Blutwurz – Gerbstoffe im Wurzelstock

Schneidet man das Rhizom von Potentilla erecta (= Potentilla tormentilla) an, so färbt sich die frische Schnittfläche schnell rot. Das sieht dann ein wenig so aus, als wäre sie von Blut überlaufen. So kam diese Fingerkrautart zu ihrem Namen „Blutwurz“. Die für die Färbung verantwortlichen Gerbstoffe bestimmen auch den therapeutischen Wert der Droge.

Bild: © rathiopharm

Die kleine Mächtige

So viel wie „kleine Mächtige“ bedeutet das lateinische Wort „Potentilla“. Dieser Name kommt nicht von ungefähr. Schrieb man doch dem kleinen Fingerkraut im Mittelalter eine mächtige Heilwirkung zu. Sogar vor der Pest versprach man sich von ihm Hilfe. Gegen den Pest-Bazillus konnte die Pflanze freilich nichts ausrichten. Doch gegen allerlei andere Leiden erwies sie sich durchaus als mächtig. Man setzte die Blutwurz entsprechend der Signaturenlehre bei Blutungen und Wunden ein. Innerlich half sie unter anderem bei Durchfällen. 

Adstringens innerlich und äußerlich

Mit diesen Anwendungen lagen unsere Vorfahren aus heutiger Sicht gar nicht so falsch. Denn Tormentillwurzelstock (Potentillae rhizoma) hat in der modernen Phytotherapie ähnliche Indikationen: zum einen bei unspezifischen Durchfällen, zum anderen bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum. Die Droge gilt als entzündungs-, keim- und durchfallhemmend. Ihre Wirksamkeit wird vor allem den reichlich enthaltenen Gerbstoffen mit ihren adstringierenden Eigenschaften zugeschrieben. 

Die rotbraun gefärbte Wurzelstockdroge kommt bei Durchfall vor allem als Tee zum Einsatz (2 bis 3 g pro Tasse, Tageshöchstdosis 4 bis 6 g). Für die äußerliche Anwendung steckt Blutwurz als Extrakt auch in einigen Fertigpräparaten, beispielsweise in Repha-Os® Mundspray sowie in Dr.Hauschka® Med Mundspülung Salbei).

Nur vier Blütenblätter

Von Mai bis August kann man die nur 10 bis 30 cm hohe Blutwurz (= Aufrechtes Fingerkraut) blühend antreffen, insbesondere auf Magerrasen und Heiden. Die einzeln stehenden gelben Blüten von Potentilla erecta besitzen im Gegensatz zu den meisten anderen Fingerkrautarten nicht fünf, sondern nur vier Kronblätter. Typisch für ein Fingerkraut sind die gefingerten Laubblätter. Die Zugehörigkeit zu den Rosengewächsen zeigt sich unter anderem in der Vielzahl an Staubblättern. 

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de