ein Cochlea-Implantat kann Hörverlust wieder herstellen. | Bild: IMAGO / Xinhua

Das Cochlea-Implantat, kurz CI, hilft Menschen, die trotz leistungsstärkster Hörgeräte große Einschränkungen im Alltag erleben. Es gehört in Deutschland inzwischen zur Regelversorgung, kommt aber viel seltener zum Einsatz, als dies möglich und sinnvoll wäre. 

Warum ist das so, und wie funktioniert die Technik im Detail?  

Wenn normales Hören nicht mehr möglich ist

Beim gesunden Gehör bringen Schallwellen nach Verstärkung im Mittelohr feine Haare auf den Sinneszellen in der Hörschnecke des Innenohres, der Cochlea, zum Schwingen. Die Bewegungen der Härchen werden in elektrische Impulse umgewandelt und gelangen von der Cochlea über den Hörnerv zum Gehirn.

Ein herkömmliches Hörgerät funktioniert nur im Zusammenspiel mit intakten Haarzellen, da es über Mikrofon, Verstärker und Lautsprecher Umgebungsgeräusche aufnimmt, filtert, verstärkt und an die Sinneszellen weiterleitet.  

Wenn zu viele der Härchen in der Cochlea geschädigt oder abgestorben sind, liegt ein sogenannter sensorineuraler Hörverlust vor. Dieser ist in der Regel irreversibel und ein Implantat die einzige Möglichkeit, wieder differenziertes Hören zu ermöglichen. Man spricht deshalb bei einem Cochlea-Implantat auch von einer echten Hörprothese.

So funktioniert ein Cochlea-Implantat

Anders als bei einem Hörgerät wird der Schall bei einem Cochlea-Implantat nicht verstärkt und auf die Sinneshärchen übertragen, sondern als elektrisches Signal direkt an den Hörnerv gesendet. Dazu sind die folgenden Bauteile nötig:  

Am Ohr wird – ähnlich wie ein Hörgerät – über einen beweglichen Bügel mit Silikonhülle ein Gehäuse befestigt, das ein Mikrofon, Batterien und einen Soundprozessor enthält. Letzterer wandelt den Schall in ein elektrisches Signal um und leitet dieses an eine Spule weiter, die schräg über dem Ohr am Kopf sitzt.  

Das Spulengehäuse haftet mithilfe eines Magneten am implantierten Teil der Hörprothese, der zwischen Kopfhaut und Schädelknochen sitzt und ebenfalls eine Spule beinhaltet.  

Die Übertragung der elektrischen Signale durch die Kopfhaut erfolgt von Spule zu Spule kontaktlos durch elektromagnetische Induktion. Von der inneren Spule laufen die Impulse über ein feines Kabel bis in die Hörschnecke des Innenohrs.

Hier stimulieren zahlreiche Elektroden direkt den Hörnerv, wobei die Elektroden tief in der Cochlea, also ganz am Ende des Kabels, für tiefe Töne zuständig sind und die Elektroden in den Anfangsbereichen der Schnecke für helle.  

Der Hörnerv leitet die Signale nun wie bei Normalhörenden an das Gehirn weiter, wo sie interpretiert werden.  

Grafische Darstellung zur Funktionsweise eines Cochlea-Implantats
Cochlea-Implantat: Spulen leiten elektrische Signale direkt zur Hörschnecke. | Bild: Pepermpron / AdobeStock

Cochlea-Implantation: ein ungefährlicher Standardeingriff

In einer Operation, die oft nicht einmal eine Stunde dauert, wird in die Schädeldecke hinter dem Ohr eine flache Mulde für das Implantat gefräst und von dort das Kabel mit den Elektroden bis in die Hörschnecke vorgeschoben.

Der Eingriff erfolgt per Schlüsselloch-Technik und verlangt keine Vollnarkose. Wenn beide Ohren betroffen sind, werden die Prothesen mit zeitlichem Abstand, also in zwei Operationen, implantiert.

Nach abgeschlossener Wundheilung wird der Sprachprozessor individuell eingestellt. Es erfolgen ein Hör- und Sprachtraining.  

Es kann Wochen bis Monate dauern, bis die Patienten sich an das Hören mit dem Implantat gewöhnen. In der ersten Zeit klingt das Gehörte für manche Betroffene künstlich oder blechern, oder Gesprochenes hört sich nach bloßen Geräuschen an.

Da der Eingriff standardisiert ist und an speziellen Zentren durchgeführt wird, ist die Wahrscheinlichkeit riskanter Komplikationen verglichen mit vielen anderen operativen Eingriffen sehr gering.  

In seltenen Fällen können Wundheilungsstörungen auftreten. Zudem gibt es keine Garantie, dass das Hören in zufriedenstellender Qualität zurückkehrt.  

Zur Erkennung von technischen Defekten und zur Einbringung von Neuerungen werden lebenslang technische Kontrollen durchgeführt.

Vorteile eines Cochlea-Implantats

Eine Cochlea-Implantation ist in jedem Alter möglich, eignet sich also nicht nur für Menschen mit erlittener Innenohrschädigung und ältere Menschen, deren Sinneszellenfunktion stark nachgelassen hat, sondern auch für Kinder, die taub oder hochgradig schwerhörig geboren wurden.  

Voraussetzungen sind ein intakter Hörnerv und die Bereitschaft, das Hören mit der Prothese zu trainieren. Die Kosten für OP, Implantat und etwaiges Nachjustieren des Soundprozessors übernehmen in der Regel die Krankenkassen.

Das eigentliche Implantat wird über elektromagnetische Induktion mit Energie versorgt, weshalb ein Austausch – und damit ein erneuter Eingriff – erst nach mehreren Jahrzehnten nötig wird.  

Cochlea-Implantate sind noch selten

In Deutschland werden jährlich 5.000 bis 6.00 Cochlea-Implantate eingesetzt. Das hört sich nach viel an, aber HNO-Ärzte schätzen, dass zurzeit etwa eine Million Menschen hierzulande von einer solchen Hörprothese profitieren würden.  

Die Gründe, warum viele potenzielle Nutzer auf die Implantation verzichten, sind vielfältig:

  • Gewöhnung an das eigene schlechte Hören
  • grundsätzliche Scheu vor Operationen  
  • Angst vor Komplikationen wie vollständigem Hörverlust
  • Angst vor ungewohnten Höreindrücken oder davor, das Hören neu lernen zu müssen
  • „Cyborg-Optik“ der außen sitzenden Prothesenteile und unter der Haut spürbares Implantat

Angesichts der standardisierten Operation und langer Erfahrungen mit Cochlea-Implantaten – die Technik ist seit den 1970er-Jahren bekannt – halten die meisten Bedenken jedoch objektiven Argumenten nicht stand. Eine gute Beratung und medizinische Betreuung können Sorgen und Bedenken mindern und damit die Lebensqualität steigern. Quellen:
https://flexikon.doccheck.com/de/Cochlea-Implantat
https://www.cochlear.com/de/de/home/diagnosis-and-treatment/how-cochlear-solutions-work/cochlear-implants
https://de.wikipedia.org/wiki/Cochlea-Implantat
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Cochlea-Implantat-Hoerimplantat-verbessert-Lebensqualitaet,cochleaimplantat114.html