Entlassrezept: Wie sieht die Praxis aus?

„Entlassrezept“ aus einer Klinik

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Anfrage:

Retax-Frage

Wir wissen, dass seit dem 1. Oktober 2017 das sogenannte Entlassmanagement umzusetzen ist. Uns erreichte jetzt in der Apotheke ein Klinikrezept, das im Rahmen dieses Entlassmanagements ausgestellt wurde (siehe Rezeptabbildung). Auf dem Rezept fehlten sämtliche Angaben (Kostenträgerkennung, Status, LANR, Ausstellungsdatum, Name des Versicherten und Facharztbezeichnung). Zudem hatte die Klinik auf den Querbalken ein Patientenetikett geklebt (s. Abb., roter Rahmen), dazu die Versicherten-Nr. und BSNR handschriftlich ergänzt, einen Klinikstempel aufgebracht, unleserlich unterschrieben und eine Verordnung über 4 FER Innohep (Packungsgröße nicht im Handel) ausgestellt. Wir haben sämtliche fehlende Rezeptangaben handschriftlich nachgetragen und fragen uns nun, welche Packungsgröße beliefert werden darf und ob die Gefahr einer Retaxierung besteht?

Antwort

Hinsichtlich der Packungsgröße ist die Belieferung von 2 x 2 Fertigspritzen laut Rücksprache mit dem LAV in diesem Fall korrekt, denn die Belieferung mit nur 1 x 2 Fertigspritzen würde die im Entlassmanagement vorhergesehene 3-Tages-Versorgung eines Patienten mit mittlerem thromboembolischen Risiko nicht ausreichend decken.

Grundsätzlich sind jedoch folgende Regelungen für das Entlassmanagement relevant:

  • Verordnung einer Packung mit kleinstem Packungsgrößenkennzeichen
  • Kennzeichnung der Muster-16-Rezepte mit Vermerk „Entlassmanagement“
  • Gültigkeit der Verordnung: drei Werktage (inkl. Ausstellungsdatum)
  • Status „4“

Hinsichtlich eines möglichen Retax-Risikos kann zwar aus dem ärztlichen Rahmenvertrag zum Entlassmanagement keine Prüfpflicht oder Retaxberechtigung gegen Apotheken aufgrund fehlender Angaben abgeleitet werden. Es ist jedoch zwingend ein verbindlicher „Apotheken-Haftungsausschluss“ für nicht „ordnungsgemäß“ ausgestellte Entlassverordnungen im Rahmenvertrag der Apotheken bzw. in den ergänzenden Versorgungsverträgen erforderlich, zumal z.B. BtM-Verordnungen und Verschreibungen mit teratogenen Wirkstoffen (§ 3a AMVV) ebenfalls nur drei Tage gültig sind.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de