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mehr wissen: Parotitis: Hamsterbacken?

Die Ohrspeicheldrüse oder Parotis ist die größte beidseitig angelegte Speicheldrüse des Menschen. Sie befindet sich im hinteren Wangenbereich vor und unter den Ohren. Ihr Ausführungsgang endet in der Mundschleimhaut gegenüber den hinteren oberen Backenzähnen. Sie produziert zusammen mit den Unterkiefer- und Unterzungendrüsen über 90 % des Speichels. Die restliche Menge übernehmen etwa 1.000 kleinere Speicheldrüsen, die sich in der Mundschleimhaut befinden. Pro Tag entstehen so ein bis zwei Liter Speichel – der größte Teil davon während des Essens, denn Gerüche, Geschmack und der Kauvorgang regen die Speichelausschüttung an. In der Nacht und bei Empfindungen wie Angst oder Lampenfieber sinkt die Speichelproduktion dagegen stark ab.

Ein- oder beidseitige Entzündung

Bei einer Entzündung der Ohrspeicheldrüse – ein- oder beidseitig – schwillt diese deutlich sichtbar an. Die Schwellung zeigt sich an der betroffenen Seite im Bereich zwischen den Wangen und Ohren. Bei viralen Infekten sind häufig beide Seiten geschwollen, bakterielle Auslöser führen meist zu einer einseitigen Schwellung. Auch ein Wechsel der Seiten im Lauf der Erkrankung oder bei chronisch-rezidivierenden Entzündungen ist möglich. Die Patienten leiden außerdem unter Schmerzen, die vor allem beim Essen auftreten. Diese entstehen, da durch die Schwellung der Drüse Druck auf das umgebende Gewebe ausgeübt wird. Besonders stark sind die Schmerzen, wenn die Speichelproduktion angeregt wird. Durch den Duft oder Geschmack von Speisen sowie den Kauvorgang beim Essen wird die Speichelausschüttung verstärkt, wodurch der Druck und damit Schmerzen stärker werden. Durch die Entzündung kann es sogar zu einer vorübergehenden Kieferklemme kommen. Dabei können die Patienten den Mund nur um wenige Millimeter öffnen, wodurch Essen und Sprechen schwerfallen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einer Parotitis kommt es ein- oder beidseitig zu einer Entzündung der Ohrspeicheldrüse mit Schwellung und manchmal auch Rötung der entsprechenden Wangen. Die Patienten haben Schmerzen, die vor allem beim Essen auftreten.
  • Die Entzündung kann viral (z. B. durch Mumps- oder Cytomegaloviren) oder bakteriell (meist durch Staphylokokken, seltener durch Streptokokken) bedingt sein.
  • Auch chronisch-rezidivierende Entzündungen können auftreten. Die Ursachen werden hierbei kontrovers diskutiert.
  • Therapiert wird generell mit Schmerzmitteln und bei bakteriellen Infektionen mit Antibiotika.

Viren als Auslöser

Eine Ohrspeicheldrüsenentzündung oder Parotitis kann zahlreiche Ursachen haben. Der bekannteste Auslöser ist das Mumpsvirus. Vor allem Kinder zwischen 2 und 14 Jahren infizieren sich damit. Es wird über Tröpfchen übertragen. Anstecken kann man sich bereits mehrere Tage, bevor Symptome auftreten. Nach überstandener Infektion ist man noch bis zu neun Tage ansteckend. Mehr als die Hälfte der Patienten entwickelt die typische Schwellung einer oder beider Ohrspeicheldrüsen, zusätzlich können Fieber, Kopf- und Halsschmerzen auftreten. Es sind aber auch symptomlose Verläufe möglich. Nach einmaliger Infektion ist man gegen das Virus immun. Gefürchtet sind allerdings mögliche Komplikationen, die bei Kindern sehr selten sind, aber bei Jugendlichen und Erwachsenen häufiger vorkommen. 

