Weide – bedeutsame Rinde

Fiebersenkend, entzündungshemmend, schmerzlindernd – die Weide ist ein Allroundtalent; die Biene natürlich auch. / Bild: © Christian_Pedant - Fotolia

Für Bienen und Hummeln sind sie eine willkommene frühe Nahrungsquelle: die Kätzchen der Weide. Auch für den Menschen bringt dieser Baum seit jeher großen Nutzen, vor allem in therapeutischer Hinsicht. Die Inhaltsstoffe der Weidenrinde waren zudem der Ausgangspunkt für die Synthese eines unserer wichtigsten Arzneistoffe: die Acetylsalicylsäure (ASS). 

Mittel gegen Malaria

Die Weide wurde schon vor Jahrhunderten für ähnliche Zwecke genutzt wie heute: Bereits der antike Arzt Hippokrates empfahl Weidenrindenextrakte gegen Schmerzen und Fieber. Im 18. Jahrhundert konnte man die fiebersenkende Wirkung wissenschaftlich bestätigen. Das Mittel wurde sogar der Chinarinde gleichgestellt und man verwendete es als „europäische Fieberrinde“ bei Malaria.

Vorläufer der ASS

Man könnte die Wirkstoffe in den fluffigen Blüten vermuten, tatsächlich befinden sie sich aber in der Rinde. / Bild: © Eric Nordas - Fotolia

Im 19. Jahrhundert isolierte man aus der Weidenrinde die wirksamen Inhaltsstoffe – Salicylate wie das Salicin – und gewann daraus Salicylsäure. Bald darauf gelang es, diese Substanz synthetisch herzustellen. Im Jahr 1897 schließlich glückte dem deutschen Apotheker und Chemiker Felix Hoffman die Synthese aus Salicylsäure und Essigsäure zur Acetylsalicylsäure (ASS).

Natürliche Vorteile

Trotz der ASS-Erfolgsgeschichte hat auch die Droge Salicis cortex noch gewisse arzneiliche Bedeutung. Die enthaltenen Salicylate passieren als Prodrugs den Magen und haben daher dort keine magenreizende Wirkung. Erst in der Leber werden sie zur eigentlichen Wirksubstanz Salicylsäure verstoffwechselt. Im Vergleich zur ASS ist die plättchenhemmende Wirkung von Weidenrinde vernachlässigbar.

Fiebersenkend, entzündungshemmend, schmerzlindernd

Eine Trauerweide am Ufer der Weser / Bild: © ingwio - Fotolia

Salicis cortex gewinnt man aus der Rinde von zwei- bis dreijährigen Zweigen verschiedener Weidenarten, z.B. Purpurweide (Salix purpurea), Silberweide (Salix alba), Bruchweide (Salix fragilis). Das Phytotherapeutikum gilt als fiebersenkend, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Es wird daher heute bei fieberhaften Erkrankungen, rheumatischen Beschwerden sowie Kopfschmerzen eingesetzt. Die Erfahrungsheilkunde verwendet die Droge auch bei Gelenkbeschwerden. In Schwangerschaft und Stillzeit sollte Weidenrinde nicht eingesetzt werden. 

Meist als Teedroge

Nachdem einige Weidenrinden-Extraktpräparate vom Markt verschwunden sind, findet sich Salicis cortex vorwiegend in Fertigtees (z.B. Erkältungstee Bombastus, H&S® Rheumatee, Sidroga® Erkältungstee) bzw. in Pulverform (Weidenrinde Schmerzdragees). Zur Teezubereitung kann außerdem die Einzeldroge verwendet werden (2 bis 3 g/Tasse, 3- bis 5-mal tgl.).

Getrocknete Weidenrinde (Salicis cortex) als Droge / Bild: © Heike Rau - Fotolia
Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de