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Bipolare Störung: Zwischen Manie und Depression

Etwa drei von 100 Menschen sind im Laufe ihres Lebens von einer bipolaren Störung betroffen, Frauen und Männer gleichermaßen.
Meist beginnt die Erkrankung im jungen Erwachsenenalter. Sie kann sich aber auch später entwickeln. Häufig kommen weitere psychische Erkrankungen hinzu. Doch was steckt hinter dem Wechsel zwischen emotionalem Hoch und Tief?
Was zeichnet eine bipolare Störung aus?
Bei einer bipolaren Störung wechseln sich depressive und manische Phasen ab. Betroffene erleben dabei starke Veränderungen ihrer Stimmung, ihres Denkens und ihres Antriebs.
Während sie in depressiven Phasen häufig niedergeschlagen und antriebslos sind, fühlen sie sich in manischen Phasen ungewöhnlich energiegeladen oder reagieren schnell gereizt. Je nach Ausprägung unterscheidet man zwischen einer Hypomanie und einer Manie.
Bipolare Störung: Hypomanie oder Manie?
Bei einer Hypomanie ist die Stimmung über mehrere Tage ungewöhnlich stark gehoben oder gereizt. Betroffene sind aktiver, geselliger und gesprächiger als sonst.
Sie benötigen weniger Schlaf, sind leichter ablenkbar oder handeln impulsiver. Teilweise steigen auch Kreativität und Leistungsfähigkeit.
Die Veränderungen sind jedoch weniger stark ausgeprägt als bei einer Manie und führen in der Regel nicht zu schweren Einschränkungen im Alltag.
Eine Manie ist deutlich stärker ausgeprägt und beeinträchtigt das Leben der Betroffenen häufig erheblich. Typisch sind ein ausgeprägter Bewegungs- und Rededrang, rasende Gedanken und ein übersteigertes Selbstbewusstsein.
Betroffene schlafen oft nur wenige Stunden, fühlen sich trotzdem fit und lassen sich leicht ablenken. Auch riskante Entscheidungen, beispielsweise hohe Geldausgaben oder rücksichtsloses Verhalten, können vorkommen.
In schweren Fällen können zusätzlich psychotische Symptome auftreten wie Größen- oder Verfolgungswahn. Dann ist eine rasche psychiatrische Behandlung erforderlich.
Welche Formen der bipolaren Störung gibt es?
Je nach Art und Ausprägung der Stimmungsschwankungen werden verschiedene Formen der bipolaren Störung unterschieden:
- Bipolar-I-Störung: Betroffene erleben mindestens eine ausgeprägte manische Episode. Häufig treten zusätzlich depressive Phasen auf.
- Bipolar-II-Störung: Hier wechseln sich depressive Episoden und Hypomanien ab. Die Hochphasen sind weniger stark ausgeprägt als bei einer Manie.
Weitere Nebenformen sind:
- Zyklothymia: Dabei kommt es über einen längeren Zeitraum (> 2 Jahre) zu wiederkehrenden Stimmungsschwankungen, die jedoch nicht die volle Ausprägung einer Manie oder Depression erreichen.
- Rapid Cycling: Dieser Begriff beschreibt einen Verlauf, bei dem mindestens vier manische, hypomanische oder depressive Episoden innerhalb eines Jahres auftreten.
- Mischzustände: Dabei treten depressive und manische Symptome gleichzeitig auf. Betroffene können gleichzeitig niedergeschlagen, unruhig und innerlich getrieben sein. Solche Mischzustände sind besonders belastend und erfordern eine angepasste Behandlung.
Wie häufig und wie stark die einzelnen Phasen auftreten, ist individuell unterschiedlich. Auch längere Zeiträume ohne ausgeprägte Symptome sind möglich.
Wie entsteht eine bipolare Störung?
Warum manche Menschen eine bipolare Störung entwickeln, ist bislang nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenkommen. Dazu gehören:
- Genetische Veranlagung: In manchen Familien tritt die Erkrankung häufiger auf.
