Hepatitis-B-Impfung

Foto: MediaProduction - iStockphoto.com

In ihrer akuten Form ist die Hepatitis B selten lebensbedrohlich. Das Gefährliche an der Virus-Infektion ist vielmehr ihre chronische Verlaufsform. Je früher im Leben eine Ansteckung mit dem Hepatitis-B-Virus erfolgt, desto wahrscheinlicher ist eine chronische Erkrankung. Um rechtzeitig vorzubeugen, gibt es in Deutschland seit über 20 Jahren die allgemeine Hepatitis-B-Impfempfehlung für Säuglinge.

Übertragung durch Blut und Sexualkontakte

Das Hepatitis-B-Virus (HBV) wird ausschließlich über Körperflüssigkeiten übertragen – durch direkten Kontakt mit infiziertem Blut, Sperma, Scheidensekret und möglicherweise Speichel. Schon kleinste Haut- und Schleimhautverletzungen bieten eine Eintrittspforte für das Virus. Sexualkontakte sind bei uns der häufigste Infektionsweg. Bis zu sieben Tage bleibt das Virus außerhalb des Körpers infektionsfähig. Gefährdet sind deshalb Drogenabhängige, die Spritzen untereinander austauschen, oder auch Diabetiker, die Stechhilfen zu mehreren benutzen. Auch unhygienisches Vorgehen beim Tätowieren oder Piercing gilt als mögliche Infektionsquelle. Haushaltsmitglieder von Hepatitis-B-Infizierten können sich ebenfalls anstecken, wenn sie Gegenstände mit Verletzungsgefahr (Nagelscheren, Zahnbürsten) gemeinsam benutzen.

Krankheitsverlauf häufig unspezifisch

Nach einer Inkubationszeit von 45 bis 180 Tagen kann eine akute Hepatitis-B-Erkrankung ausbrechen. Allerdings sind die Symptome häufig unspezifisch und grippeähnlich, begleitet von Appetitlosigkeit und Übelkeit. Die Erkrankung wird daher oft gar nicht erkannt. Das klassische Bild einer Gelbsucht (Ikterus) entwickelt nur ein Drittel der Erkrankten. Zu über 90 Prozent heilt die akute Hepatitis B nach einigen Wochen von selbst aus und hinterlässt lebenslange Immunität. Nur selten gibt es ganz schwere Verläufe mit akutem Leberversagen und Todesfolge.

Chronische Hepatitis B oft unbemerkt

In manchen Fällen geht eine akute Hepatitis B in eine chronische Leberentzündung über. Sie kann sich durch verstärkte Müdigkeit oder rechtsseitige Oberbauchbeschwerden bemerkbar machen. Mit Interferonen oder antiviralen Substanzen (z.B. Tenofovir) kann sie behandelt werden. In einem Drittel der Fälle verläuft die chronische Hepatitis B jedoch unbemerkt. Dennoch resultiert eine zunehmende Leberschädigung. Die Langzeitfolgen sind häufig Leberzirrhose und Leberkrebs. Patienten mit chronischer Hepatitis B können jahrzehntelang eine Ansteckungsgefahr für andere Menschen darstellen.

Je jünger, desto eher chronisch

Die Gefahr einer chronischen Verlaufsform ist stark altersabhängig: fünf bis zehn Prozent, wenn Erwachsene erkranken, bis zu 90 Prozent bei infizierten Kleinkindern. Außerdem haben immungeschwächte Personen ein erhöhtes Risiko für eine chronische Hepatitis B. Für diese Bevölkerungsgruppen wird die Hepatitis-B-Impfung besonders empfohlen. Die Impfung kann aber auch vor einer Reise indiziert sein. Chronisch HBV-infiziert sind vor allem viele Menschen in Afrika südlich der Sahara sowie in Ostasien und Lateinamerika. Weltweit sind rund drei Prozent der Menschheit chronische HBV-Träger. Große Unterschiede gibt es innerhalb Europas: in Ost- und Südeuropa sind circa sieben Prozent der Bevölkerung chronisch HBV-infiziert, in nordischen Ländern nur 0,1 Prozent. Für Deutschland geht man von durchschnittlich 0,3 Prozent aus.

Einfach-, Zweifach-, Sechsfachimpfstoffe

Bei der Hepatitis-B-Impfung handelt es sich um eine aktive Immunisierung gegen ein Oberflächenantigen des Virus. Die Impfung ist meist gut verträglich. An Nebenwirkungen können vor allem Reizbarkeit, Kopfschmerzen sowie gastrointestinale Beschwerden auftreten. In Deutschland gibt es Einfachimpfstoffe (z.B. Engerix®-B Kinder/Erwachsene, HBVaxPro®), Zweifachimpfstoffe gegen Hepatitis B und Hepatitis A (z.B. Twinrix® Kinder/Erwachsene) sowie die üblicherweise zur Säuglings-Grundimmunisierung verwendeten Sechsfachimpfstoffe mit Schutz gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio, Hib und Hepatitis B (z.B. Hexyon®, Infanrix hexa, Vaxelis®).  

STIKO-Impfempfehlungen

Standardimpfempfehlung:

  • alle Säuglinge/Kleinkinder ab 2 Monaten
  • fehlende Impfungen im Kindes-/Jugendalter nachholen

Indikationsimpfempfehlung:

  • Personen mit Immunschwäche (z.B. HIV-Positive, Dialysepatienten )
  • Personen, die besonders gefährdet sind (z.B. Angehörige von HBV-Infizierten, Drogenkonsumenten)
  • Personen mit erhöhtem beruflichen oder ehrenamtlichen Expositionsrisiko (z.B. Personal in medizinischen Einrichtungen oder Flüchtlingsheimen)
  • Reiseindikation (je nach individueller Gefährdungsbeurteilung) 

Impfschema und Impfstoffe

  • HepB-Impfstoffe enthalten ein Hepatitis-B-Oberflächenantigen (z.B. Engerix®-B Erwachsene, Engerix®-B Kinder; Kombinationsimpfstoffe: DTaP-IPV-HepB-Hib, z.B. Hexyon®, Infanrix hexa®)
  • Die vier Teilimpfungen der Grundimmunisierung sollten im Alter von 2, 3, 4 sowie 11 bis 14 Monaten erfolgen. (Bei Verwendung eines Einzelimpfstoffs sind nur 3 Impfstoffgaben erforderlich.)
  • Im Erwachsenenalter erfolgt die Impfung üblicherweise nach dem Schema 0-1-6 Monate. (Schnellimpfschema z.B. vor einer Reise: 0-7-21 Tage)
Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de