Anstieg der Hantavirus-Fälle in Baden-Württemberg

Das trockene Klima im vergangenen Sommer begünstigte den Anstieg der Rötelmaus-Population. Der kleine Nager ist als Überträger des Hantavirus bekannt.
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In Baden-Württemberg meldet das Landesgesundheitsamt eine starke Zunahme der Hantavirus-Infektionen. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es zehnmal mehr Fälle als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Grund dafür ist die aktuell hohe Population an Überträgern – den Rötelmäusen. Doch Schutzmaßnahmen können das Infektionsrisiko verringern.

Am Anfang stehen die Bucheckern

Ausschlaggebend war der trockene Sommer 2018. Er führte zu einer sogenannten Buchenmast, das heißt die Buchen trugen im vergangenen Herbst besonders viele Bucheckern. Diese stellen die wichtigste Nahrung der Rötelmaus (Myodes glareolus) dar, die sich deshalb stark vermehren konnte. Da die Rötelmaus maßgeblich für die Übertragung des Hantavirus verantwortlich ist, steigt jetzt das Infektionsrisiko an.

Viele Erkrankungen in Baden-Württemberg

Hantavirus-Infektionen treten vor allem in Regionen mit hohem Anteil an Buchenwäldern wie in Baden-Württemberg auf. In diesem Bundesland wurden in den ersten drei Monaten 2019 bereits 82 Hantavirus-Erkrankungen verzeichnet. Im ersten Quartal 2018 waren es nur acht Fälle. Die höchsten Fallzahlen wurden in Stuttgart sowie den Landkreisen Tübingen und Esslingen registriert. Beinahe zwei Drittel der Erkrankten mussten ins Krankenhaus, am häufigsten wegen einer Nierenfunktionsstörung.

Gefahr des Nierenversagens

Eine Hantavirus-Infektion verläuft häufig ohne Symptome oder so leicht, dass sie nicht bemerkt wird. Doch symptomatische Erkrankungen können einen schweren Verlauf nehmen. Häufig beginnt die Erkrankung grippeähnlich mit plötzlich einsetzendem hohen Fieber. Hinzu kommen Kopf- und Gliederschmerzen sowie Bauch- und Rückenschmerzen. In schweren Fällen kann es zu Nierenfunktionsstörungen bis hin zum Nierenversagen kommen. Todesfälle sind jedoch in Deutschland selten. Allerdings kann sich die Rekonvaleszenz über viele Wochen hinziehen. An eine Hantavirus-Erkrankung sollte man denken, wenn gleichzeitig hohes Fieber, Rücken- und Bauchschmerzen sowie Probleme beim Wasserlassen auftreten.

Staub vermeiden

Hantaviren werden von infizierten Tieren über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden. Der Mensch infiziert sich nicht nur durch direkten Kontakt mit Nagern oder deren Ausscheidungen, sondern auch über das Einatmen von kontaminiertem Staub. Die Viren überleben mehrere Wochen in der Umwelt. Vor allem wenn beim Saubermachen, zum Beispiel von Schuppen oder Keller, virenhaltiger Staub aufgewirbelt wird, besteht ein Infektionsrisiko. Bei der Gartenarbeit können die Viren über kleine Hautverletzungen in den Körper gelangen.

Mit Atemschutzmaske putzen

Um sich an Orten, wo Mäuse oder deren Ausscheidungen vorkommen können, zu schützen, sollte man daher einige Vorsichtsmaßnahmen treffen: Gummihandschuhe und Atemmaske tragen, Räume vor der Reinigung gut durchlüften und nur nass putzen. Findet man tote Mäuse oder deren Kot, sollte man sie zunächst mit Desinfektions- oder Reinigungsmittel besprühen und dann in einer gut verschlossenen Plastiktüte im Hausmüll entsorgen. Weitere Empfehlungen zur Vermeidung von Hantavirus-Infektionen gibt ein Merkblatt des Robert Koch-Instituts.

Wo das Risiko erhöht ist

Die Gefahr einer Hantavirus-Infektion besteht nicht nur in Baden-Württemberg. Das Erkrankungsrisiko ist in Deutschland jedoch regional unterschiedlich groß. Risikogebiete befinden sich vor allem in Süddeutschland sowie West- und Nordwestdeutschland. Betroffen sind insbesondere die Schwäbische Alb, das Münsterland, der Teutoburger Wald, Unterfranken, der Odenwald, Oberschwaben, die Fränkische Alb, der Bayerische Wald, Osthessen und West-Thüringen. Die Erkrankungshäufigkeit variiert von Jahr zu Jahr. So wurden im vergangenen Jahr aus ganz Deutschland nur 235 Fälle gemeldet, in 2017 waren es dagegen 1.728. Einen Erkrankungsgipfel gab es in 2012 mit 2.824 Fällen.

Quellen: Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg; Robert Koch-Institut