Bibernelle – Hustenmittel aus der zweiten Reihe

Foto: Weber-Fina

Von der Bibernelle versprach man sich einst wahre Wunder. Sie sollte vor Lungenentzündung, Vergiftungen und sogar vor der Pest schützen. Heute findet diese Arzneipflanze vergleichsweise wenig Beachtung. Dennoch gilt Bibernellwurzel als hustenlindernd und mild expektorierend. 

Schutz vor der Pest

„Esst Bibernell, dann sterbt ihr nicht so schnell!“ So hieß es im Spätmittelalter, als die Menschen von der Pest heimgesucht wurden. Die Wurzel der Bibernelle sollte vor der tödlichen Seuche schützen. Dass man der Bibernellwurzel solche Wirkung zuschrieb, könnte an ihrem scharfen, unangenehmen Geruch gelegen haben. Entsprechend der Signaturenlehre meinte man früher, dass der Gestank der Wurzel den Gestank der Pestilenz vertreiben würde. Aber auch bei vielen anderen Gebrechen baute man in jenen Zeiten auf die Heilkraft dieses Doldenblütlers der Gattung Pimpinella.

Schleimlösend und mild expektorierend

In der heutigen Heilkunde ist die Bibernellwurzel etwas in Vergessenheit geraten. Laut Kommission E ist Pimpinellae radix indiziert bei Katarrhen der oberen Luftwege. Der Droge wird eine hustenreizlindernde, schleimlösende und milde auswurffördernde Wirkung zugeschrieben. Als wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe gelten ätherisches Öl sowie Cumarine, Furanocumarine und möglicherweise Saponine.

Bei erkältungsbedingtem Husten

Pimpinellae radix kann als Teedroge verwendet werden (1 TL fein geschnittene Droge pro Tasse, 3- bis 4-mal täglich). Nur sehr selten findet sich die Droge in Fertigarzneimitteln. Ein Beispiel ist das pflanzliche Hustenmittel Cefabronchin® (Auszüge aus Bibernellwurzel, Eucalyptusblättern, Thymiankraut, Isländisch Moos u.a.). Volksmedizinisch wird die Wurzel zudem bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Auch in manchem Schwedenbitter sind Bibernellwurzel-Auszüge mitenthalten.

Zwei Arten – eine Droge

Die Große Bibernelle kommt vor allem im Bergland vor.
(Foto: Weber-Fina)

Zur Drogengewinnung dienen sowohl die bis zu einem Meter hohe Große Bibernelle (Pimpinella major) als auch die bis zu einem halben Meter hohe Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga). Mit ihren weißen Blütendolden und den einfach gefiederten Blättern sind sich beide Arten recht ähnlich. Ihre Standorte sind jedoch unterschiedlich: Die Große Bibernelle kommt auf Fettwiesen und in Staudenfluren, vor allem im Bergland, vor; die kleinere Verwandte bewohnt Magerrasen, trockene Wälder und Heiden.

Sprachgewirr sorgt für Verwechslung

Die Bibernelle ist ein Doldenblütler (Apiaceae) und darf nicht verwechselt werden mit dem Kleinen Wiesenknopf (Sanguisorba minor). Dieses Rosengewächs (Rosaceae) wird nämlich ebenfalls häufig als „Bibernelle“, auch „Gartenpimpinelle“ oder „Pimpernelle“ bezeichnet. Seine Blätter werden gerne als Salatgewürz verwendet.