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Detailliert und umfangreich: Neue Leitlinie zu Schilddrüsenkrebs erschienen

Die letzten Empfehlungen im Bereich Schilddrüsenkarzinom waren bereits mehr als zehn Jahre alt. 2012 erschien die bis vor Kurzem jüngste Leitlinie „Operative Therapie maligner Schilddrüsenerkrankungen“. Und diese deckte auch nur einen Teil dessen ab, was nun die gerade erschienene neue „S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom“ abbildet.
„Mit der neuen S3-Leitlinie zum Schilddrüsenkarzinom geben wir konkrete Empfehlungen von der Diagnostik über die Behandlung bis hin zur Nachsorge. Die Empfehlungen sollen helfen, Behandlungsfehler zu vermeiden und Standards zu vereinheitlichen“, erklärt Professor Andreas Bockisch, Physiker, Nuklearmediziner und bis zu seiner Emeritierung Ende Juli 2025 Leiter der Klinik für Nuklearmedizin in der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen am Universitätsklinikum Essen. Als Koordinator der Leitliniengruppe hatte der die Federführung inne.
Nun könnten sich auch Betroffene umfassend über ihre Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten informieren, ergänzt er.
Tatsächlich ist die Leitlinie deutlich umfangreicher und detaillierter als das Werk aus dem Jahr 2012.
Wissenswertes über Schilddrüsenkarzinome
Schilddrüsenkarzinome gehören zu den seltenen Tumorarten. In Deutschland erkrankten laut Daten des Robert Koch-Instituts im Jahr 2022 etwa 6.000 Menschen daran; Frauen häufiger als Männer.
Unterschieden werden unter anderem das papilläre, das follikuläre, das medulläre und das anaplastische Schilddrüsenkarzinom. Häufigste Art ist dabei mit rund 65 Prozent das papilläre Schilddrüsenkarzinom.
Werden die Karzinome in einem frühen Stadium erkannt – was beim überwiegenden Teil der Fälle zutrifft – ist die Prognose günstig. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei Frauen bei 94 Prozent, bei Männern bei 88 Prozent.
Später erkannte Tumore sowie die nicht-papillären habe schlechtere Prognosen.
Schilddrüsenkarzinom: Operative Entfernung als wichtigste Methode
Laut der Fachgesellschaften bleibe die wichtigste Therapieoption die Operation, um den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. In den meisten Fällen bedeutet das die komplette Entfernung der Schilddrüse, einige Empfehlungen gehen aber auch dahin, das nicht zu tun.
Ausdrücklich empfehlen die Fachleute, spezialisierte Zentren für die Behandlung aufzusuchen – insbesondere wenn Kinder oder Jugendliche betroffen sind: „Gerade bei einer seltenen Tumorart wie dem Schilddrüsenkarzinom ist es sinnvoll, sich für die Behandlung in einem zertifizierten Zentrum zu entscheiden. Hier liegt umfassende Erfahrung vor und bezogen auf die Chirurgie bedeutet das, dass die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Tumorresektion höher und die Komplikationsrate niedriger ist“, sagt Bockisch.
Die Radiojodtherapie, bei der die Tumorzellen mit radioaktivem Jod, das sie anreichern, zerstört werden, ist eine weitere Behandlungsmethode, die aber nicht für alle Typen des Schilddrüsenkarzinoms infrage kommt. Beim medullären Schilddrüsenkarzinom, das nur etwa fünf Prozent aller Fälle ausmacht, funktioniert das beispielsweise nicht – die hierbei betroffenen Zellen speichern kein Jod. Eine Therapie mittels Operation hat aber gute Aussichten auf Heilung.
Diagnostik und Typen des Schilddrüsenkarzinoms
Die Leitlinie geht neben den verschiedenen Therapieoptionen für die unterschiedlichen Karzinomtypen auch auf die differierenden Diagnostik-Möglichkeiten ein: Angefangen mit einer klinischen Untersuchung des Halses und der Schilddrüse, etwa durch Abtasten, über die Ultraschalluntersuchung bis hin etwa zur Schilddrüsenszintigraphie mit Iod-123 oder mit Technetium-99m-Pertechnetat.
Differenziert gehen die Empfehlungen auf die verschiedenen möglichen Karzinomtypen ein, auch etwa auf das sehr seltene hochaggressive anaplastische Schilddrüsenkarzinom, bei dem ein rasches Handeln notwendig ist. Ebenso sehr selten sind etwa primäre Schilddrüsenlymphome sowie Metastasen anderer Tumore in der Schilddrüse.
Bei Schilddrüsenkarzinom: Nachsorge über min. zehn Jahre empfohlen
Ein eigenes Kapitel widmet sich der Nachsorge, die der Leitlinie zufolge mindestens über einen Zeitraum von zehn Jahren erfolgen soll. Fernmetastasen und Lokalrezidive könnten laut den Experten auch noch nach vielen Jahren auftreten.
Als risikofreie Methode empfehlen die Fachleute dabei insbesondere die Halssonographie. In den ersten fünf Jahren lautet die Empfehlung, mindestens halbjährlich Folgeuntersuchungen durchzuführen, danach noch jährlich.
Empfehlungen gibt es auch für das Vorgehen bei Rezidiven, Metastasen oder für den Fall, dass Tumoren nicht auf die Behandlung reagieren. Unter anderem gibt es Empfehlungen etwa bei vorliegenden bedrohlichen Fernmetastasen auch systemisch zu behandeln, etwa mit den Kinase-Inhibitoren Sorafenib, Lenvatinib oder Cabozantinib.
Wenn nur noch eine palliative Versorgung möglich ist, sollten laut der Empfehlungen kritische Metastasen etwa in Skelett, Nerven, Gefäßen oder dem Gehirn vorrangig behandelt werden.
Auch die Themen Rehabilitation und psychosoziale Aspekte werden behandelt.
Insgesamt liegt nun eine umfassende Sammlung von Empfehlungen zu Diagnostik, Therapie, Nachsorge und weiteren Bereichen im Zusammenhang mit Schilddrüsenkarzinomen vor. Die Experten schätzen die Gültigkeitsdauer auf etwa fünf Jahre – „vorgesehen sind regelmäßige Aktualisierungen, bei dringendem Änderungsbedarf werden diese gesondert publiziert“, heißt es in dem Werk. Quellen:
https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/schilddruesenkarzinom (abgerufen am 18.09.2025)
https://doi.org/10.1007/s00106-025-01654-9 https://www.krebsgesellschaft.de/pressemitteilungen/erste-s3-leitlinie-zum-schilddruesenkarzinom-veroeffentlicht