Hirtentäschel – traditionelles Blutstillmittel

Im Volksgebrauch hat das Hirtentäschel noch einen anderen Namen: „Blutkraut“ / Bild: © dashabelozerova - Fotolia.com

Das Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) hält sich nicht an die üblichen Vegetationszeiten. Noch zur jetzigen Jahreszeit kann man es blühend oder fruchtend an Feld- und Wegrändern antreffen. Hirtentäschelkraut ist volksmedizinisch ein altes Blutstillmittel, insbesondere bei „Frauenblutungen“. Auch in der modernen Pflanzenheilkunde kann man Bursae pastoris herba bei zur starker Menstruationsblutung empfehlen. 

An der Fruchtform leicht zu erkennen

Auch wenn sich das Hirtentäschel hier und dort sogar im Winter zeigt, kann es doch leicht übersehen werden. Der zwei bis 50 Zentimeter hohe Kreuzblütler ist unscheinbar. Seine weißen Blüten sind nur wenige Millimeter breit. Zunächst stehen diese Blütchen kopfig gedrängt zusammen. Nach der Blüte streckt sich der Blütenstand zu einer langen Traube. Mit der Fruchtreife ist die Pflanze dann leicht zu identifizieren – und zwar an ihren kleinen herzförmigen bis dreieckigen Schötchenfrüchten. Nach diesen Früchten erhielt das Hirtentäschel seinen Namen. Denn die Schötchen ähneln in ihrer Form tatsächlich den früheren Hirtentaschen. Auch das lateinische „bursa-pastoris“ lässt sich wörtlich mit „Beutel des Hirten“ übersetzen. 

Bei zu starker Monatsblutung

Das „Blutkraut“ als Teedroge / Bild: © Synelnychenko Dmytro - Fotolia.com

Im Volksgebrauch hat das Hirtentäschel noch einen anderen Namen: „Blutkraut“. War es doch früher ein Universalmittel zum Blutstillen. Diese Bedeutung hat Bursae pastoris herba heute nicht mehr. Dennoch findet die Droge auch in der heutigen Phytotherapie noch ihren Platz. Sie wird vor allem zur symptomatischen Behandlung zu starker Regelblutungen verwendet. Weitere Indikationen sind die lokale Anwendung bei Nasenbluten sowie die äußerliche Anwendung bei oberflächlichen, blutenden Hautverletzungen. Für die blutstillende (hämostyptische) Wirkung des Krauts sind wahrscheinlich bestimmte Peptide mit Oxytocin-ähnlichen Eigenschaften verantwortlich. 

Grenzen der Selbstmedikation beachten

Bild: © semenova_masha - Fotolia.com

Man verwendet Hirtentäschelkraut vor allem als Aufguss (3 bis 5 g fein geschnittene Droge pro Tasse) – entweder als Tee zum Trinken oder für Umschläge und Nasentamponaden. Auch einige Fertigpräparate enthalten Hirtentäschelkraut. So steckt ein Trockenextrakt in Styptysat® Plus. Dieses Nahrungsergänzungsmittel soll langfristig die übermäßige Blutungsneigung dämpfen. Im anthroposophischen Arzneimittel Menodoron® soll Hirtentäschelkraut bei Störungen des Menstruationszyklus die Selbstheilungskräfte aktivieren. Grundsätzlich gilt natürlich: Eine Selbstmedikation von Menstruationsbeschwerden sollte nur dann erfolgen, wenn diese harmlos sind. Etwaige organische Ursachen wie Myome oder Hormonstörungen müssen erstmal vom Arzt ausgeschlossen werden.  

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de