Denn durch das Mumpsvirus kann bei 15 bis 30 Prozent der jugendlichen und erwachsenen Erkrankten die Fruchtbarkeit beeinträchtigt werden. Es kann bei Jungen und Männern zu einer Hodenentzündung kommen. Bei älteren Mädchen können sich die Brustdrüse und die Eierstöcke entzünden. Seltener treten eine Entzündung des Gehirns, der Bauchspeicheldrüse oder des Hörnervs mit nachfolgender Taubheit auf. Daher gehört eine Impfung gegen Mumps zu den Standardimpfungen: Es werden eine zweimalige Impfung in einem Alter von 11 und 15 Monaten sowie die entsprechenden Auffrischimpfungen empfohlen. Verimpft wird meist eine Vierfachkombi, die auch gegen Masern, Röteln und Varizellen schützt (z. B. in Priorix tetra, Proquad). Trotzdem erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 700 Menschen an Mumps – vor allem ungeimpfte oder nur einmalig geimpfte Menschen.

Deutlich seltener wird eine Parotitis durch Cytomegaloviren ausgelöst. Für gesunde Menschen sind diese Viren harmlos, doch bei geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel bei Krebspatienten oder Neu- und Frühgeborenen, kann es zu lebensbedrohlichen Infektionen unter anderem mit Entzündung der Ohrspeicheldrüse kommen. Selten können auch Influenzaviren für eine Parotitis verantwortlich sein.

Auch Bakterien können die Übeltäter sein

Nicht nur Viren, sondern auch Bakterien können eine Parotitis auslösen. Typischerweise wandern Staphylokokken – seltener Streptokokken – aus dem Mundraum in das Gewebe der Ohrspeicheldrüse. In seltenen Fällen können Bakterien auch über die Blutbahn im Rahmen einer Sepsis oder eine Bakteriämie in das Drüsengewebe gelangen und dort eine Entzündung auslösen. Bei beiden Varianten kommt es zu einer schmerzhaften Schwellung mit Rötung der entsprechenden Wange. Viele Patienten leiden weiterhin unter Fieber und es bildet sich ein eitriges Sekret. 

Fließt letzteres nicht von selbst ab, kann es der Arzt durch Ausstreichen der Ohrspeicheldrüsen entfernen und gegebenenfalls einen Abstrich zur Bestimmung des Erregers durchführen. An einer bakteriellen Parotitis erkranken vor allem Menschen mit Immunschwäche. Außerdem tritt sie bei älteren Menschen auf, deren Speichelproduktion verringert ist, wodurch die Bakterien nicht mehr effektiv ausgespült werden. Ursachen hierfür sind zum Beispiel ein verringerter Appetit oder eine zu geringe Trinkmenge. Außerdem hemmen Arzneimittel mit anticholinergen (Neben-)Wirkungen die Speichelproduktion, vor allem wenn mehrere dieser Arzneistoffe gleichzeitig eingenommen werden. 

Dazu gehören beispielsweise Antidepressiva, Antiparkinsonmittel, Urologika sowie Antihistaminika der ersten Generation, die zum Beispiel in rezeptfreien Schlafmitteln enthalten sind. Weiterhin können Diuretika zu einer verminderten Speichelproduktion führen, da sie in den Wasser- und Elektrolytstoffwechsel eingreifen. Außerdem erhöhen eine schlechte Mundhygiene oder bereits vorhandene Entzündungen der Mundschleimhaut das Risiko für bakterielle Entzündungen der Ohrspeicheldrüsen.

Unterschiedliche Abflusshindernisse

Auch wenn der Speichelabfluss aus der Ohrspeicheldrüse vermindert oder komplett blockiert wird, kann es zu einer Parotitis kommen. Hierfür sind verschiedene Ursachen möglich, beispielsweise können sogenannte Speichelsteine, die den Speichelabfluss blockieren, Auslöser für eine Entzündung sein. Speichelsteine sind kleine kalkhaltige Verfestigungen, die in der Regel durch eine veränderte Zusammensetzung des Speichels entstehen, zum Beispiel wenn die Patienten zu wenig trinken. In 90 % der Fälle sind hiervon allerdings die Unterkieferspeicheldrüsen betroffen. Auch eine Verengung des Ausführungsgangs durch Narben oder Tumoren kann zu Ohrspeicheldrüsenentzündungen führen.

