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Früher Social-Media-Konsum beeinflusst Schulnoten

Gruppe von Kindern steht zusammen und alle halten ein Handy in der Hand
Soziale Medien werden bereits von vielen Kindern genutzt. | Bild: kerkezz / AdobeStock

Eine Altersgrenze für die Nutzung von Social Media wird zurzeit heiß diskutiert. Befürworter sehen in den Regulierungsmaßnahmen einen Weg, die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu schützen, eine Mediensucht zu verhindern und die schulische Leistungsfähigkeit zu erhalten.  

Eine italienische Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Social-Media-Konsum und schulischen Leistungen:

Eine Forschergruppe um Marco Gui und Giovanni Abbiati von den Universitäten in Mailand beziehungsweise Brescia untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Alter von 5.227 Schülern aus der norditalienischen Region Lombardei bei Einrichtung des ersten Social-Media-Accounts und ihrem späteren Abschneiden in verschiedenen standardisierten Mathematik-, Italienisch- und Englisch-Tests.

Neue Studie untersucht Einfluss von Social Media auf Schulleistungen

Ziel war es herauszufinden, ob ein früher eigenständiger Social-Media-Zugang, also vor der neunten Klasse und dem in Italien gesetzlich festgelegten Alter von 14 Jahren, mit schlechteren Leistungen einhergeht. Dabei differenzierten die Studienautoren zusätzlich zwischen Anlage eines ersten eigenen Accounts in der achten, siebten und sechsten Klasse.  

Um zu verhindern, dass andere Faktoren wie der sozioökonomische Status das Ergebnis verzerren, wendeten die Forschenden das sogenannte Matching, also den paarweisen Vergleich ähnlicher Probanden, an.  

Sie schreiben, dass zwar einige wenige Studien die Auswirkungen einer frühen Smartphone-Nutzung auf das Lernen untersucht hätten, dass es jedoch ihres Wissens nach keine Forschung gebe, die sich speziell mit den Auswirkungen des Alters bei der ersten Nutzung sozialer Medien auf die Lernergebnisse von Schülern befasse.

Früher Social-Media-Konsum teilweise mit schlechteren Noten assoziiert 

Die neue Studie zeigte im Wesentlichen, dass Schüler, die in der sechsten und siebten Klasse einen Social-Media-Account angelegt hatten, etwas schlechtere Leistungen in den Standardtests in Mathematik und Italienisch – nicht jedoch in Englisch – zeigten als jene, die erst in der neunten Klasse oder später einen Account erstellt hatten.

Schüler, die schon in der 6. Klasse ein Social-Media-Konto eingerichtet hatten, schnitten in der 8. Klasse in Italienisch- und Englisch-Tests um durchschnittlich 0,22 beziehungsweise 0,18 Noten schlechter ab als „Spätanwender“, die ihren ersten Account gesetzeskonform ab der neunten Klasse eröffnet hatten.

Bis zur 10. Klasse blieb der Effekt in Italienisch derselbe und verstärkte sich in Mathematik noch auf eine negative Abweichung von 0,27 Noten.  

Bei denjenigen, die in der 7. Klasse ein Konto eröffnet hatten, war der Effekt geringer, aber dennoch signifikant: Sie waren in Italienisch und Mathematik um durchschnittlich 0,14 beziehungsweise 0,1 Noten schlechter als die Vergleichsgruppe, was sich bis zur zehnten Klasse auf 0,17 beziehungsweise 0,22 Noten steigerte.

Bei denjenigen, die in der 8. Klasse ein Social-Media-Profil eröffnet hatten, beobachteten die Forschenden ein schlechteres Abschneiden um 0,11 Noten in Italienisch und eine nicht signifikante negative Abweichung von 0,07 Noten in Mathematik in der 8. Klasse sowie eine knapp signifikante Abweichung von 0,11 in beiden Fächern in der 10. Klasse.

Dass die Leistungen in Englisch keinen signifikanten Unterschied zeigten, könne laut Autoren daran liegen, dass dies die Sprache der meisten Social-Media-Inhalte sei.

Social-Media-Nutzung: Experten sehen Handlungsbedarf

Das Forschungsteam um Marco Gui und Giovanni Abbiati verweist darauf, dass seine Studie Assoziationen herstellen, aber keinen finalen Ursache-Wirkungs-Beweis führen könne.

Dennoch hätten die Ergebnisse wichtige Implikationen für Pädagogen, Eltern und politische Entscheidungsträger: Sie unterstrichen die Notwendigkeit, die digitale Kompetenz an Schulen gezielt zu fördern, und deuteten darauf hin, dass die Mechanismen hinter Social-Media-Plattformen reguliert werden müssten, insbesondere wenn sie von Minderjährigen genutzt würden.  

Prof. Dr. Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg, ordnet die Methodik und Aussagekraft der neuen Studie gegenüber dem Portal Science Media Center Germany positiv ein:

„Die vorliegende Studie gehört methodisch zu den interessantesten, die bislang in diesem Kontext veröffentlicht wurden. Das Design umfasst Testergebnisse über mehrere Jahre hinweg und vergleicht geschickt ... Auch die Robustheit der Ergebnisse wird mit verschiedenen Verfahren überprüft. Unterm Strich also ein gelungenes Forschungsdesign.“ Quellen:
- https://www.sciencemediacenter.de/angebote/fruehe-social-media-nutzung-und-schlechtere-schulleistung-26193
- https://www.nature.com/articles/s41562-026-02522-4