Schlüsselblume – schleimlösende Saponine

Schlüsselblumen enthalten Triterpensaponine, welche für die schleimlösende und auswurffördernde Wirkung verantwortlich sind. / Bild: © Andris T - Fotolia

Ihren Gattungsnamen Primula tragen die Schlüsselblumen zu Recht. Leitet er sich doch vom Lateinischen „prima“ ab und das bedeutet „die Erste“. Tatsächlich gehören die Schlüsselblumen mit zu den ersten Frühlingsboten in der Natur. Zu den Ersten zählen diese Pflanzen auch in therapeutischer Hinsicht: Zubereitungen aus Blüten und Wurzeln spielen eine wichtige Rolle als schleimlösende Phytopharmaka.

Weil Petrus unachtsam war

Einst ließ Petrus im Himmel versehentlich seinen Schüssel fallen. Dort wo der Schlüssel auf die Erde niederfiel, wuchsen lauter Schlüsselblumen. Seither können wir uns in jedem Jahr erneut an den gelben Frühjahrsblühern erfreuen. So lautet jedenfalls eine Legende. Keine Legende, sondern wissenschaftliche Erkenntnis ist dagegen die pharmazeutische Wirksamkeit dieses ausdauernden Primelgewächses (Primulaceae).

Wirksam in den Atemwegen

Schlüsselblumenblüten (Primulae flos) als Droge. / Bild: © Heike Rau - Fotolia

Man konnte für die Schlüsselblume eine schleimlösende und auswurffördernde Wirkung bei Bronchitis und Erkältungskrankheiten belegen. Für diese Effekte sind vor allem die enthaltenen Triterpensaponine verantwortlich. Sie finden sich insbesondere im Rhizom sowie in den Blütenkelchen der Pflanze. Als Droge sind deshalb zum einen Rhizom und Wurzeln (Primulae radix), zum anderen Blüten mit Kelch (Primulae flos cum calyce) gebräuchlich. Beide Drogen sind vor allem dann geeignet, wenn in den Atemwegen zähflüssiger Schleim auftritt. 

Meist in Kombination mit Thymian

Die Primelwurzel (Primulae radix) als Droge. / Bild: © Heike Rau - Fotolia

Moderne Phytotherapeutika enthalten zumeist Primelwurzelextrakt, kombiniert mit anderen schleimlösenden pflanzlichen Wirkstoffen wie Thymian-Zubereitungen (z.B. Bronchicum® Elixier/Saft/Tropfen, Bronchipret® TP, Phytobronchin®, Sinuforton®). Zubereitungen aus Schlüsselblumenblüten stecken zum Beispiel in den Sinupret®-Präparaten. Auch die Verwendung der Schlüsselblumendrogen als Tee oder Dekokt ist möglich (Wurzel: ¼ TL pro Tasse – Tagesdosis 0,5 bis 1,5 g, Blüten: 1 TL pro Tasse – Tagesdosis 4 bis 6g).

Zweierlei Schlüsselblumen

Sowohl für Wurzel- wie auch Blütendroge können zweierlei Schlüsselblumen-Arten herangezogen werden: 

  • Erstens die Hohe Schlüsselblume (= Wald-Schlüsselblume, Primula elatior), die bereits ab März blüht und häufig in Laubwäldern mit feuchten, nährstoffreichen Böden anzutreffen ist. Ihre Blütenfarbe ist hellgelb und der kantige Kelch liegt der Kronröhre eng an.
  • Zweitens die Echte Schlüsselblume (= Wiesen-Schlüsselblume, Primula veris), die ab April blüht und hellere Standorte, zum Beispiel auf Wiesen, mit mageren Böden bevorzugt. Ihre Blüten sind goldgelb und weisen am Grund orangefarbene Flecken auf. Der Kelch ist glockenförmig.

Beide Schlüsselblumen-Arten sind übrigens in Deutschland geschützt.

Links: die Hohe Schlüsselblume (Primula elatior); rechts: die Echte Schlüsselblume (Primula veris) / Bild: © Wolfgang | Andris T - Fotolia
Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de