Linde – Dufterlebnis und Erkältungsmedizin

An vielen Orten in Deutschland wurde in diesem Jahr schon eine junge Winterlinde gepflanzt. Denn diese heimische Baumart steht derzeit als Baum des Jahres 2016 im Blickpunkt. Momentan verströmen blühende Linden allenthalten in Parks, Alleen und auf Plätzen ihren betörenden Duft. Die Blüten liefern zudem eines unserer bekanntesten Erkältungsheilmittel.

Bild: © katharinarau / Fotolia.com

Lieblicher Sommerduft

Die Winterlinde (Tilia cordata) ist ein richtiger „Spätzünder“. Denn meist erst im Juli – also lange Zeit nach dem Laubaustrieb – öffnet sie ihre Blüten. Diese Blütezeit sorgt dann aber für besondere Aufmerksamkeit. Schließlich ist der süßliche Lindenblütenduft sehr intensiv. Fast alle Menschen lieben ihn und mit einer guten Nase lässt er sich noch auf 200 Meter Entfernung wahrnehmen. Etwas früher, also schon im Juni, blüht ebenso duftintensiv die Sommerlinde (Tilia platyphyllos).

Blütenstände samt Hochblatt

Die Blüten beider heimischer Lindenarten (sowie deren Hybride) werden offizinell verwendet (Tiliae flos). Als Drogenmaterial dienen dabei die gesamten Blütenstände. Diese bestehen bei der Sommerlinde aus zwei bis fünf, bei der Winterlinde aus fünf bis zehn, gelblich weißen Blüten, die gemeinsam einen hängenden, doldenartigen Blütenstand bilden. Außerdem gehört dazu der Blütenstandsstiel, welcher zur Hälfte mit einem länglich-ovalen, flügelartigen Hochblatt verwachsen ist.

Was die Linde lindert

Ihren pharmazeutischen Wert verdanken Tiliae flos einem Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe. Dies sind vor allem Flavonoide, Schleimstoffe und ätherisches Öl. Die Droge ist in erster Linie als Erkältungsmittel gebräuchlich (gemäß Kommission E sowie den europäischen HMPC- und ESCOP-Monographien). Die Droge wird überwiegend als Tee eingesetzt (ca. 2 g Blüten pro Tasse, Tagesdosis 2-4 g). Es gibt zahlreiche Fertigteepräparate (z.B. H&S® Lindenblüten, Sidroga® Lindenblüten). Volksmedizinisch sind Lindenblüten vor allem als schweißtreibendes Mittel bei fieberhaften Erkältungskrankheiten gebräuchlich. Hierzu werden sie unter anderem gerne mit Holunderblüten kombiniert (z.B. Erkältungstee Bombastus, Sidroga® Erkältungstee). Daneben werden Lindenblüten traditionell gelegentlich auch als Sedativum verwendet.

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de