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ChatGPT – was kann die KI für Apotheken leisten?

ChatGPT – ein KI-Tool kann Fragen zu allen Themen in menschenähnlicher Form beantworten. | Bild: Kaspars Grinvalds / AdobeStock

„Chatbot Generative Pre-trained Transformer“, abgekürzt ChatGPT, ist ein Online-Tool, mit dem Nutzer via Texteingabe mit dem Computer kommunizieren können – eine künstliche Intelligenz (KI). ChatGPT kann auf eine Vielzahl von Fragen antworten und sogar menschenähnliche Gespräche führen. Es kann zum Beispiel komplizierte Sachverhalte einfach erklären, Gedichte, Nachrichten oder kurze Texte schreiben. Dafür wurde ChatGPT mit Millionen von Texten aus dem Internet, aus sozialen Medien, Online-Foren, Zeitungsartikeln und Büchern trainiert. Mithilfe eines Filters soll die Ausgabe von falschen oder schädlichen Inhalten vermieden werden.

Was ist künstliche Intelligenz?

KI steht für künstliche Intelligenz und beschreibt die Entwicklung von Computerprogrammen und Systemen, die in der Lage sind, menschenähnliche kognitive Fähigkeiten zu erlangen und auszuführen. Ziel der KI ist es, Maschinen die Fähigkeit zu geben, menschenähnliche Problemlösungs- und Entscheidungsfähigkeiten zu entwickeln, indem sie Informationen sammeln, analysieren und darauf reagieren. 

KI-Systeme verwenden Algorithmen und maschinelles Lernen, um Muster in großen Datensätzen zu erkennen und zu interpretieren. Sie können auch auf Erfahrungswissen zugreifen, das durch menschliche Experten erworben wurde, um bessere Entscheidungen zu treffen und komplexe Aufgaben auszuführen. Es gibt viele verschiedene Arten von KI-Systemen, einschließlich Expertensystemen, neuronalen Netzwerken, genetischen Algorithmen und selbstlernenden Systemen. 

Einige Anwendungen von KI-Systemen umfassen die Bilderkennung, Spracherkennung, natürliche Sprachverarbeitung, Robotik, Automatisierung und Entscheidungsunterstützung. Insgesamt hat die Entwicklung von KI-Systemen das Potenzial, das Leben und die Arbeitsweise der Menschen zu verändern, indem sie neue Möglichkeiten zur Automatisierung und Verbesserung von Aufgaben und Prozessen bietet.

Kann ChatGPT eine persönliche Beratung in der Apotheke ersetzen?

ChatGPT ist also schlau und jederzeit verfügbar. Der Chatbot kann rund um die Uhr für allgemeine Fragen und Anliegen benutzt werden. Da liegt es nahe, dass ChatGPT auch bei der pharmazeutischen Beratung, beispielsweise auf Apotheken-Webseiten außerhalb der Öffnungszeiten, helfen kann. 

Zudem bietet es Anonymität für Patientinnen und Patienten, die sich dabei unwohl fühlen, sensible Gesundheitsinformationen gegenüber dem Apothekenpersonal zu teilen. Außerdem ist ChatGPT in der Lage, auf eine sehr breite Wissensbasis zurückzugreifen. 

Aber ChatGPT kann nicht auf individuelle Bedürfnisse und Gesundheitsprobleme von Patienten eingehen. Es ist ein Computerprogramm und so besteht die Möglichkeit, dass es Fehler machen kann. Dies könnte in einigen Fällen zu falschen Therapieempfehlungen führen.

Nicht zuletzt deshalb ist die persönliche Beratung in der Apotheke unverzichtbar für eine angemessene Versorgung der Patientinnen und Patienten. So wird eine persönliche Interaktion, Abwägung und eine individuelle Beratung ermöglicht, die ChatGPT nicht bieten kann. 

Die Verantwortung des Apothekenpersonals bei der Beratung und Abgabe von Medikamenten ist nicht zu unterschätzen und ist ein wichtiger Aspekt bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten. 

Wie kann ChatGPT Apotheken unterstützen?

