Enzian – wirksames Bittermittel

Neben den gastrointestinalen Effekten zeigen Enzianextrakte auch immunmodulierende und antientzündliche Eigenschaften. / Bild: Weber-Fina - PTAheute

In schlemmerreichen Zeiten kann ein Enzianwurzel-Präparat schon mal angebracht sein. Gentianae radix gehört zu den besonders wirksamen Amara mit einem sehr hohen Bitterwert. Auch gegen Appetitlosigkeit wird die „Bitterwurz“ eingesetzt.

Äußerst bitter

Was ihre Bitterqualitäten angeht, nimmt die Wurzel des Gelben Enzians (Gentiana lutea) eine Spitzenstellung ein: Gentianae radix weist den beachtlichen Bitterwert von 10.000 auf (zum Vergleich: Tausendgüldenkraut 2.000). Dennoch kommt der für die Bitterkeit verantwortliche Hauptinhaltsstoff Amarogentin nur in sehr geringer Menge in der Enzianwurzel vor: in einer Konzentration von lediglich 0,025 bis 0,04 Prozent. Doch die Substanz gehört zu den bittersten Naturstoffen überhaupt. Der Bitterwert von reinem Amarogentin beträgt sage und schreibe 58.000.000. Das bedeutet, dass man die Substanz noch in einer Verdünnung von 1 zu 58 Millionen schmecken kann. 

Wirksam schon im Mund

Zusammen mit weiteren Bitterstoffen (z.B. Gentiopikrosid) ist Amarogentin für die therapeutische Wirksamkeit der Droge bei dyspeptischen Beschwerden wie Völlegefühl und Blähungen verantwortlich. Eine weitere Indikation für das Amarum Gentianae radix ist Appetitlosigkeit. Die Bitterstoffe regen die Sekretion der Verdauungssäfte an. Das beginnt bereits im Mund, wo die Speichelbildung gefördert wird. Daher stellen Tees, Dekokte, Tropfen und Tinkturen geeignete Anwendungsformen dar (z.B. Enzianwurzel Tee Bombastus, Salus Enzian Tropfen Bittry). Für die Teezubereitung verwendet man 1 bis 2 Gramm Droge auf eine Tasse (3- bis 4-mal täglich). 

Häufig in Bitterstoffkombinationen

Enzianwurzel als Droge / Bild: © Heike Rau - Fotolia.com

Häufig wird Enzianwurzel kombiniert mit anderen Bitterstoffdrogen wie Tausendgüldenkraut, Wermutkraut oder Schafgarbenkraut (z.B. in Abdomilon® N, H&S® Magentee, Weleda Amara-Tropfen). Wer übrigens auf die therapeutische Wirkung von Enzian-Schnaps setzt, könnte enttäuscht werden. Denn der Schnaps enthält zwar ätherische Öle, aber keine Bitterstoffe, da diese nicht ins Destillat übergehen. In alkoholischen Enzianwurzel-Auszügen (z.B. Magenbitter, Kräuterlikör) sind dagegen Bitterstoffe enthalten. 

Auch in Sinusitismittel enthalten

Neben den gastrointestinalen Effekten zeigen Enzianextrakte auch immunmodulierende und antientzündliche Eigenschaften. Das ist der Grund dafür, dass sich Enzianwurzel auch im pflanzlichen Sinusitismittel Sinupret® findet. 

Stolzes Alter

Die Wurzel des Gelben Enzians kann bis zu einem Meter tief wachsen. Auch die oberirdische Pflanze ist mit einer Höhe von bis zu 140 Zentimetern recht stattlich. Bis das mehrjährige Gewächs zum ersten Mal blüht, vergehen bis zu zehn Jahre. Die goldgelben Blüten sind in Scheinquirlen in den Blattachseln angeordnet. Der Gelbe Enzian kommt vor allem in Gebirgsregionen vor und steht unter Naturschutz. Die Staude kann ein Alter von bis zu 60 Jahren erreichen. 

Bild: © Weber-Fina - PTAheute
Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de