Mistel – Weihnachtsschmuck und Krebstherapeutikum

Klinische Studien bescheinigen der Mistel vor allem einen Einfluss auf die Lebensqualität von Krebspatienten. / Bild: S.H.exclusiv - Fotolia.com

Die Mistel (Viscum album) ist bei uns zu einem beliebten Weihnachtsschmuck geworden. Die immergrünen Zweige mit den weißen Beeren zieren so manche Haustür – und sie gelten als zauberkräftig. So soll die Mistel Liebesglück bringen und böse Geister vertreiben. Seit jeher schreibt man der Pflanze aber auch eine große Heilkraft zu. Heute wird Mistelkraut vor allem zur begleitenden Krebsbehandlung eingesetzt. 

Wie bei Asterix und Obelix

Wer sich im Reich von Asterix und Obelix auskennt, weiß es natürlich: Die Mistel hat besondere magische Kraft. Deshalb war sie ja auch die wichtigste Zutat für den Zaubertrank, mit dem der Druide Miraculix im Comic die tapferen Gallier versorgte. Auch in der Realität galt die Mistel bei den Kelten als heiligste aller Pflanzen. Später, zu christlicher Zeit, wurde sie ebenfalls verehrt. Sie galt als friedensstiftende Pflanze, unter der sich Feinde versöhnten. Heute küssen sich gerne Liebespaare unter der symbolträchtigen Mistel.

Vom Mist zur Mistel

Kleine grüne Büsche in den Baumkronen / Bild: © unicusx - Fotolia.com

Nicht nur auf Weihnachtsmärkten und an Haustüren, sondern auch in der Natur fallen Misteln in dieser Jahreszeit am meisten auf. Denn mit ihren schmalen, ledrigen, immergrünen Blättern bilden sie kleine dichte grüne Büsche in den kahlen Baumkronen. Aus der Nähe sieht man auch die erbsengroßen weißen Beeren, die jetzt reif sind. Das zähe, schleimig-klebrige Fruchtfleisch dieser Beerenfrüchte gab der Mistel ihren lateinischen Namen „Viscum“ – zu Deutsch „Leim“. Das Fruchtfleisch mitsamt den enthaltenen Samen wird gerne von Vögeln gefressen. Die Samen scheiden die Vögel dann mit ihrem Kot wieder aus und verbreiten sie somit. Von diesem Vogel-„Mist“ leitet sich der Name „Mistel“ ab.

Eine Verzweigung im Jahr

Bild: © Vera Kuttelvaserova - Fotolia.com

Die Mistel ist ein Halbschmarotzer, der seinem Wirtsbaum lediglich Wasser und darin gelöste Nährsalze entzieht. Dazu treibt die Mistel eine kräftige Senkerwurzel in die Leitungsbahnen des Baums. Fotosynthese betreibt die Mistel mit ihren ganzjährig grünen Blättern und Stängeln selbst. Die gabelig verzweigte Pflanze wächst sehr langsam: Pro Jahr kommt nur eine weitere Verzweigung hinzu. So kann ein Mistelbusch auf dem Weihnachtsmarkt leicht mal 20 Jahre alt sein.

Damit sich Krebspatienten besser fühlen

Zur Arzneimittelherstellung wird das frische oder getrocknete Mistelkraut (Visci herba) verwendet. Am bekanntesten ist der Einsatz von Mistelextrakt als Injektionslösung in der begleitenden Krebstherapie. Die Misteltherapie wird hier als unspezifische Reiztherapie angesehen. Für die in der Droge enthaltenen Mistellektine und Viskotoxine konnten krebszellhemmende und immunstimulierende Effekte nachgewiesen werden. Phytotherapeutische Extraktpräparate sind auf solche Inhaltsstoffe standardisiert (z.B. Lektinol®). Außerdem gibt es die anthroposophischen, wirtsbaumspezifischen Mistelpräparate (z.B. Helixor® A – Tannenmistel, Iscador® M – Apfelbaummistel). Klinische Studien bescheinigen der Mistel vor allem einen Einfluss auf die Lebensqualität von Krebspatienten. So bessern sich oftmals Wohlbefinden, Appetit und Übelkeit. Mistelkraut ist ferner bei degenerativ-entzündlichen Gelenkerkrankungen indiziert. Die Injektionen sollen heilsame Gewebereize erzeugen. 

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de