Was ist eigentlich ein Toxisches Schocksyndrom?

Das Toxische Schocksyndrom wird meist mit dem Gebrauch von Tampons in Verbindung gebracht. Tritt die seltene Infektion auf, muss rasch gehandelt werden.
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Diese lebensbedrohliche Infektion betrifft vor allem junge Frauen, meist während der Menstruation. Sie wird mit der Verwendung von Tampons in Zusammenhang gebracht. Deshalb heißt sie auch „Tamponkrankheit“.

Plötzlicher Beginn – schwerwiegende Symptome

Zum Glück ist das Toxische Schocksyndrom (TSS) sehr selten. Von 100.000 Frauen im sexuell aktiven Alter sind jährlich drei bis sechs davon betroffen. Die Erkrankung beginnt plötzlich und kann dramatische Symptome hervorbringen: hohes Fieber, Schüttelfrost, Blutdruckabfall, Herzrasen, Erbrechen und Durchfall, eventuell Muskel- und Kopfschmerzen sowie Bewusstseinstrübung. In schweren Fällen kann es zu Schock und Organversagen kommen – mit eventuell tödlichem Ausgang. Typisch sind für das Toxische Schocksyndrom auch die Hautsymptome: ein sonnenbrandähnlicher Ausschlag mit nachfolgender Hautschuppung.

Bei Tampon-Verwendung

Verantwortlich für das Toxische Schocksyndrom ist meist das Bakterium Staphylococcus aureus, genauer gesagt das von ihm gebildete Toxin TSST-1 (Toxic Shock Syndrome Toxin 1). Staphylococcus aureus kommt auf Haut und Schleimhaut vieler Menschen vor, ohne Symptome hervorzurufen. Zur Erkrankung kann es jedoch kommen, wenn sich die Bakterien stark vermehren und die Toxine in hoher Konzentration in den Blutkreislauf gelangen. Gute Vermehrungsbedingungen können zum Beispiel in der Scheide entstehen, wenn Frauen Tampons benutzen und diese nicht rechtzeitig wechseln.

Auch andere Ursachen

Die Betroffenen sind im Durchschnitt 23 Jahre alt. Man geht davon aus, dass ältere Erwachsene genügend Antikörper gegen das Bakterientoxin TSST-1 gebildet haben und deshalb weniger erkranken. Ein Toxisches Schocksyndrom kommt zwar überwiegend im Zusammenhang mit Tampon-Gebrauch vor, kann jedoch auch bei Frauen mit Diaphragma, im Wochenbett oder nach gynäkologischer Chirurgie auftreten. Darüber hinaus können auch Verbrennungen, Insektenstiche, Windpocken-Läsionen und chirurgische Wunden Ursache für ein Toxisches Schocksyndrom sein. In diesen Fällen sind auch Männer potentiell betroffen, ebenso Kinder. Neben Staphylococcus-aureus-Toxin sind selten auch Streptokokken-Toxine die Krankheitsursache.

Schnell handeln

Bei Symptomen, die auf ein Toxisches Schocksyndrom hinweisen könnten, muss ein Tampon oder Diaphragma sofort entfernt werden. Außerdem ist es wichtig, umgehend einen Arzt oder das Krankenhaus aufzusuchen. Werden rechtzeitig Antibiotika intravenös verabreicht, sind die Heilungschancen gut.

Hygiene beugt vor

Um die „Tamponkrankheit“ zu vermeiden, ist Menstruationshygiene sehr wichtig:

  • Vor dem Einführen des Tampons gründlich Hände waschen.
  • Kleinstmögliche Tampongröße benutzen (Tampongröße entsprechend der aktuellen Blutungsstärke anpassen).
  • Tampon spätestens nach 6 Stunden wechseln.
  • Morgens sofort nach dem Aufstehen Tampon wechseln.
  • Nur Tampons aus unbeschädigten Originalverpackungen verwenden.

Bei Verwendung eines Diaphragmas gilt: Nur so lange wie nötig in der Scheide belassen, danach gründlich mit Wasser und Seife reinigen.

Toxisches Schocksyndrom in Kürze

  • Seltenes, lebensbedrohliches Krankheitsbild, ausgelöst durch Toxine von Staphylococcus aureus (seltener von Streptokokken), die in hoher Konzentration in den Blutkreislauf gelangen.
  • Tritt vor allem bei jungen Frauen in Zusammenhang mit der Verwendung von Tampons auf („Tamponkrankheit“), vor allem bei zu langer Benutzung. Infektion in selteneren Fällen auch geschlechtsunabhängig infolge anderer Wunden möglich.
  • Schwere Symptomatik, evtl. mit Schock und Organversagen.
  • Behandlung: intravenöse Antibiotikagabe und intensivmedizinische Behandlung.
  • Prävention durch richtige Menstruationshygiene.

Quellen: Robert Koch-Institut; www.frauenaerzte-im-netz.de; www.apotheken.de;