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Stiftung Warentest prüft Fieberthermometer: Genaues Fiebermessen geht auch günstig

Mit Stabthermometern lässt sich laut Stiftung Warentest Fieber am besten rektal oder oral im Mund messen. | Bild: Rido / AdobeStock

„Fiebermessen muss nicht teuer sein“, sagt Stiftung Warentest. Denn das beste Fieberthermometer nützt wohl nichts, wenn es nicht korrekt angewendet wird. Bei welchem Fieberthermometer aber klappt die Messung am besten, schnellsten und zuverlässigsten? 20 Temperaturmessgeräte standen auf der Prüfliste von Stiftung Warentest – acht digitale Stabthermometer, sechs Ohr- oder kombinierte Ohr-Stirn-Thermometer und sechs kontaktlose, die mittels Infrarot die Körpertemperatur messen.

Auch bei Kindern anwendbar

Wichtig war Stiftung Warentest, dass alle Thermometer – neben einer guten Messgenauigkeit und Handhabung – auch beim Fiebermessen zuhause gut funktionieren, und zwar sowohl bei einer Eigenmessung von Erwachsenen als auch wenn diese bei ihren Kindern Fieber messen. Dafür ließ Stiftung Warentest Vergleichsmessungen durchführen: Einmal maßen zehn Erwachsene ihre Temperatur selbst, dann die von zehn Kindern. Zusätzlich wurden die Körpertemperaturen jeweils von Fachkräften bestimmt.

Digitale Stabthermometer: Meist gut anwendbar bei Kindern

Am besten klappte bei Kindern die Temperaturmessung in der Praxis mit dem digitalen Stabthermometer von Boso – allerdings fand Stiftung Warentest in der Messspitze Nickel, genauso bei den digitalen Thermometern von Geratherm und Aponorm. Somit gibt es für diese drei Fieberthermometer auch im Gesamturteil nur ein „befriedigend“. Nickel stellt nach Ansicht von Stiftung Warentest zwar keine „akute Gesundheitsgefahr“ dar, doch könne es Allergien auslösen. Stiftung Warentest holte hier zusätzlich die Einschätzung von Allergie-Experten ein, diese geben etwas Entwarnung: Der Kontakt der Geräte mit der Haut sei zu kurz, um eine Allergie auszulösen, selbst für Nickelallergiker.

Besser Hartmann als dm?

Bei den Punkten Messgenauigkeit und Handhabung konnte Stiftung Warentest durchweg „sehr gut“ und „gut“ verteilen. Am besten – im Gesamturteil – schnitten die Stab-Fieberthermometer von Hartmann und Uebe mit „gut“ ab. Auf dem hinteren Platz liegt das dm-Produkt Mivolis.

Die Stabthermometer – gut und günstig?

Mit den Stabthermometern wurde im Mund gemessen, obgleich Goldstandard die rektale Messung ist. Doch auch die orale Messung liefere zuverlässige Werte, wenn das Fieberthermometer richtig positioniert sei – hinten unter der Zunge – und zuvor nichts Heißes oder Kaltes gegessen wurde, erklärt Stiftung Warentest. Vorteile von digitalen Stabthermometern: Sie sind leicht zu reinigen und günstig – ein gutes Fieberthermometer gibt es bereits für 6 Euro.

Ohr- und Stirnthermometer: schnelle Messung, aber teuer

Anders bei Ohr- oder Infrarotthermometern: Wer hier ein gutes Messgerät möchte, muss den Ergebnissen von Stiftung Warentest zufolge mindestens 26 Euro für ein Ohrmessgerät und 35 Euro für ein Infrarotgerät hinlegen. Lohnt sich diese Mehrinvestition? Die Messungen erfolgen schneller: Liefert ein digitales Stabthermometer etwa nach 15 Sekunden ein Ergebnis, zeigen die Ohr-, Ohr-/Stirn- oder Infrarotthermometer die Körpertemperatur bereits nach zwei bis vier Sekunden an. Ein Infrarotthermometer funktioniert zudem nicht invasiv, da mit ihm berührungslos an der Stirn gemessen wird. Klingen diese Messmethoden erstmal „einfach“, sind jedoch auch sie nicht frei von möglichen Anwendungsfehlern.

Ohrthermometer: Auf die Position kommt es an

So misst das Ohrthermometer die vom Trommelfell abgestrahlte Wärme – dafür muss der Sensor im Thermometer jedoch auch diese Strahlen „sehen“. Hier hilft ein leichtes Ziehen am Ohr nach hinten oben. Am besten im Test schneidet Thermoscan 6 von Braun ab – „gut“ in der Messgenauigkeit, der Handhabung und der Temperaturmessung in der Praxis, bekommt es auch abschließend ein gutes Gesamtergebnis. Das Uebe Ohrthermometer liefert hingegen widersprüchliche Ergebnisse unter Labor- und Praxisbedingungen. Der Grund dafür erschließt sich auch Stiftung Warentest nicht.

Stirnmessung: An Akklimatisierung denken

Auch Kombigeräte, die sowohl im Ohr wie auch an der Stirn messen, befindet Stiftung Warentest für „gut“ – zumindest die von Medisana und Reer. Hingegen konnte Scala SC von den Warentestern nicht bewertet werden, da sich die Messgenauigkeit nicht bestimmen ließ. Bei der Stirnmessung sollte allerdings darauf geachtet werden, dass die Temperatur dort auch aussagekräftig ist. Kommt man direkt vom Sport, ist die Stirn überhitzt, kommt man aus der Kälte, ist die Stirn kühler als die eigentliche Körpertemperatur. Stiftung Warentest rät in diesen Fällen, sich 30 Minuten bei Raumtemperatur zu akklimatisieren.

Kontaktloses Messen mit Infrarot ist weniger genau

Und wie sieht es mit den kontaktlosen Infrarotmodellen aus? Diese schneiden im Durchschnitt schlechter ab als die digitalen Stabthermometer und Ohr-/Stirnthermometer. Stiftung Warentest schreibt: „In der praktischen Anwendung kommen die sechs Kontaktlosen bis auf Easypix-Thermogun über ein Befriedigend nicht hinaus.“ Easypix erhält ein „gut“, die Temperaturmessung in der Praxis scheint bei Erwachsenen und Kindern „gut“ zu klappen, ebenso scheint die Messgenauigkeit zuverlässig zu stimmen, sodass es auch in diesem Punkt ein „gut“ gibt. Hingegen sind die Geräte von Omron mit „befriedigend“ und von Beurer und Braun mit „ausreichend“ bewertet. Im Praxistest schnitten sie beim Messen an Kindern und Erwachsenen wie auch durch Fachkräfte nur mit Note vier ab. Aufpassen muss man beim Messen hier vor allem, dass die Stirn trocken ist und nicht schmutzig oder verschwitzt. Das stört die Infrarotstrahlen und verfälscht dadurch das Messergebnis.

Die vollständigen Testergebnisse gibt es bei Stiftung Warentest.