Aber im Zusammenhang mit einer Verbesserung der Therapietreue könnte die KI unterstützen, indem sie die Medikation von Patienten mit schlechter Adhärenz mit anderen Medikationsplänen vergleicht und daraus erkennt, welche Medikation und welche Patienten zu einer Non-Compliance neigen. So könnten schlecht performende Therapien herausgefiltert und geändert werden – zugunsten der Patienten. 

Um solche Projekte in Zukunft möglich zu machen, müssen jedoch noch datenschutzrechtliche Voraussetzungen geschaffen werden, um die Privatsphäre der Patienten beim Einsatz von KI zu wahren. Immerhin arbeiten KI-Systeme mit einer Unmenge von unterschiedlichen Daten. Die Daten der Nutzer könnten beispielsweise nur in anonymisierter Form auf den Cloud-Servern hochgeladen werden und die Arbeitsprozesse der KI müssen so transparent wie möglich sein. 

Auch im HV sind KI-basierte Systeme denkbar: Nach Analyse von Kundendaten, Vorerkrankungen und eingenommenen Arzneimitteln könnte die KI helfen, die Arzneitherapie noch individueller zu gestalten und zu optimieren. 

ChatGPT könnte Apotheken und Kunden auch bei der Bestellung von Medikamenten über die Apothekenwebsite unterstützen, indem die KI Fragen zur Verfügbarkeit von Medikamenten beantwortet, Empfehlungen gibt oder auf alternative Medikamente hinweist. So könnte der Bestellvorgang vereinfacht und beschleunigt werden. 

ChatGPT kann Kunden außerdem dabei unterstützen, Termine in der Apotheke zu vereinbaren, beispielsweise zum Anmessen von Kompressionsstrümpfen. Hierzu könnte der Chatbot Fragen zu verfügbaren Terminen und Dauer beantworten und Kunden entsprechend einplanen.

Was kann KI schon in der Apotheke? 

Schon heute sind Ansätze von künstlicher Intelligenz in Warenwirtschaftssystemen der Apotheken zu finden. Diese kommt beispielsweise beim Management von Verfalldaten, Rabattverträgen und anderen gesetzlichen Vorgaben zum Tragen. 

Hier arbeiten meist bestimmte Algorithmen im Hintergrund der Apothekensoftware, die auf künstlicher Intelligenz beruhen. Die Software kann dann mithilfe der Daten der KI berechnen, welche Produkte in welcher Menge bei welchem Großhändler am besten zu bestellen oder an Lager zu nehmen sind. Mit KI lassen sich so die Lagerbreite und der Lagerwert reduzieren, ohne dass die Lieferfähigkeit leidet. Mit jedem Abverkauf lernt das System hinzu.

Ethikrat: KI darf den Menschen nicht ersetzen 

Der Deutsche Ethikrat fordert in einer aktuellen Stellungnahme klare Regeln für den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Softwaresysteme verfügten nicht über Vernunft, handelten nicht selbst und könnten daher keine Verantwortung übernehmen, heißt es darin. 

Eine Arbeitsgruppe des Ethikrats hatte die Stellungnahme in den vergangenen beiden Jahren ausgearbeitet. Beispielhaft wird in dem fast 300 Seiten langen Text auf vier Anwendungsbereiche eingegangen: Medizin, schulische Bildung, öffentliche Kommunikation und Meinungsbildung sowie öffentliche Verwaltung. 

Die Beurteilung von KI müsse „immer kontext-, anwendungs- und personenspezifisch erfolgen“, erklärte das Gremium. Das Delegieren von Tätigkeiten an Maschinen könne „für verschiedene Personengruppen, Akteure und Betroffene ganz unterschiedliche Auswirkungen haben“, erläuterte die Sprecherin der Arbeitsgruppe, Judith Simon. 

Für den Medizinbereich richten sich Empfehlungen des Ethikrates unter anderem auf die Qualitätssicherung bei der Entwicklung und Nutzung von KI-Produkten. Zudem müssten ärztliche Kompetenzverluste vermieden und die Privatsphäre von Patientinnen und Patienten mit intensiver Datennutzung in der medizinischen Forschung in Einklang gebracht werden.