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Vorzeitiges Ergrauen der Haare: Ursachen & Risikofaktoren

„Trotz seiner weiten Verbreitung gibt es nach wie vor eine bemerkenswerte Lücke in der Erforschung des vorzeitigen Ergrauens, einschließlich der zugrundeliegenden Pathomechanismen, der damit verbundenen medizinischen Komorbiditäten und der verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten“, bemängeln Wissenschaftler vom dermatologischen Institut der New York University Grossman School of Medicine.
In einem Artikel für das „International Journal of Dermatology“ fassen sie deshalb den bisherigen Stand der Forschung und eigene Erkenntnisse zusammen.
Für Betroffene dürften vor allem die steuerbaren Risikofaktoren und mögliche Behandlungsmethoden interessant sein, schließlich sind graue Haare ein Zeichen des Alterns und können das Selbstwertgefühl beeinträchtigen.
Wann spricht man von vorzeitigem Ergrauen?
Laut dem Autorenteam sind afrikanische und asiatische Bevölkerungsgruppen deutlich seltener von frühem Ergrauen betroffen als Personen mit blondem Haar, vor allem solche polnischer, russischer, schottischer oder dänischer Abstammung.
Deshalb gelte bei Weißen das Ergrauen vor dem 20. Lebensjahr als frühzeitig, bei Asiaten vor dem 25. und bei Menschen mit schwarzer Hautfarbe vor dem 30. Lebensjahr.
Dabei bekämen Männer graues Haar typischerweise zuerst an Schläfen und Koteletten, Frauen vor allem im Stirnbereich. In Richtung Hinterkopf bliebe das Haar bei beiden Geschlechtern meist länger pigmentiert.
Warum werden Haare (vorzeitig) grau?
Zum Ergrauen der Haare führen Veränderungen in der Produktion der Melanine, die in den Haaren als Eumelanin für dunkle und Phäomelanin für blonde und rote Farbtöne vorliegen. Den größten Einfluss auf das vorzeitige Ergrauen haben die Gene (laut Studien ca. 90 Prozent), wobei der väterliche Einfluss größer ist als der mütterliche.
Untersuchungen ergrauter Haarwurzeln haben gezeigt, dass diese Zellen stark von Hohlräumen durchzogen sind. Dies ist eine typische zelluläre Reaktion auf erhöhten oxidativen Stress, ausgelöst durch reaktive Sauerstoffspezies, also Sauerstoff enthaltende Moleküle mit großer chemischer Reaktionsbereitschaft.
Oxidativer Stress kann durch äußere Faktoren ausgelöst oder verstärkt werden, weshalb der Lebensstil unter Umständen eine Rolle beim Ergrauen der Haare spielt. Als zentrale Faktoren nennen die Studienautoren UV-Strahlung, emotionaler Stress und Rauchen.
Letzteres erhöhe nicht nur die Produktion von reaktiven Sauerstoffspezies, sondern schädige auch die pigmentbildenden Zellen der Haut, was am Kopf zum Verlust der Haarfarbe führe.
Außerdem könne laut dem Forscherteam ein Mangel an Vitamin B12, Eisen, Vitamin D3 oder Kupfer die Melaninproduktion beeinträchtigen und damit vorzeitiges Ergrauen begünstigen.
Gibt es Therapien gegen vorzeitiges Ergrauen?
Bisher gibt es keine Therapien, um frühzeitiges Ergrauen zu verhindern oder rückgängig zu machen. Die US-Forscher weisen aber auf Fälle hin, in denen durch Einnahme von Medikamenten zur Behandlung bestimmter Erkrankungen eine partielle Rückkehr der Haarfarbe beobachtet wurde.
So seien Fälle von Repigmentierung grauer Haare unter der Therapie mit monoklonalen Antikörpern, Tyrosinkinase-Inhibitoren, immunmodulatorischen Medikamenten und Cyclosporin A gemeldet worden.
Bis die Forschung daraus möglicherweise künftige Therapiemöglichkeiten ableite, seien kosmetische Lösungen wie Abdecktechniken, Haarfärbemittel und Haarteile die Möglichkeiten der Wahl, um psychosoziale Folgen des frühzeitigen Ergrauens abzumildern.
Schon die Verbesserung der Haardichte beziehungsweise des Haarwachstums durch Mittel wie Minoxidil sei eine Möglichkeit, das Selbstwertgefühl zu verbessern, denn dichtes Haar stehe ebenso für Jugendlichkeit wie der Erhalt der Haarfarbe.
Die Studienautoren weisen abschließend darauf hin, dass eine intensivere Forschung auf diesem Gebiet dabei helfen könne, vorzeitiges Ergrauen künftig in bestimmten Fällen zu verhindern oder zu therapieren und damit die Lebensqualität von Betroffenen zu erhöhen. Quellen:
https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Vorzeitiges-Ergrauen-der-Haare-Kann-es-verhindert-werden-455789.html
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ijd.17580
https://flexikon.doccheck.com/de/