In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.
Typ-2-Diabetes bleibt oft unentdeckt

Ein wissenschaftliches Team um Lauryn Stafford vom Institute for Health Metrics and Evaluation der University of Seattle im US-Bundesstaat Washington hat Querschnittsstudien ausgewertet, um herauszufinden, wie viele Erkrankungen an Typ-2-Diabetes erkannt werden und ob die Patienten eine angemessene Behandlung erhalten.
Die Forscher entdeckten einerseits, dass extrem viele Erkrankungen am sogenannten Alterszucker gar nicht diagnostiziert werden, und zweitens, dass der Großteil der behandelten Patienten nicht die unter den gegebenen Umständen optimalen Blutzuckerwerte erreicht.
Die Ergebnisse der Diabetes-Studie im Einzelnen
Die konkreten Zahlen zeigen eine dramatische Unterversorgung von Typ-2-Diabetes auf der ganzen Welt und überraschende lokale Unterschiede:
- Typ-2-Diabetes wurde im Jahr 2023 weltweit nur bei 55,8 Prozent der (laut gängigen Schätzungen) tatsächlich Erkrankten erkannt.
- Nur 41,6 Prozent der Patienten, bei denen die Erkrankung diagnostiziert wurde, erreichten optimale Blutzuckerwerte.
- Aus den oberen beiden Punkten folgt, dass nur 21,2 Prozent der Typ-2-Diabetes-Patienten eine optimale Behandlung erhielten.
- Die meisten Diabetiker bezogen auf die Bevölkerungszahl gibt es in Nordamerika.
- Die höchste Behandlungsrate wird im asiatisch-pazifischen Raum erreicht.
- Die meisten Diabetiker mit optimalen Blutzuckerwerten leben in Südamerika.
- Besonders häufig wird die Erkrankung bei jüngeren Menschen übersehen. Studienautorin Stafford schätzt die Diagnoserate bei unter 35-Jährigen auf rund 20 Prozent.
Die Wissenschaftler folgern aus ihrer Analyse, dass die Diagnose von Typ-2-Diabetes und die zur effektiven Behandlung wichtigen Blutzuckerkontrollen weiterhin suboptimal sind.
Weltweit müssten verstärkt Strategien entwickelt und Mittel bereitgestellt werden, um Typ-2-Diabetes erkennen und angemessen behandeln zu können. Die Gesundheitssysteme in dieser Hinsicht zu stärken, könnte dabei helfen, die Last durch die weltweit zunehmende Krankheit zu reduzieren.
Anstieg von Typ-2-Diabetes in Deutschland
Das Robert Koch-Institut prognostiziert in Zusammenarbeit mit der Universität Witten/Herdecke einen deutlichen Anstieg von Erkrankungen an Typ-2-Diabetes in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten.
Dafür entwickelten die Forscher der beiden Institute ein Risikomodell, das auf Daten aus der Befragungsstudie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ von 2022 und auf Routinedaten von Krankenkassen basiert.
Ergebnis: Aus 6,05 Millionen Betroffenen im Jahr 2022 werden bis 2050 voraussichtlich fast doppelt so viele, nämlich 11,01 Patienten.
Als Folge aus ihrer Prognose betonen die Forscher, wie wichtig eine Verringerung der Inzidenz ist: Eine jährliche Abnahme der Inzidenz um nur zwei Prozent würde bis 2050 zu deutlich niedrigeren Fallzahlen von geschätzt 8,39 Millionen führen.
Um dieses Ziel zu erreichen, seien primärpräventive Ansätze zur Verringerung von Risikofaktoren des Typ-2-Diabetes entscheidend. Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/news/typ-2-diabetes-jede-zweite-erkrankung-weltweit-bleibt-unentdeckt-e35debf3-f4a0-4b07-a834-e6f843ac0e78
https://www.thelancet.com/journals/landia/article/PIIS2213-8587(25)00217-7/abstract
https://www.aerzteblatt.de/news/robert-koch-institut-prognostiziert-anstieg-von-diabeteserkrankungen-b439452a-96c1-45ce-a67f-c9f37a27ccc3
https://edoc.rki.de/handle/176904/12974