Kreuzdorn – drastisches Abführmittel

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Der Echte Kreuzdorn heißt im Volksmund auch „Purgier-Kreuzdorn“. Der Name beruht auf der purgierenden – also abführenden – Wirkung der erbsengroßen, schwarzen Früchte dieses Strauchs. Die Anthranoid-haltigen Kreuzdornbeeren können allerdings nur noch eingeschränkt empfohlen werden.

Kreuzförmig und dornig

Das „Kreuz“ im Namen des Kreuzdorns (Rhamnus catharticus) leitet sich von der Wuchsform des Strauchs ab. So sind die Zweige oft beinahe gegenständig angeordnet und stehen meist sparrig ab. Zusammen mit der Hauptachse ergibt sich auf diese Weise eine kreuzähnliche Erscheinung. Auch die fein gesägten Laubblätter sind gegenständig angeordnet. Der zweite Namensteil „Dorn“ hat bei diesem Kreuzdorngewächs (Rhamnaceae) ebenfalls seine Berechtigung: Die Zweige des Kreuzdorns enden meist in einem Dorn. Man trifft den bis zu drei Meter hohen Strauch zerstreut an sonnigen Hecken und Waldrändern an.

Kreuzdornbeeren: schwer regulierbare Wirkung

Von pharmazeutischem Interesse sind beim Kreuzdorn die kleinen runden Früchte. Sie entwickeln sich aus unscheinbaren, gelbgrünen Blüten in den Blattachseln. Die Kreuzdornbeeren sind zunächst grün, zur Reife leuchtend schwarz. Getrocknet (Rhamni cathartici fructus) wurden sie als drastisches Abführmittel verwendet, volksmedizinisch zudem als Diuretikum und als „Blutreinigungsmittel“. Heute wird von der Anwendung der Droge weitgehend abgeraten, da die Wirkung oft schwer zu regulieren ist. Schon bei mäßig hohen Dosen können starke Nebenwirkungen wie Erbrechen und krampfartige Bauchschmerzen auftreten. Auch blutige Durchfälle sind möglich.

Gruppe der Anthranoiddrogen

Für Wirkung und Nebenwirkungen der Kreuzdornbeeren sind die enthaltenen Anthrachinonglykoside verantwortlich. Diese Substanzen werden im Dickdarm zu Anthronen abgebaut. Dort wirken wie antiresorptiv und hydragog. Sie hemmen also die Resorption von Wasser aus dem Dickdarm und induzieren gleichzeitig einen erhöhten Wassereinstrom. Der Füllungsdruck im Darm nimmt dadurch zu. Die Anthrone reizen dabei aber auch die Schleimhäute. Während Kreuzdornbeeren heute kaum mehr verwendet werden, sind andere Anthranoiddrogen gängig. Dazu gehören Aloe-Extrakt, Faulbaumrinde, Rhabarberwurzel und Sennesblätter/-früchte. 

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de