Steinklee – venentonisierendes Kraut

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An Straßenrändern und auf Ödland fällt er nun wieder ins Auge: der Echte oder Gelbe Steinklee (Melilotus officinalis). Von Juni bis September trägt er seine langen und schmalen gelben Blütentrauben. Das Cumarin-haltige Kraut des Schmetterlingsblütlers wird vor allem bei Veneninsuffizienz eingesetzt. Außerdem war diese Pflanze einst der Anlass für einen wichtigen medizinischen Fortschritt.   

Anstoß für die Forschung

Im Jahr 1922 kam es in Amerika zu einem verheerenden Rindersterben. Die Tiere verendeten damals an unerklärlichen inneren Blutungen. Als „Sweet Clover Disease“ – „Süßklee-Krankheit“ – wurde das Phänomen bezeichnet. Denn das Heu, welches die Rinder als Futter bekommen hatten, enthielt einen großen Anteil an „Süßklee“, das heißt an Echtem Steinklee (Melilotus officinalis). Da das Heu feucht und schimmelig war, konnten Mikroorganismen darin ein unheilvolles Werk vollbringen: Sie wandelten Cumarin-Derivate im Steinklee in Dicumarol um. Die Substanz ist ein Vitamin-K-Antagonist und hemmt die Blutgerinnung. Diese Entdeckung gilt als Geburtsstunde für die Entwicklung synthetischer Antikoagulanzien vom Cumarin-Typ (Phenprocoumon, Warfarin).

Süßlicher Duft

Wohlgemerkt bildet sich das blutgerinnungshemmende Dicumarol nur unter ungünstigen Lagerungsbedingungen. In der frischen Pflanze kommt kein Dicumarol vor, wohl aber Cumaringlykoside (z.B. Melilotosid). Aus ihnen entstehen beim Trocknen der Pflanze freie Cumarine. Sie sind für den angenehm süßlichen Duft der Droge Meliloti herba verantwortlich.   

Gefäßabdichtende Wirkung

Cumarin ist auch der wichtigste therapeutische Inhaltsstoff von Steinkleekraut. Die Substanz übt selbst keinerlei blutgerinnungshemmende Wirkung aus, entfaltet aber antiödematöse Effekte. Cumarin dichtet Kapillaren ab und steigert die venöse Rückflussrate sowie den Abfluss von Lymphe. Meliloti herba wird daher innerlich bei chronisch venöser Insuffizienz eingesetzt. Unterstützend ist die Droge außerdem bei oberflächlicher Venenentzündung (Thrombophlebitis), bei Lymphstauungen und bei Hämorrhoiden geeignet. Äußerlich ist Steinkleekraut bei Prellungen, Verstauchungen und Blutergüssen indiziert.

Vielfältig anwendbar

Zur Teezubereitung wird Steinkleekraut nicht empfohlen – einerseits wegen schwankender Wirkstoffgehalte, andererseits wegen experimenteller Hinweise auf krebserregende Effekte hoher Cumarinmengen. Standardisierte Extraktpräparate sollten bevorzugt werden. Steinklee-Extrakt wird zum Beispiel in Kombination mit Rosskastaniensamen-Extrakt eingesetzt (z.B. Sovita med® Venen-Kapseln S). Aus Steinkleekraut kann man für die äußerliche Anwendung einen Breiumschlag zubereiten (3 EL Droge mit 150 ml kochendem Wasser gut durchfeuchten, abkühlen lassen und auftragen).

Auch in der Homöopathie wird Melilotus verwendet: sowohl bei Krampfaderleiden (z.B. in Poikiven® Tropfen , veno-loges®N Injektionslösung als auch bei Kopfschmerzen (z.B. in Biodolor® Tabletten, Dolor-orthim® Tropfen).

 

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de