Aktuelles

In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.

4 min merken gemerkt Artikel drucken

Genetischer Nachweis: Europäer brachten Pocken nach Amerika

Mann mit Narbe von Pockenimpfung am Oberarm
Das Pocken gelten inzwischen als ausgerottet. | Bild: cristianstorto / AdobeStock

Ein internationales Forscherteam um Bruno Romero González von der School of Medicine am Trinity College Dublin in Ireland hat Pockenerbgut aus chilenischen Mumien untersucht und dabei eine Verwandtschaft zu damals in Europa kursierenden Virenstämmen festgestellt.  

Dieses Ergebnis stützt bisherige Annahmen zur Ausbreitung der Infektionskrankheit, für die jedoch bislang ein eindeutiger Beweis gefehlt hat.

Mumien aus Chile enthalten europäische Pockenviren

Das Forschungsteam aus Irland, Chile und Japan hatte zwei mumifizierte Leichen untersucht, die etwa zwischen 1492 und 1631 im Norden Chiles bestattet worden waren.  

Bei den Toten handelte es sich wahrscheinlich um Inkas – und laut Forscherteam um die Träger der ersten Pockengenome aus der amerikanischen Kolonialzeit, die überhaupt jemals gewonnen wurden.  

Zuvor waren die Hautläsionen der beiden mumifizierten Leichen auf einen Kontakt mit Arsen zurückgeführt worden, doch schließlich fanden die Forschenden ihren Verdacht bestätigt, dass es sich auch um die Pocken gehandelt haben könnte.  

Das Pockenvirus trat laut Studie in Wellen auf und hat in Amerika schätzungsweise mindestens drei bis vier Millionen Todesfälle verursacht. Besonders schlimm sei die Wirkung unter indigenen Bevölkerungsgruppen ohne vorherigen Kontakt zu den Viren gewesen.

Damit hätten die Pocken eine wesentliche Rolle beim katastrophalen Bevölkerungsrückgang gespielt, den die indigenen Völker in Nord-, Mittel- und Südamerika nach der Ankunft der Europäer erlebten.

Bedeutung der neuen Pockenforschung

Bislang gab es den Forschenden zufolge keine direkten genetischen Belege, die die Ausbrüche in Amerika während der Kolonialzeit mit den in der Alten Welt zirkulierenden Stämmen in Verbindung brachten.  

Die neue Untersuchung zeige auf, dass die Viren zu einer inzwischen ausgestorbenen Linie des Pockenvirus gehörten, die sich um das Jahr 1296 von einem der frühmittelalterlichen europäischen Stämme abgespaltet habe.  

Somit sei die Verwandtschaft der Pocken in den Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent und in Europa eindeutig erbracht.  

„Diese Entdeckung liefert den ersten molekularen Nachweis dafür, dass die Pocken während der Kolonialzeit (...) eingeschleppt wurden“, fasst Shigeki Nakagome vom Trinity College Dublin die Forschungsergebnisse zusammen. Quellen:
- dpa
- https://www.aerzteblatt.de/news/genetischer-nachweis-europaer-brachten-pocken-nach-amerika-2fad7c0a-897f-4721-90da-4d64fbf07a62?utm_medium=email&utm_source=CR&utm_campaign=NL-DAE_Montags-Bulletin&utm_content=Mailing_20260803
- https://www.science.org/doi/10.1126/science.aee6957
- https://de.wikipedia.org/wiki/Pocken
 

Pocken auf einen Blick

Die Pocken, auch Blattern oder Variola genannt, sind eine Infektionskrankheit, die beim Menschen vom Orthopoxvirus variola aus der Gattung Orthopoxvirus verursacht wird.

Durch ihre hohe Infektiosität und Letalität gehören die Pocken zu den gefährlichsten Erkrankungen des Menschen.

Durch ein konsequentes Impf- und Bekämpfungsprogramm konnte die Weltgesundheitsorganisation das Pockenvirus 1979 für ausgerottet erklären; in Deutschland trat der letzte Fall 1972 auf.

Die für die Erkrankung typischen eitrigen Hautbläschen entstehen in der zweiten Phase des Krankheitsverlaufs, der nach etwa zwei Wochen Inkubationszeit mit schwerem Krankheitsgefühl, hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen sowie Rachenkatarrh beginnt.

Bei leichteren Verläufen trocknen die Pusteln nach etwa zwei Wochen ein und hinterlassen deutlich erkennbare Narben. In schwereren Fällen drohen Erblindung, Gehörlosigkeit, Lähmungen, Hirnschäden sowie Lungenentzündungen. Oft verläuft die Krankheit tödlich.  

Ebenfalls zur Gattung Orthopoxvirus gehören verschiedene Viren, die Tierpocken – zum Beispiel bei Kühen, Katzen, Kamelen, Mäusen oder Affen (Mpox) – auslösen. Sie rufen beim Menschen jedoch meist nur leichte Erkrankungen hervor.