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Demenz durch Alkohol: Risiko steigt schon bei geringem Konsum

Ein internationales Forscherteam um Anya Topiwala von der University of Oxford hat zwei große Studien aus den USA und Großbritannien analysiert, um den Einfluss von Alkoholkonsum auf das Demenzrisiko zu ermitteln.
Als Datengrundlage waren knapp 560.000 Teilnehmer zwischen 56 und 72 Jahren über ihren Alkoholkonsum befragt worden, von denen in einer mittleren Nachbeobachtungszeit von vier Jahren in der US-Studie und zwölf Jahren in der britischen Studie 14.540 an Demenz erkrankten.
Demenz: Prävention durch mäßigen Alkoholkonsum?
Bei klassischer Betrachtungsweise ergab die Analyse, dass ein Alkoholkonsum von sieben bis 14 Getränken pro Woche das Demenzrisiko gegenüber weniger oder gar keinem Konsum um sechs Prozent (USA) beziehungsweise neun Prozent (Großbritannien) senkte und dieses erst bei einem höheren Konsum wieder anstieg.
Da die Forscher diesem Ergebnis, das auf eine präventive Wirkung von mäßigem Alkoholkonsum hindeutet, skeptisch gegenüberstanden, führten sie eine Mendelsche Randomisierung durch, die zu einem ganz anderen Ergebnis kam.
Gut zu wissen: Was ist eine Mendelsche Randomisierung?
Die Mendelsche Randomisierung bezeichnet eine Methode, den Einfluss von Risikofaktoren anhand der Variation von Genen bekannter Funktion zu bestimmen.
Sie hilft dabei, Scheinkausalitäten und andere Störfaktoren auszuschließen. In der vorliegenden Studie lässt sich beispielsweise der Alkoholkonsum von anderen Risikofaktoren für Demenz trennen.
Durch die Zuordnung des Trinkverhaltens zu bestimmten Genvarianten der Teilnehmer ließ sich ein Risikoscore ermitteln. Dieser war bei geringem, mäßigem und hohem Alkoholkonsum mit einem erhöhten Demenzrisiko assoziiert und stieg linear mit dem Konsum.
Es ließen sich weder Hinweise auf eine präventive Wirkung von mäßigem Konsum noch auf einen möglichen Schwellenwert für unbedenklichen Konsum finden.
Geteiltes Echo auf die neue Studie
Andere Wissenschaftler äußern Bedenken in Bezug auf die Aussagekraft der Analyse:
- Die Assoziation betreffe den genetisch vorhergesagten und nicht den tatsächlichen Alkoholkonsum.
- Viele der genetischen Vorhersagen würden auf nicht überprüfbaren Annahmen beruhen.
- Auch die genetische Analyse gründe auf eigenen Angaben zum Alkoholkonsum, die nicht immer stimmen müssten.
Tara Spires-Jones vom UK Dementia Research Institute in London verweist jedoch auf die Übereinstimmungen zwischen der neuen Analyse und früheren Studien, die ebenfalls eine deutliche Verbindung zwischen Alkoholkonsum und erhöhtem Demenzrisiko gezeigt hätten. Dass Alkohol für die Neuronen im Gehirn toxisch sei, habe auch die Grundlagenforschung ergeben. Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/news/schon-geringe-mengen-alkohol-scheinen-das-demenzrisiko-zu-erhohen-6015ea30-b9c7-40f9-9133-867d845ddef9
https://ebm.bmj.com/content/early/2025/09/16/bmjebm-2025-113913
Gut zu wissen: Alkoholkonsum in Deutschland
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat ermittelt, dass sich 44,2 Prozent der Männer und 21,4 Prozent der Frauen in Deutschland durch ihren Alkoholkonsum einem moderaten oder hohen Gesundheitsrisiko aussetzen.
Von moderatem Risiko spricht das RKI bei drei bis sechs, von hohem Risiko ab sieben Getränken pro Woche. Überraschend: Je höher die Bildungsgruppe, desto mehr wird der Studie zufolge getrunken.
Gar keinen Alkohol trinken in Deutschland 21,2 Prozent der Menschen – 16,7 Prozent der Männer und 25,3 Prozent der Frauen.
Das RKI hat für seine Analyse die Umfragedaten von fast 23.000 Erwachsenen aus den Jahren 2019/20 neu bewertet, nachdem die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) 2024 neue Risikostufen für Alkoholkonsum definiert hatte.