- Biologische Faktoren: Veränderungen im Botenstoffsystem des Gehirns und hormonelle Einflüsse können eine Rolle spielen.
- Psychische Belastungen: Anhaltender Stress oder traumatische Erlebnisse können die Erkrankung begünstigen.
- Schwerwiegende Lebensereignisse: Schicksalsschläge oder Verlusterlebnisse können bei entsprechend veranlagten Menschen eine erste Episode auslösen.
Entscheidend ist meist das Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Ein einzelner Auslöser führt nicht automatisch zu einer bipolaren Störung.
Wie wird eine bipolare Störung behandelt?
Die Behandlung richtet sich danach, ob sich Betroffene gerade in einer depressiven, manischen oder stabilen Phase befinden. Ziel ist es, akute Beschwerden zu lindern und neue Episoden möglichst zu verhindern. Dafür werden Medikamente und Psychotherapie miteinander kombiniert.
Im Rahmen einer Psychotherapie lernen Betroffene, Frühwarnzeichen einer neuen Episode zu erkennen und besser mit Stress umzugehen. Außerdem helfen feste Tagesabläufe und ein regelmäßiger Schlafrhythmus dabei, die Stimmung zu stabilisieren.
Bei der medikamentösen Therapie spielen sogenannte Stimmungsstabilisierer eine wichtige Rolle. Dazu gehört vor allem Lithium, das sowohl bei der Behandlung akuter manischer Episoden als auch zur Vorbeugung weiterer Phasen eingesetzt wird.
Gut zu wissen: Was ist bei Lithium bei einer bipolaren Störung zu beachten?
Lithium muss sorgfältig dosiert werden, da der Abstand zwischen wirksamer und zu hoher Konzentration gering ist. Deshalb sind regelmäßige Blutkontrollen wichtig.
Zusätzlich werden unter anderem die Nieren- und Schilddrüsenfunktion überprüft. Auch Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sollten beachtet werden.
Auch Wirkstoffe wie Lamotrigin oder bestimmte Antipsychotika können je nach Krankheitsphase infrage kommen. Welcher Wirkstoff eingesetzt wird, hängt unter anderem davon ab, ob eine manische oder depressive Episode vorliegt.
Bei einer akuten Manie werden häufig Antipsychotika wie Quetiapin, Olanzapin oder Aripiprazol eingesetzt. Bei einer bipolaren Depression hängt die Auswahl der Medikamente von der individuellen Situation ab. Antidepressiva werden nicht unkritisch eingesetzt, da sich die Stimmung möglicherweise in eine manische Phase verändern kann.
Bipolare Störung: Angehörige stärken und Betroffene unterstützen
Auch in der Apotheke können Menschen mit bipolarer Störung oder deren Angehörige Rat und Unterstützung suchen.
Für PTA ist es wichtig, in solchen Gesprächen sensibel auf Sorgen und Unsicherheiten einzugehen. Ein offenes Ohr, ein verständnisvoller Umgang und Hinweise auf geeignete Beratungs- und Hilfsangebote können Betroffenen und Angehörigen eine wertvolle Unterstützung sein.
- Auch Angehörige benötigen Unterstützung. Es sollte darauf geachtet werden, dass die eigenen Belastungsgrenzen berücksichtigt und Hilfsangebote angenommen werden.
- Selbsthilfegruppen ermöglichen den Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen und können dabei helfen, sich besser verstanden zu fühlen.
- Das Beratungstelefon der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen e. V. (DGBS) bietet eine Anlaufstelle für Menschen, die Rat und Unterstützung suchen.
- Äußerungen über Suizidgedanken sollten immer ernst genommen werden. Bei akuter Gefahr ist sofort professionelle Hilfe erforderlich, gegebenenfalls über den Notruf 112.
Quellen:
https://flexikon.doccheck.com/de/Bipolare_St%C3%B6rung
https://www.psychenet.de/de/psychische-gesundheit/informationen/bipolare-stoerungen.html?view=page&layout=index&id=19