Klette – altbekannte Wurzeldroge

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Mit den „klebrigen“ Früchten der Klette hat sich schon so manches Kind einen Spaß erlaubt. Die „anhänglichen“ Pflanzenteile haben außerdem zu einer äußerst praktischen Erfindung inspiriert: dem Klettverschluss. In pharmazeutischer Hinsicht ist allerdings ein anderes Teil der Pflanze von Interesse: die lange, fleischige Pfahlwurzel.

Stattliche Gewächse

Kletten (Gattung Arctium) sind meist auffallende Gewächse. Vor allem die Große Klette (Arctium lappa) kann bis zu eineinhalb Meter hoch werden. Ihr dicker Stängel ist reich verzweigt und trägt große Blätter. Zwischen Juli und September blüht dieser Korbblütler (Asteraceae). Dann erscheinen viele kugelige Blütenkörbchen, aus denen oben lauter purpurfarbene Röhrenblüten herausragen.

Anhänglich wie eine Klette

Die Blütenkörbchen sind umhüllt von vielen schmalen Hüllblättern, die wie Borsten in alle Richtungen abstehen. An ihren Enden laufen sie stachelspitzig aus und sind hakig gebogen. Die reifen Klettenfrüchte bleiben dank dieser vielen Widerhäkchen überall „kleben“. Kinder nutzen diese Eigenschaft gerne, um sich oder die Erwachsenen mit den Kletten zu bewerfen. Die kleinen Kugeln bleiben dann an Strickjacken, Hosen und Haaren hängen. Der natürliche Sinn des Klettmechanismus besteht darin, dass die Früchte am Fell von Tieren hängen bleiben und so verbreitet werden.

Kräftige Wurzel

Die Große Klette wächst nicht nur mächtig in die Höhe, sondern auch tief in den Boden. Ihre Wurzel kann bis zu 60 Zentimeter lang werden. Sie liefert die Droge Arctii radix, auch bekannt unter dem Namen Bardanae radix, denn die Klette wird aus als „Bardane“ bezeichnet. Die Wurzeldroge ist reich an Inulin und Schleimstoffen. Sie enthält außerdem ätherisches Öl, Polyine, Lignane und Gerbstoffe.

Für Harnwege, Magen, Haut und Haare

Schon seit dem Altertum wird die Klettenwurzel medizinisch vielseitig verwendet. In der modernen Phytotherapie ist ihre Wirksamkeit jedoch nicht ausreichend belegt. Arctii radix wird deshalb als traditionelles Arzneimittel verwendet: zur Durchspülungstherapie bei Harnwegsbeschwerden, bei vorübergehender Appetitlosigkeit und bei seborrhoischer Haut. Die Droge wird in Form von Extrakten, Tinkturen, pulverisiert oder als Tee eingesetzt. Üblich ist ein Kaltaufguss mit circa 2,5 Gramm pro Tasse, den man mehrere Stunden ziehen lässt. Bekannt ist vor allem der Einsatz von Klettenwurzel-Auszügen in Kosmetika, vor allem in Präparaten zur Haarpflege und zur Förderung des Haarwuchses (z.B. Klettenwurzel Shampoo Floracell, Rausch Original Haartinktur, Weleda Intensiv pflegendes Haaröl).

Drei Arten für die Drogengewinnung

Neben der Großen Klette dienen noch zwei weitere Kletten-Arten der Drogengewinnung: die Filzige Klette (Arctium tomentosum), erkennbar an ihren spinnwebig-wollig umhüllten Blütenköpfen, und die Kleine Klette (Arctium minus) mit ihren etwas kleineren Blütenköpfen. Alle drei Arten wachsen bevorzugt an Wegrändern und auf Ödland.

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de