Immer wieder entzündet

Bei manchen Menschen treten Entzündungen der Ohrspeicheldrüse immer wieder auf. Die chronisch-rezidivierende Form kann bei Kindern und bei Erwachsenen vorkommen, wobei sich Verlauf, Prognose und Therapie bei beiden Gruppen unterscheiden. Generell werden die Ursachen kontrovers diskutiert. Mögliche Auslöser sind angeborene Missbildungen der Drüsengänge, bakterielle (seltener virale) Infektionen sowie Allergien. Die Bildung des Speichels ist dabei meist gestört und die Drüsengänge können krankhaft erweitert sein – beispielsweise durch Speichelsteine. Bei Kindern ist diese Form der Parotitis in der Regel selbstlimitierend und endet mit der Pubertät. Bei Erwachsenen kann das Gewebe vernarben, was im schlimmsten Fall eine Operation erforderlich macht.

Weitere mögliche Ursachen

Auch Autoimmunerkrankungen können eine chronisch-rezidivierende Parotitis auslösen. So greift das Immunsystem beim Sjögren-Syndrom die Tränen- und Speicheldrüsen an, wodurch die Speichelproduktion mit der Zeit zum Erliegen kommt. Das Heerfordt-Syndrom – eine Sonderform der Sarkoidose – führt neben Fieber, einer Gesichtslähmung und einer Entzündung der Regenbogenhaut zu wiederkehrenden Entzündungen der Parotis. Darüber hinaus kann eine Strahlen- oder Chemotherapie im Kopf-/Halsbereich die Schleimhaut der Speicheldrüsen so stark beeinträchtigen, dass immer wieder Ohrspeicheldrüsenentzündungen auftreten und die Speichelproduktion beeinträchtigt wird. Abhängig vom Ausmaß der Schädigung kommt es zu einer vorübergehenden oder irreversiblen Mundtrockenheit.

Behandeln sowie ...

Eine Parotitis wird abhängig von der Ursache behandelt. So ist bei viralen Auslösern nur eine symptomatische Therapie mit Analgetika möglich. Sind Bakterien die Auslöser, werden Antibiotika verordnet (z. B. Penicilline), durch die die Entzündung nach kurzer Zeit wieder abklingt. Bei chronisch-rezidivierenden Speicheldrüsenentzündungen erhalten die Patienten häufig Glucocorticoide, die die Immunreaktion unterdrücken. Patienten mit Sjögren-Syndrom oder einer durch Bestrahlung verursachten Mundtrockenheit kann der Wirkstoff Pilocarpin (z. B. in Salagen) verordnet werden, durch den die Speichelproduktion gesteigert wird. Außerdem kann künstlicher Speichel eingesetzt werden (z. B. Aldiamed Mundgel, Saseem Mundspray).

Wie erkläre ich es meinen Kunden?

  • „Achten Sie darauf, dass Ihre Mutter ausreichend trinkt und die Luft nicht zu trocken ist. Auch das Lutschen von Bonbons hilft gegen die Mundtrockenheit und beugt Entzündungen der Speicheldrüse vor.“
  • „Sie haben eine geschwollene Wange und Schmerzen beim Kauen? Ja, dagegen können Schmerzmittel helfen, aber lassen Sie sich auf jeden Fall auch von einem Arzt untersuchen. Vielleicht brauchen Sie zusätzlich ein Antibiotikum.“

... unterstützen und vorbeugen

Um die Abheilung der Parotitis zu unterstützen und weiteren Erkrankungen vorzubeugen, sind eine intensive Mundhygiene und eine ausreichende Trinkmenge wichtig. Tagsüber und vor allem nachts sollte man außerdem für eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit sorgen, insbesondere, wenn sich die Patienten überwiegend drinnen aufhalten. Kommt es nur zu leichteren Beschwerden und Mundtrockenheit, können das regelmäßig Lutschen von Bonbons und das Kauen von Kaugummis empfohlen werden. Schon durch diese einfachen Maßnahmen wird der Speichelfluss angeregt, wodurch einer Parotitis vorgebeugt werden kann. Kommt es dagegen immer wieder zu Speicheldrüsenentzündungen und sind größere Abflusshindernisse oder Verengungen des Ausführungsgangs die Ursache, ist meist eine operative (Teil-)Entfernung der betroffenen Ohrspeicheldrüse notwendig. Zur Vorbeugung einer Parotitis durch das Mumpsvirus wird die bereits erwähnte Impfung empfohlen. •

Ulrike Freese

Apothekerin, Fachjournalistin

Lüneburg

autor@ptaheute.de