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In-vitro-Fertilisation: Zusatzbehandlungen nutzlos?

Ein junges Paar wird von einer Ärztin beraten
Kliniken sollten sorgfältig abwägen, ob sie bei einer IVF Zusatzbehandlungen anbieten. | Bild: New Africa / AdobeStock

Um den möglichen Nutzen von zehn häufig angewendeten Zusatzbehandlungen zur künstlichen Befruchtung zu untersuchen, analysierte ein Forschungsteam um Dr. Sarah Lensen vom Royal Women’s Hospital der University of Melbourne 85 Studien.

Die darin analysierten Add-ons zur In-vitro-Fertilisation (IVF) umfassten unter anderem Akupunktur, die Gabe von Corticosteroiden und Endometrial Scratching.

Viele Paare wählen solche ergänzenden Verfahren, um die Erfolgsaussichten auf eine Schwangerschaft nach einem IVF-Zyklus zu erhöhen. Die Chancen sind stark altersabhängig und werden insgesamt auf etwa 25 bis 40 Prozent geschätzt.  

IVF: Nutzen der meisten Zusatzbehandlungen nicht belegbar

„Unser Review zeigte, dass für die meisten Zusatzbehandlungen keine belastbare Evidenz für einen Nutzen vorliegt“, fasst Lensen die Ergebnisse zusammen.

Dabei hatten die Forscher bereits im Vorhinein von 157 potenziell geeigneten Studien 72 ausgeschlossen, weil erhebliche Zweifel an ihrer wissenschaftlichen Verlässlichkeit bestanden.

Nach Analyse der verbliebenen 85 Studien sei die Evidenzlage für einen möglichen Nutzen von Akupunktur, Corticosteroiden, Endometrial-Receptivity-Array(ERA)-Test, Präimplantationstests auf Aneuploidien (PGT-A), Intralipidinfusionen und Anwendungen von plättchenreichem Plasma (PRP) immer noch unzureichend.

IVF: Geringe Evidenz für drei Zusatzbehandlungen

Hinweise auf eine potenziell unterstützende Wirkung fanden sich lediglich für die folgenden drei Verfahren:

Endometrial Scratching, also das gezielte Anritzen der Gebärmutterschleimhaut vor dem Embryotransfer, war mit einer um 20 Prozent erhöhten Wahrscheinlichkeit für Schwangerschaft und Lebendgeburt assoziiert.

EmbryoGlue, die Verwendung eines hyaluronsäurehaltigen Embryotransfermediums, war mit höheren Schwangerschaftsraten assoziiert, der tatsächliche Anstieg der Lebendgeburtenrate jedoch statistisch nicht signifikant.

Für die physiologische intrazytoplasmatische Spermieninjektion (PICSI), bei der Spermien anhand ihrer Bindung an Hyaluronsäure ausgewählt werden, zeigte sich eine geringere Fehlgeburtsrate. Ein Anstieg der Lebendgeburten durch diese Zusatzbehandlung konnte dagegen nicht nachgewiesen werden.

IVF: Einsatz von Zusatzbehandlung sorgfältig prüfen

Studienleiterin Lensen betont, dass IVF-Kliniken sorgfältig prüfen sollten, ob sie Zusatzbehandlungen ohne belastbaren Wirksamkeitsnachweis anbieten wollen. Schließlich würden Menschen mit Kinderwunsch häufig schon deren Verfügbarkeit als stillschweigende Bestätigung eines Nutzens interpretieren.

Der nicht an der Überblicksstudie beteiligte Dr. David Barad vom Center for Human Reproduction in New York lobte die Arbeit als Musterbeispiel für evidenzbasierte und unabhängige Reproduktionsforschung:  

Wenn man unrealistische Erwartungen an Zusatzbehandlungen vermeiden wolle, dürften die zugehörigen Studien nicht überwiegend von einer Branche finanziert werden, die diese Verfahren selbst vermarktet.  

„Wir brauchen mehr öffentliche Förderung großer klinischer Studien, unabhängige Evidenzbewertungen und eine stärkere wissenschaftliche Qualitätskontrolle“, fordert der Reproduktionsmediziner. Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/news/in-vitro-fertilisation-die-meisten-zusatzbehandlungen-haben-keinen-belegten-nutzen-97267e59-761c-409e-99e3-690af1c63393
Studie: https://www.thelancet.com/journals/lanogw/article/PIIS3050-5038(26)00054-3/fulltext