Fieber und Gliederschmerzen –
So bewahren Sie einen kühlen Kopf

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Fieber und Schmerzen sind häufige Symptome bakterieller und viraler Infektionen. Nicht immer sind sie behandlungsbedürftig und manchmal sollten sie nicht im Rahmen der Selbstmedikation behandelt werden. Deshalb ist ein ausführliches Beratungsgespräch bei der Abgabe fiebersenkender und schmerzlindernder Mittel durchaus wichtig.

Jeder kennt das Gefühl, wenn es in der Erkältungszeit in den Armen und Beinen zieht. Die einen beschreiben es als Muskel-, die anderen als Gliederschmerzen. Diese Schmerzen sind ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem Krankheitserreger bekämpft. Dabei werden Botenstoffe wie Prostaglandine produziert, die einerseits die Immunabwehr aktivieren, andererseits aber auch die Schmerzempfindlichkeit des Körpers erhöhen und dem Nervensystem das Signal „Schmerz“ melden. Um die Krankheitserreger besser bekämpfen zu können, reagiert der Körper oft auch mit Fieber, also einer Erhöhung der normalen Körpertemperatur. Dadurch werden die Stoffwechselvorgänge beschleunigt, was die Abwehrreaktion des Körpers unterstützt. Außerdem wachsen und vermehren sich die meisten Krankheitserreger bei erhöhter Temperatur schlechter. Fieber ist also eine sinnvolle Reaktion des Körpers, die nicht immer sofort mit fiebersenkenden Mitteln unterdrückt werden sollte.

Was tun bei Fieber?

Die Körpertemperatur des Menschen liegt normalerweise bei einem Wert um 37 °C. Dabei variiert sie nicht nur individuell, auch im Tagesverlauf verändert sie sich und schwankt bei einem gesunden Menschen zwischen etwa 36,5 und 37,4 °C. In der Regel ist sie am frühen Morgen am niedrigsten und steigt zum Abend hin an. Ab einer Körperkerntemperatur von 37,5 °C spricht man von „erhöhter Temperatur", ab 38 °C von Fieber. Vor dem Einsatz fiebersenkender Maßnahmen sollte man sich immer individuell Gedanken über dessen Folgen machen. Eine Senkung der Körpertemperatur durch Medikamente bedeutet nämlich eine Hemmung der Immunantwort mit der Gefahr, den Infekt zu verschleppen, weil die Krankheitserreger nicht effektiv bekämpft werden. Doch wann sollte man zu fiebersenkenden Maßnahmen greifen? Das sollte jeder Patient abhängig von seinem Befinden selbst entscheiden. Chronisch Kranke beispielsweise, deren Kreislauf durch Fieber sehr belastet werden kann, sollten ab einer Temperatur von 38,5 °C entgegensteuern. Generell „gesunde“ Menschen können zu fiebersenkenden Medikamenten greifen, wenn das Fieber sehr unangenehm für sie ist und beispielsweise mit Krämpfen, Schüttelfrost, Gliederschmerzen und starken Kopfschmerzen einhergeht. Ansonsten sollte man das Fieber ruhig auch mal zulassen und den Körper die Heilung übernehmen lassen. Dabei sollte man sich viel Ruhe, Schlaf und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gönnen.

Wann zum Arzt?

Die Empfehlung, wann ein Patient seinen Arzt aufsuchen sollte, ist abhängig vom Alter. In den ersten sechs Lebenswochen sollte ein Baby bei einer rektal gemessenen Körpertemperatur von über 37,8 °C unverzüglich einem Kinderarzt vorgestellt werden, Säuglinge bis circa vier Monate bei einer Temperatur über 38,5 °C. Bei allen anderen Kindern gilt, dass die Fieberhöhe nicht so entscheidend ist. Wichtiger ist, wie krank sich das Kind fühlt und ob es genügend trinkt. Sollten zusätzliche Krankheitszeichen wie Durchfall, Erbrechen oder Bauchschmerzen auftreten, ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen, ebenso, wenn das Fieber länger als zwei Tage andauert. Bei Erwachsenen ist die Grenze der Selbstmedikation bei hohem Fieber mit über 39,5 °C erreicht, vor allem bei einer Dauer von mehr als 24 Stunden. Bei leichtem Fieber mit einer Temperatur von 38,1 °C bis 38,5 °C sollte der Patient spätestens nach sieben Tagen einen Arzt aufsuchen.

Fiebersenkende Arzneimittel

Verschiedene Leitlinien geben Paracetamol und Ibuprofen als Mittel der Wahl bei Fieber an. Paracetamol kann man in der Selbstmedikation ab drei Kilogramm Körpergewicht empfehlen. Es gilt außerdem in niedriger Dosierung und bei kurzfristigem Einsatz als Mittel der Wahl in der gesamten Schwangerschaft und Stillzeit. Je nach Alter und Vorliebe können Sie Paracetamol als Saft, Zäpfchen, Tabletten, Kapseln, Brausetabletten oder Direktgranulate empfehlen. Wichtig ist der Hinweis auf die je nach Körpergewicht vorgeschriebene Dosierung, denn Paracetamol hat eine geringe therapeutische Breite und kann bei Überdosierung die Leber schädigen. Bei Vorschädigungen der Leber und Alkoholmissbrauch ist Paracetamol kontraindiziert.

Dosierung von Paracetamol

Paracetamol wird, wie alle anderen Antipyretika auch, nach Gewicht dosiert, nicht nach Alter. Für Paracetamol liegt die Dosierung bei 10 bis 15 mg/kg Körpergewicht alle vier bis sechs Stunden. Die Wirkung tritt innerhalb von 30 bis 60 Minuten ein.

Ibuprofen kann man ohne Rezept für Säuglinge ab drei Monaten mit mindestens sechs Kilogramm Körpergewicht abgeben. In der Schwangerschaft kann es unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung im ersten und zweiten Trimenon eingesetzt werden, ebenso kurzfristig in der Stillzeit. Mögliche Darreichungsformen sind Saft und Zäpfchen für Kinder, für Jugendliche ab sechs Jahren und Erwachsene auch Tabletten oder Schmelztabletten. Ibuprofen wirkt nicht nur schmerzlindernd, sondern auch antientzündlich. 

Dosierung von Ibuprofen

Die Dosierung von Ibuprofen beträgt 10 mg/kg Körpergewicht alle sechs Stunden, die maximale Tagesdosis ist 40 mg/kg Körpergewicht. Der maximale Effekt wird später als bei Paracetamol erreicht, hält aber länger an.

Auch Acetylsalicylsäure kann bei Fieber eingesetzt werden – allerdings nur bei Kindern ab zwölf Jahren und einem Körpergewicht von 40 Kilogramm. Vor der Abgabe an den Patienten sollte man auf die Nebenwirkungen, z. B. das Auftreten von Blutungen und Geschwüren im Magen-Darm-Trakt, das Auslösen von Asthmaanfällen und die potenzielle Nierenschädigung, hinweisen sowie auf Kontraindikationen, z. B. eine krankhaft erhöhte Neigung zu Blutungen, Herzinsuffizienz, Magengeschwüre oder eine Überempfindlichkeit gegen Acetylsalicylsäure.
Aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika haben auch Diclofenac und Naproxen eine fiebersenkende Wirkung, gelten hier jedoch als Mittel der zweiten Wahl.