Testkäufe helfen die Beratung zu verbessern

Teil 12: Schlafmittel

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Die Bundesapothekerkammer (BAK) lässt regelmäßig Testkäufe in Apotheken durchführen. Um Sie dabei zu unterstützen, eine leitliniengerechte Beratungsstruktur in der Apotheke einzuführen oder weiter auszubauen, haben wir die gängigsten „Testkäufe“ für Sie aufgegriffen und geben Tipps, wie Sie leitliniengerecht beraten. Im zwölften Teil unserer Serie geht es um einen älteren Herrn mit Schlafstörungen.

Ein älterer Herr betritt die Apotheke und wünscht Schlaftabletten. Seit dem Tod seiner Frau vor einem halben Jahr kommt er einfach nicht mehr zur Ruhe und schläft lediglich ein paar Stunden.

Im Beratungsgespräch gilt es nun, die Eigendiagnose "Schlafstörungen" des Patienten zu hinterfragen und ein geeignetes Medikament für ihn zu finden. Folgende von der ABDA empfohlene Fragen eignen sich dafür:

  • Welche Beschwerden liegen vor?
  • seit wann bestehen die Beschwerden?
  • wie häufig treten die Beschwerden auf?
  • wann treten die Beschwerden auf?

Die Ursachen für Schlafstörungen sind vielfältig. Stress, innere Unruhe und Ängste spielen dabei eine große Rolle. Doch auch Schichtarbeit, chronische Schmerzen oder Lärm können Schlafstörungen hervorrufen. Nicht zuletzt können Schlafstörungen auch Symptom einer Grunderkrankung bzw. anatomisch bedingt (z.B. Polypen als Ursache der Schlafapnoe) sein.

Therapiemöglichkeiten

In der Selbstmedikation finden schlaflose Patienten zahlreiche frei verkäufliche Arzneimittel. Für leichte pflanzliche Unterstützung und Beruhigung sorgen zum Beispiel Baldrianextrakt, Hopfen und Lavendelöl. Wichtig: Die Wirkung der pflanzlichen Präparate tritt immer zeitversetzt ein. So benötigt Baldrian bis zu 14 Tage, um seine volle Wirkung zu entfalten. Handelt es sich um eine akute Ausnahmesituation, können kurzfristig chemische Stoffe wie beispielsweise H1-Antihistaminika eingesetzt werden, wenn diese sich mit anderen einzunehmenden Arzneimitteln vertragen. Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn die Schlafstörung auf eine Grunderkrankung zurückzuführen ist oder durch ein Arzneimittel hervorgerufen sein könnte. Leiden Kinder unter Schlafstörungen, ist immer der Kinderarzt aufzusuchen. Ebenfalls können Schlafstörungen auf Arzneimittel zurückzuführen sein.

Mögliche Auslöser für Schlafstörungen: Übersicht der Medikamentengruppen

  • Bluthochdruckmittel wie Betablocker, Kalziumantagonisten
  • Statine gegen Fettstoffwechselstörungen
  • Hormonpräparate wie Schilddrüsenmedikamente oder manche Verhütungsmittel (zum Beispiel bestimmte Pillen),
  • Appetitzügler
  • Antriebssteigernde Antidepressiva
  • Psychopharmaka
  • Medikamente gegen Asthma und andere Atemwegserkrankungen
  • Antibiotika
  • Kortison
  • Schmerz- und Migränemittel
  • Koffeinhaltige Schmerz-, Husten- und Grippemittel

Nimmt der Patient entsprechende Medikamente ein und leidet unter Schlafstörungen, soll er die Problematik beim nächsten Arztbesuch ansprechen. Eventuell kann dann ein anderer Wirkstoff eingesetzt werden, um die Nebenwirkung zu umgehen.

In diesem Beispiel eignet sich für den Kunden ein pflanzliches Präparat zum Beispiel mit Baldrianextrakt. Dies kann er über einen längeren Zeitraum einnehmen und es gibt keine Wechselwirkung mit seiner Dauermedikation. Die unterstehenden Tipps helfen dem Kunden vielleicht , besser in den Schlaf zu kommen. Die ABDA bietet außerdem die Möglichkeit, die Tipps als Patienteninformation ausdrucken und dem Patienten auszuhändigen.

Tipps für „besseres schlafen“

  • Körperliche Aktivität sollte regelmäßig zu Ihrem Tagesablauf gehören. Vermeiden Sie allerdings körperliche Anstrengung, soweit möglich, nach 18 Uhr.
  • Wenn Sie auf Mittagsschlaf nicht verzichten möchten, dann auf maximal täglich 30 Minuten vor 14 Uhr begrenzen.
  • Trinken Sie nach dem Mittagessen keine koffeinhaltigen Getränke wie Kaffee oder Tee.
  • Trinken Sie möglichst abends keinen Alkohol und nutzen Sie Alkohol keinesfalls als (Ein-) Schlafmittel.
  • Nehmen Sie vor dem Schlafengehen keine schweren Mahlzeiten ein.
  • Legen Sie sich ein Einschlafritual, wie eine kurze, entspannende Bettlektüre zu.
  • Beseitigen oder reduzieren Sie lästige Lichtquellen und Lärmgeräusche und setzen Sie sich keinem hellen Licht aus, wenn Sie nachts wach werden.
  • Sorgen Sie für ein angenehmes Raumklima im Schlafzimmer. Die Temperatur sollte zwischen 16-18 Grad liegen
  • Gehen Sie möglichst regelmäßig etwa zur selben Zeit schlafen und stehen Sie etwa zur selben Zeit auf
  • Im Bett am besten nicht essen oder fernsehen. Es soll ein Reflex im Körper ausgelöst werden: Ins Bett gehen = schlafen.
Farina Leschke
PTA, Bramsche
onlineredaktion@ptaheute.de