Schöllkraut – kritische Alkaloide

Dem Milchsaft des Schöllkrauts wurde schon im Mittelalter eine galleflussfördernde Wirkung zugeschrieben. / Bild: © ovcerleonid - Fotolia

Vom April bis in den Herbst hinein trifft man auf die leuchtend gelben Blüten des Schöllkrauts (Chelidonium majus). Die typische Wegrandpflanze war lange Zeit ein angesehenes Leber-Galle-Mittel. In der heutigen Phytotherapie hat es das alkaloidhaltige Kraut dagegen etwas schwer.

Krampflösend und galleflussfördernd

Schon vor Jahrhunderten wurde das Schöllkraut bei Leber-Galle-Leiden verwendet – wegen seines gelben Milchsafts. Denn diesen setzte man in der mittelalterlichen Signaturenlehre in Beziehung zur gelben Gallenflüssigkeit. Mit diesem Einsatzgebiet lag die damalige Heilkunde gar nicht verkehrt. Denn die moderne Phytopharmakaforschung konnte für Schöllkraut-Extrakte tatsächlich galleflussfördernde Effekte nachweisen. Dafür macht man die enthaltenen Alkaloide (Benzylisochinolon-Derivate) verantwortlich. Diese Inhaltsstoffe wirken zudem spasmolytisch am oberen Verdauungstrakt. Schöllkraut (Chelidonii herba) erhielt von der Kommission E daher die Indikation „krampfartige Beschwerden im Bereich der Gallenwege und des Magen-Darm-Trakts“. 

Anwendung mit Einschränkungen

Das Schöllkraut / Bild: © i9370 – Fotolia

Doch es fiel ein Schatten auf die Alkaloiddroge: Hochdosierte Schöllkraut-Extrakte gerieten in Verdacht, lebertoxische Nebenwirkungen zu verursachen. Ein Zusammenhang zwischen Leberschaden und Einnahme war zwar nicht zweifelsfrei nachweisbar. Dennoch sind seit dem Jahr 2008 nur noch Schöllkraut-Präparate mit einer maximalen Tagesdosis von 2,5 mg Gesamtalkaloiden zugelassen. Von Schöllkrauttee wird generell abgeraten. Bei Lebererkrankungen sowie in Schwangerschaft und Stillzeit ist die Droge kontraindiziert. 

Wo Schöllkraut enthalten ist

Infolge der Anwendungsbeschränkungen verlor das Schöllkraut phytotherapeutisch an Bedeutung und einige Präparate verschwanden vom Markt. Enthalten ist Schöllkraut-Auszug aber noch im Magen-Darm-Kombinationspräparat Iberogast®. Als Homöopathikum findet sich Schöllkraut aber nach wie vor in einer Vielzahl von Leber-Galle-Komplexpräparaten (z.B. Hepar-Hevert®, Metaheptachol® N, Presselin® LG). 

Typischer Milchsaft

Das Schöllkraut wächst gerne auf Schuttflächen und Müllplätzen, an Wegrändern, in Hecken und an Mauern. Das bis zu 60 Zentimeter hohe, mehrjährige Mohngewächs (Papaveraceae) ist gut zu erkennen: Die Blüten bestehen aus vier leuchtend gelben Kronblättern, die blaugrünen Blätter sind gefiedert, ihre Fiederblättchen gelappt. Verletzt man die Pflanze, tritt der gelbe Milchsaft aus. Ihn verwendet die Volksmedizin heute noch, um Warzen damit zu betupfen.

Das Schöllkraut als Droge / Bild: © Chelidonii – Fotolia.com
Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de