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Chikungunya: Gefährliche Tropenkrankheit für Europa

Asiatische Tigermücke sitzt auf einem Blatt
Das Chikungunya-Fieber wird überwiegend durch die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) übertragen. | Bild: Tony / AdobeStock

Weltweit häufen sich die Fälle an Chikungunya-Fieber. Auch Europa könnte künftig weitaus stärker betroffen sein als bisher angenommen. Das Virus könne sich bei niedrigeren Temperaturen ausbreiten als bisher bekannt, das berichtet ein Forschungsteam im Fachjournal Interface der britischen Royal Society. 

In den vergangenen Jahren gab es bereits größere Ausbrüche des Chikungunya-Fiebers in Italien, Frankreich und Spanien. Im Sommer vergangenen Jahres waren Fälle nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt erfasst worden. 

Chikungunya-Fieber: Übertragung durch die Asiatische Tigermücke

Als Hauptüberträger des Chikungunya-Virus in Europa zählt die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Diese ursprünglich aus Südostasien stammende Mücke etabliert sich inzwischen weltweit in immer mehr Regionen, zum Beispiel in Südeuropa und Nordamerika. 

In Deutschland ist die Tigermücke vor allem in wärmeren Regionen anzutreffen: im Oberrheintal (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen), aber auch punktuell in Bayern, Thüringen, Berlin und Nordrhein-Westfalen.

Experten erwarten, dass sich die Asiatische Tigermücke durch die zunehmende Klimaerwärmung weiter in die nördlichen Regionen Europas ausbreitet und künftig auf dem Großteil des Kontinents vorkommen werde. 

Gut zu wissen: Brutstätten der Asiatischen Tigermücke

Die Tigermücke benötigt für ihre Vermehrung stehendes Wasser. Auch in kleineren Wasseransammlungen legt das Tigermückenweibchen die Eier ab. Das können Wasserreste in Blumentopfuntersetzern, Eimern und Regentonnen oder Pfützen auf Abdeckplanen sein. Im städtischen Umfeld bieten sich somit viele geeignete Brutstätten. Auch in Kleingartenanlagen oder auf Campingplätzen fühlt sich die Asiatische Tigermücke wohl. 

Durch den internationalen Waren- und Personenverkehr werden außerdem immer wieder Mücken aus dem Ausland bei uns eingetragen. Man erkennt die circa 3 bis 8 mm große Tigermücke an ihren auffallenden Streifen an den Beinen und am Körper.

Neben der Asiatischen Tigermücke kann auch die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) das Chikungunya-Virus übertragen. Sie ist vor allem in den Tropen und Subtropen sowie teilweise im Mittelmeerraum verbreitet. 

Verbreitung des Chikungunya-Fiebers vor allem im Juli und August

Die Wissenschaftler um Sandeep Tegar vom Centre for Ecology & Hydrology im britischen Wallingford analysierten vorhandene Daten, um herauszufinden, ab welcher Mindesttemperatur Virusübertragungen durch die Asiatische Tigermücke erfolgen können. Eine Übertragung ist demnach in einem Bereich von etwa 14 bis 32 Grad Celsius möglich, die optimale Temperatur liegt bei etwa 26 Grad Celsius.

Damit sei eine Verbreitung vor allem in den Monaten Juli und August wohl in weiten Teilen Europas möglich, in südlichen Regionen sogar von Mai bis November, heißt es in der Studie. Zu den Gebieten mit dem höchsten Risiko zählen demnach Albanien, Griechenland, Italien, Malta, Spanien und Portugal. Deutschland wird den Gebieten mit mittlerem Risiko zugerechnet.

ECDC erwartet vermehrt Fälle mit Chikungunya-, Dengue-, West-Nil-Fieber

Laut dem Team um Tegar nimmt die Zahl durch Aedes-Mücken übertragener Arbovirus-Infektionen in Europa jährlich um durchschnittlich 25 Prozent zu. Insbesondere in südeuropäischen Ländern kommt es seit Jahren zu wiederkehrenden Ausbrüchen des Chikungunya- und Dengue-Fiebers.

Gut zu wissen: Was versteht man unter Arboviren?

Ein Arbovirus ist ein Virus, das von blutsaugenden Gliederfüßern wie Mücken oder Zecken übertragen wird. Dadurch werden Infektionen wie Dengue-, Zika-, Chikungunya- und West-Nil-Fieber sowie FSME ausgelöst. 

Auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) geht davon aus, dass Ansteckungen mit dem Chikungunya- oder West-Nil-Virus in Europa zunehmen werden.

Als Gründe für die zunehmende Verbreitung der Krankheiten in Europa nennt das ECDC klimatische Bedingungen, die die Stechmücken gedeihen lassen: steigende Temperaturen, längere Sommerperioden, mildere Winter und Veränderungen in den Niederschlagsmustern.

Chikungunya-Symptomatik: Fieber und schwere Gelenkschmerzen 

Beim Chikungunya-Fieber beginnt die Symptomatik meist innerhalb von drei bis sieben Tagen nach dem Stich einer infizierten Mücke. Neben plötzlichem Fieber treten schwere Gelenkschmerzen auf. Diese sind sehr beeinträchtigend, was zum Namen „Chikungunya“ – „der gekrümmt Gehende“ – führte. 

Weitere Symptome wie Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Hautausschlag können hinzukommen. In der Regel bessern sich die Beschwerden nach ungefähr einer Woche. Die Gelenkschmerzen halten aber mitunter monate- oder gar jahrelang an. 

Zwei Impfstoffe gegen Chikungunya-Fieber verfügbar

Eine spezifische Therapie gegen das Chikungunya-Fieber existiert nicht. 

Seit Juni 2024 ist der Impfstoff Ixchiq® gegen Chikungunya-Infektionen in der EU zugelassen. Bei dieser Vakzine handelt es sich um einen attenuierten Lebendimpfstoff, der das Chikungunya-Lebendvirus (CHIKV) vom Stamm Δ5nsP3 des ECSA/IOL-Genotyps enthält.

Im Februar 2025 wurde ein weiterer Impfstoff in der EU zugelassen. Der Impfstoff Vimkunya enthält virusähnliche Partikel aus dem CHIKV-Kapsidprotein (C) und den Hüllproteinen E1 und E2. Der Impfstoff soll ab dem 22. Tag und bis zu 183 Tage nach der Applikation Personen ab zwölf Jahren vor einer Infektion schützen. Quellen:
- Robert Koch-Institut (RKI)
- Paul-Ehrlich-Institut (PEI)
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC)
- Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg
- https://www.aerzteblatt.de/news/rubriken/medizin/experten-chikungunya-fur-europa-problematischer-als-gedacht-2ea532ee-b790-435b-bdec-ea342273ff29
 

Chikungunya-Fieber in Kürze

  • Virale Tropenkrankheit, übertragen von Stechmücken der Gattung Aedes (Aedes albopictus – Asiatische Tigermücke, Aedes aegypti – Gelbfiebermücke).
  • Krankheitssymptomatik: plötzlich einsetzendes hohes Fieber, starke Gelenkschmerzen u. a.; Gelenkbeschwerden können Monate bis Jahre anhalten.
  • Keine spezifischen Therapiemöglichkeiten, aber zwei Impfstoffe verfügbar.
  • Übertragende Asiatische Tigermücke breitet sich seit einigen Jahren auch in wärmeren Regionen Deutschlands aus.