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Gesunde Ernährung fällt vielen schwer

Junge Frau im Supermarkt mit Einkaufskorb in der Hand betrachtet einen Joghurtbecher
Weil ungesunde Lebensmittel günstiger sind, greifen viele Menschen danach, statt sich gesund zu ernähren. | Bild: Drazen / AdobeStock

Die meisten kennen es: Der Tag ist stressig, berufliche und private Pflichten lassen einem kaum Zeit zum Atmen, und die kleinen oder großen Probleme verfolgen einen bis in den Feierabend, wenn man sich eigentlich etwas Gutes tun sollte.  

Dieses Gute könnte zum Beispiel das entspannte, eventuell gemeinsame Zubereiten einer gesunden Mahlzeit sein. Doch gerade die Ernährung leidet oftmals unter den Anforderungen des Alltags.  

Das beginnt mitunter schon beim Frühstück, das häufig unter Zeitdruck stattfindet, und setzt sich in einer zu kurzen oder ganz entfallenden Mittagspause mit einem hastigen Imbiss fort. Umso schlimmer, wenn dann zu Hause auch noch die Kraft für ein ausgewogenes Abendessen fehlt.  

Bei den Ernährungsgewohnheiten setzt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbands an: Das Marktforschungsunternehmen befragte 2.000 Menschen zu ihrem Essverhalten und darüber, wie zufrieden sie mit diesem sind.  

Ungesunde Ernährung wird günstiger eingeschätzt als gesunde

Als zentrale Erkenntnis ergab die Forsa-Umfrage, dass viele Menschen sich ihrer ungesunden Ernährung bewusst sind, diesen Missstand aber nicht (dauerhaft) beheben können. 

Insgesamt 59 Prozent der Befragten sehen eine Herausforderung darin, gesunde Ernährung dauerhaft in den eigenen Tagesablauf zu integrieren. 47 würden ihre schlechten Essgewohnheiten gern ändern, halten aber aus verschiedenen Gründen trotzdem an ihnen fest. Eindeutig unzufrieden mit ihrer Ernährung sind immer noch 30 Prozent.

Erklärungsansätze, warum eine gesunde Ernährung vielen Menschen schwerfällt, lassen sich ebenfalls aus den Antworten herauslesen. 70 Prozent halten ungesunde Lebensmittel für meist günstiger als gesunde, und 68 Prozent meinen, dass Ungesundes im Supermarkt oft prominenter platziert wird als Gesundes.  

Außerdem gaben 84 Prozent an, dass gesunde Lebensmittel an öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen und Raststätten schwerer zu finden seien als ungesunde. Nur 34 Prozent der Befragten erklärten, dass es an ihrem Arbeitsplatz eine qualitativ hochwertige und gesunde Verpflegung gebe.

Verbindliche Qualitätsstandards für gesunde Ernährung gefordert

„Unser Essverhalten ist viel stärker von unseren Umgebungen beeinflusst, als uns das im Alltag bewusst ist. Hier sollte die Politik unterstützende Rahmenbedingungen schaffen, die gesundes Essen für alle leichter machen“, so Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes.  

Sie fordert unter anderem, endlich verbindliche Qualitätsstandards für die Verpflegung in Kitas und Schulen zu schaffen – eine Ansicht, der 81 Prozent der Umfrageteilnehmer zustimmen. Ihren weiteren Vorschlag, gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse durch Steuersenkungen preislich attraktiver zu machen, unterstützen sogar 90 Prozent.  

Des Weiteren fordern 87 Prozent von der Politik mehr Anreize für die Lebensmittelindustrie, den Zucker in ihren Produkten zu reduzieren, und 81 Prozent finden, die Regierung müsse für verständlichere Lebensmittelkennzeichnungen sorgen.  

Zusätzliches Problem: mangelnde Ernährungskompetenz

Laut einer Pressemitteilung der Barmer Ersatzkasse spielen nicht nur äußere Faktoren eine Rolle beim Thema Ernährungsgewohnheiten, sondern auch mangelndes oder fehlerhaftes Wissen über gesundes Essen.  

In einer repräsentativen Studie befragte die Barmer 1.200 Eltern von Kindern zwischen drei und elf Jahren zu verschiedenen Aspekten der Ernährung. Daraus ergab sich, dass sich nur rund 10 Prozent der Befragten sehr sicher im Umgang mit Fragen rund um eine ausgewogene Ernährung fühlen. Etwa 52 Prozent gaben an, gesunde Vorräte im Haus zu haben.

53 Prozent gelingt es ihrer Meinung nach, aus mehreren Alternativen das Gesündere auszuwählen, und 57,5 Prozent behaupteten, gesund zu kochen. Immerhin 70,5 Prozent sehen sich in der Lage, die Qualität von Lebensmitteln zu beurteilen.  

Über diese und die weiteren abgefragten Aspekte hinweg ergab sich eine Ernährungskompetenz von 62 Prozent. In diesem Ergebnis sieht die Barmer erhebliches Verbesserungspotenzial, zumal die Werte auf Selbsteinschätzungen beruhen. Quellen:
https://www.aok.de/pp/bv/pm/umfrage-gesunde-ernaehrung/
https://www.barmer.de/presse/presseinformationen/pressearchiv/10-jahre-ich-kann-kochen-unzureichende-ernaehrungskompetenz-bei-eltern-1410332
 

Gut zu wissen: Ernährungsinitiativen der Krankenkassen

Da der Wunsch nach besseren Essgewohnheiten bei vielen Menschen mit einem erhofften Gewichtsverlust einhergeht, weist die AOK im Zusammenhang mit ihrer Umfrage auf die eigene Kampagne „Dranbleiben lohnt sich“ hin.  

Sie zielt auf nachhaltiges Abnehmen ab und wird mit der „66-Tage-Challenge“ kombiniert, die die nötigen Routinen für eine langfristige Verhaltensänderung implementieren soll.  

Die Barmer betreibt zusammen mit der Sarah Wiener Stiftung seit zehn Jahren die bundesweite Ernährungsinitiative „Ich kann kochen!“. Mit ihrer Hilfe haben pädagogische Fach- und Lehrkräfte bereits mehr als 1,8 Millionen Kinder in rund 19.000 Schulen und Kitas für das Kochen mit frischen Lebensmitteln begeistert.

Ergänzend fördert die Barmer teilnehmende Einrichtungen mit bis zu 500 Euro für den Einkauf gesunder Lebensmittel.