Bärentraube – pflanzliches Harnwegsdesinfiziens

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Im Spätsommer reifen die scharlachroten Beeren der Bärentraube. Der Zwergstrauch hat dann große Ähnlichkeit mit der Preiselbeerpflanze. Auch die glockenförmigen weiß-rosa Blüten gleichen denen der Preiselbeere stark. Pharmazeutisch sind jedoch weder Blüten noch Früchte, sondern die immergrünen, ledrigen Blätter von Interesse.

Speise für Meister Petz

Die Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) verdankt ihren Namen wohl jenen Zeiten, als noch Bären durch unsere Wälder streiften. Vermutlich wurden die zottigen Gesellen immer mal wieder dabei beobachtet, wie sie die kleinen, leuchtend roten Früchte des Zwergstrauchs verzehrten. Während Meister Petz bei uns bekanntlich längst ausgestorben ist, kann man die Bärentraube noch antreffen. Allerdings ist dieses Heidekrautgewächs (Ericaceae) hierzulande stark zurückgegangen und steht in Deutschland unter Naturschutz. Am ehesten findet man die Bärentraube in trockenen Kiefernwäldern, auf Heiden oder im Hochgebirge. Sie ist über die ganze nördliche Erdhalbkugel verbreitet. Stellenweise kommt das immergrüne Gewächs in größerer Zahl vor.

Antibakteriell wirksam

Pharmazeutisch relevant sind von dem niederliegenden Zwergstrauch die kleinen, ledrigen Blätter. Sie sind den Blättern der Preiselbeere sehr ähnlich, jedoch unterseits netzadrig. Die Droge Uvae ursi folium wirkt antibakteriell in den Harnwegen. Als maßgeblicher Inhaltsstoff gilt Arbutin. Die Substanz selbst ist nicht wirksam, wird aber zu Hydrochinonderivaten metabolisiert. Erst in den ableitenden Harnwegen werden diese Verbindungen dann in die eigentliche antibakterielle Wirksubstanz Hydrochinon umgewandelt. Das geschieht durch Enzymtätigkeit, wenn dort Keime wie E. coli vorhanden sind.

Bärentraubenblätter werden bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege angewendet.(Bild: Heike Rau - fotolia.com)

Bei Harnwegsentzündungen

Bärentraubenblätter sind indiziert bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Man kann sie also beispielsweise bei Blasenentzündungen mit Schmerzen beim Wasserlassen einsetzen. Verwendet wird die Droge in Extraktform (z.B. Cystinol akut® Dragees, Arctuvan® Bärentraubenblätter Filmtabletten, Uvalysat® Bürger überzogene Tabletten) oder als Arzneitee (3 g Droge/Tasse, bis zu 4-mal täglich). Fertigteepräparate gibt es zum Beispiel von Bombastus, H&S® und Sidroga®.

Nur eine Woche lang anwenden

Arbutin-haltige Arzneimittel sollten nicht über längere Zeit eingenommen werden. Daher ist die Anwendungsdauer von Bärentraubenblättern ohne ärztlichen Rat vorsichtshalber auf eine Woche und auf maximal fünfmal pro Jahr begrenzt. Schwangere, Stillende und Kinder unter 12 Jahren sollten gar keine Bärentraubenblätter-Präparate einnehmen. Da die Droge auch viele Gerbstoffe enthält, können bei magenempfindlichen Personen gelegentlich gastrointestinale Beschwerden auftreten. Außerdem kann sich unter der Einnahme der Urin braungrün verfärben. 

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de