Kiefer – für die Erkältungssaison

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Die Kiefer ist in Deutschland nach der Fichte die zweithäufigste Baumart. Sie wird forstwirtschaftlich intensiv genutzt. Doch auch pharmazeutisch ist Pinus sylvestris gefragt, insbesondere jetzt zur Erkältungszeit.

Leicht zu erkennen

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Von anderen Nadelbäumen lässt sich die Kiefer ganz leicht unterscheiden: Ihre Nadeln stehen immer gebündelt. Bei der Waldkiefer (Pinus sylvestris) sind es zwei Nadeln, ebenso bei Schwarzkiefer (Pinus nigra) und Bergkiefer (Pinus mugo). Die Zirbelkiefer (Pinus cembra) beispielsweise ist fünfnadelig. Von anderen Pinus-Arten unterscheidet sich die Waldkiefer durch ihre typisch rotbraune Rinde im oberen Stammbereich. Der immergrüne Nadelbaum erreicht eine Höhe von bis zu 40 Metern.

Von Sibirien bis Spanien

Pinus sylvestris hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet. Man findet die anspruchslose Konifere bis weit nach Sibirien, im Norden bis Lappland und im Süden bis Spanien und in die Türkei. Sie kommt auch noch mit wenig Wasser und Nährstoffen zurecht. Sogar auf Sandböden oder Felsen kann sich die Waldkiefer behaupten. Auf Rodungs- oder Brandflächen ist die Kiefer meist als erster Baum zu finden. Man bezeichnet sie daher auch als Pionierbaum.

Ein Überlebenskünstler

Die Pioniereigenschaften der Kiefer machte man sich bereits im späten Mittelalter zunutze. Weite Landstriche in Deutschland waren damals durch Kahlschlag verödet. Durch großflächige künstliche Baumsaat startete man im 14. Jahrhundert die Wiederbewaldung – mit der Kiefer. Heute stellt die Kiefer 23 Prozent aller Waldbäume. Noch häufiger ist nur die Fichte (mit 28 Prozent). Kiefernholz stellt einen wichtigen Rohstoff dar. Aus dem Harzfluss (Terpentin) werden Terpentinöl und Kolophonium gewonnen. Beide können auch medizinisch eingesetzt werden. Größere therapeutische Bedeutung haben allerdings die Nadeln.

Sekretolytisches Kiefernnadelöl

Aus Kiefernnadeln wird durch Wasserdampfdestillation ätherisches Öl (Pini aetheroleum) gewonnen. Es enthält unter anderem α- und β-Pinen, β-Phellandren und Camphen. Kiefernnadelöl wirkt sekretolytisch, hyperämisierend und leicht antiseptisch. Es ist – äußerlich sowie inhalativ – bei katarrhalischen Atemwegserkrankungen indiziert. Wird Kiefernnadelöl auf Brust und Rücken eingerieben, hat das einen doppelten Nutzen: Die Substanzen werden sowohl über die Haut als auch mit der Atemluft aufgenommen. In Fertigpräparaten ist Kiefernnadelöl meist in Kombination mit Eucalyptusöl enthalten (z.B. in Eucabal® Balsam S, Pinimenthol® Erkältungssalbe, Transpulmin® Erkältungsbalsam für Kinder). Bei Asthma und Keuchhusten sowie bei Kindern mit Pseudokrupp darf jedoch wegen der Gefahr von Bronchospasmen nicht mit Nadel- oder Terpentinöl inhaliert werden. Generell kann es zu Reizerscheinungen an Haut und Schleimhäuten kommen.

Äußerlich durchblutungsfördernd

Bei rheumatischen Beschwerden wird das durchblutungsfördernde Kiefernöl äußerlich eingesetzt. Hilfreich kann es auch bei Muskelschmerzen sein. Beliebt für Einreibungen ist Franzbranntwein. Hierbei kommt die Latschenkiefer (= Bergkiefer, Pinus mugo) zum Einsatz (z.B. Allgäuer Latschenkiefer Franzbranntwein, Klosterfrau Franzbranntwein Latschenkiefer).

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de