Pestwurz – zur Migräneprophylaxe

Die Pestwurz hat eine schweißtreibende und krampflösende Wirkung. / Bild: © jeans - Fotolia

Es sind eigenartige Gebilde, die derzeit an manchem Bachufer zu sehen sind: die kolbenartigen blass-rosa Blütenstände der Pestwurz. Erst später im Jahr erscheinen dann die nicht minder imposanten, riesigen Blätter. Sie sind ein altbekanntes Heilmittel, heute aber wegen problematischer Inhaltsstoffe nicht mehr gebräuchlich. Das Rhizom der Pflanze hat dagegen Bedeutung für die Migräneprophylaxe. 

Auffallende Blütenstände im Frühjahr

Während die Natur ringsum noch weitgehend auf Sparflamme ist, wird die Gemeine Pestwurz (Petasites hybridus) schon aktiv: Sie schiebt ihre blassen, mit kleinen Schuppenblättern besetzten Sprosse aus dem Boden. An diesen bilden sich die eindrucksvollen Blütenstände. Wie viele kleine Pinsel wirken die zahlreichen Blütenkörbchen, die gemeinsam eine große Traube bilden.

Riesige Blätter im Sommer

Erst am Ende der Blütezeit treibt die Pestwurz ihre Laubblätter. Im Laufe des Sommers wachsen sie zu beeindruckender Größe heran. Mit einer Breite von mehr als 60 Zentimetern gehören Pestwurzblätter zu den größten in der heimischen Wildflora.

Pestwurzblätter / Bild: © emer - Fotolia

Kinder machen sich gerne einen Spaß und setzen sich ein großes Pestwurzblatt als Hut auf den Kopf. Diesen Einfall hatten die Menschen wohl früher schon. Denn der lateinische Gattungsname „Petasites“ leitet sich vom griechischen „petasos“ ab, was „breitkempiger Hut“ bedeutet.

Krampflösende Eigenschaften

Die Petasites-Blüte / Bild: © Sabine Schoenfeld - Fotolia

Den deutschen Namen „Pestwurz“ erhielt die Pflanze vermutlich im Mittelalter. Damals glaubte man, die Pest durch Schwitzkuren austreiben zu können. Immerhin zeigt die Pestwurz eine schweißtreibende (diaphoretische) Wirkung. Darüber hinaus wurde sie volksmedizinisch zum Harntreiben und bei Menstruationsbeschwerden empfohlen. Wissenschaftlich belegt sind heute die krampflösenden Eigenschaften. Sie werden Sesquiterpenen wie Petasin und Isopetasin zugeschrieben. Petasites-Bätter werden jedoch heute wegen der lebertoxischen Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) nicht mehr verwendet.

Wirksamkeit aus dem Rhizom

Die moderne Phytotherapie verwendet von der Pestwurz das kräftige Rhizom (Petasitides rhizoma). Standardisierte Extrakte, die weitgehend PA-frei sind, haben sich als wirksam gegen Migräne erwiesen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt standardisierten Pestwurzextrakt in ihren Therapieleitlinien zur medikamentösen Migräneprophylaxe. Ein entsprechendes Präparat (Petasites Petadolex®) kann aus dem Ausland bezogen werden. 

Bild: © Sabine Schoenfeld - Fotolia
Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de