Kamille – antientzündlich, wundheilend, krampflösend

Kamillenblüten haben ein sehr breites Anwendungsspektrum. / Bild: © Johanna Muehlbauer - Fotolia

Die Kamille gehört zu den bekanntesten Arzneipflanzen überhaupt. Sie ist auch eines der ältesten pflanzlichen Heilmittel und gleichzeitig eines der am besten erforschten. Mit den Superlativen nicht genug: Kamillenblüten zählen auch zu den am vielseitigsten verwendbaren Drogen. 

Von der Gebärmutter

Schon im 1. Jahrhundert nach Christus lobte der berühmte griechische Arzt Dioskurides die Heilwirkung der Kamille (Matricaria recutita = Chamomilla recutita). Er empfahl sie unter anderem zum Harn- und Steintreiben, gegen Blähungen und Leberleiden. Im Mittelalter galt die Kamille auch als Frauenmittel zur Geburtserleichterung und um die Menstruation zu fördern. Daher rührt der lateinische Gattungsname Matricaria. Er leitet sich ab von „matrix“, was „Gebärmutter“ bedeutet. 

Ätherisches Öl, Flavonoide, Schleimstoffe

Der Kamillen-Blütenkopf im Längsschnitt /maggiw - Fotolia

Ab dem 15. Jahrhundert wurde die Kamille als verdauungsförderndes, krampflösendes und wundheilendes Mittel eingesetzt. Die moderne Forschung konnte für Zubereitungen aus Kamillenblüten (Matricariae flos) oder einzelne Drogeninhaltsstoffe solche Wirkungen bestätigen. So führt man die erwiesenen antientzündlichen und wundheilungsfördernden Effekte auf eine Hemmung wichtiger Enzyme in der Entzündungskaskade zurück. Verantwortlich dafür sind Bestandteile des ätherischen Öls der Kamille wie α-Bisabolol und Chamazulen. Das flüchtige Chamazulen färbt übrigens das Kamillenöl so intensiv blau. Es bildet sich erst bei Wasserdampfdestillation aus dem nicht flüchtigen, farblosen Matricin. Den Ätherisch-Öl-Komponenten schreibt man außerdem die antibakterielle Wirkung der Kamille zu. Die enthaltenen Flavonoide sind hauptverantwortlich für die krampflösende Wirkung. Schleimstoffe und Cumarine tragen zur Gesamtwirksamkeit bei. 

Vielseitig äußerlich und innerlich einsetzbar

Je nach Zubereitungsart variieren Inhaltsstoffe und damit die zu erwartenden Wirkungen. In einem wässrigen Teeaufguss lösen sich vor allem Flavonoide und Schleimstoffe und nur wenig ätherisches Öl (für eine Tasse verwendet man 2 bis 3 g Kamillenblüten). Alkoholische Auszüge enthalten hauptsächlich ätherisches Öl und Flavonoide (Fertigarzneimittel z.B. Kamillosan® Konzentrat, Kamillin® Konzentrat Robugen, Kamillan® supra). Auch in einigen Kombinationspräparaten sind Kamillenblüten enthalten (z.B. in Gasteo®, Iberogast®, Pascoventral®).

Getrocknete Kamillenblüten Bild: © Heike Rau - Fotolia

Kamillenblüten haben ein sehr breites Anwendungsspektrum. Die phytotherapeutischen Haupteinsatzgebiete sind:

  • innerlich bei gastrointestinalen Beschwerden wie Blähungen und leichten Krämpfen sowie bei entzündlichen Erkrankungen des Magen-Darmtrakts
  • Erkältungserkrankungen mit Reizungen der Luftwege (zur Inhalation)
  • äußerlich bei Haut- und Schleimhautentzündungen sowie bakteriellen Hauterkrankungen, auch bei Entzündungen in Mund und Rachen (Umschläge, Bäder, Salben, Gurgellösungen etc.)
  • äußerlich bei Erkrankungen im Anal- und Genitalbereich (Bäder, Spülungen)

Volksheilkundlich wird Kamillentee auch gerne zur Beruhigung getrunken oder für Sitzbäder bei Menstruationsbeschwerden verwendet. 

Erkennungsmerkmal: hohles Köpfchen

Wer selbst Kamillenblüten sammeln möchte, sollte die bis zu 50 Zentimeter hohe einjährige Asteracee (Korbblütler) genau kennen. Die Echte Kamille trägt zwei- bis dreifach gefiederte Blätter mit fadenförmigen Zipfeln. Die Blüten duften. Die weißen Zungenblüten sind oft nach unten geschlagen. Ein entscheidendes Erkennungsmerkmal, auch bei der Identitätsprüfung in der Apotheke: der spitz-kegelförmig aufgewölbte Blütenstandsboden, der im Längsschnitt hohl ist.

matricaria chamomilla in großer Zahl Bild: © Zeljko Radojko - Fotolia
Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de